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Erneut ist eine Waffenruhe gescheitert​

Die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten trieben die Ölpreise und Anleiherenditen in die Höhe und belebten die Erwartungen an Zinserhöhungen auf beiden Seiten des Atlantiks. Trotz wachsender geopolitischer und inflationsbedingter Sorgen blieben die Devisenmärkte relativ ruhig, was die Rendite höher verzinster Währungen stützte.

Convera Weekly FX Report
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Written by: Steven DooleyGeorge VesseyKevin FordAntonio RuggieroShier Lee Lim
The Market Insights Team

Unstimmigkeiten trotz Absichtserklärung. Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran verlaufen nicht wie geplant. In dieser Woche flammten erneut Feindseligkeiten auf. Die Ölpreise stiegen um bis zu 10 %, was zu einem sprunghaften Anstieg der Zinsvolatilität führte. Im Gegensatz dazu hielt sich die Volatilität an den Aktienmärkten in Grenzen. Das galt insbesondere für die USA.

Anleihen unter Druck. Der kräftige Sprung der Energiepreise führte zum größten Anstieg der Renditen kurzfristiger britischer und europäischer Staatsanleihen seit März, da Anleger ihre Positionen angesichts der höheren Inflation und einer strafferen Geldpolitik neu bewerteten.

Höherer Ausgangspunkt für Realrenditen. Die langfristigen Realrenditen in den USA erreichten ihren höchsten Stand seit 2008, nachdem steigende Ölpreise in Verbindung mit einer robusten Wirtschaft die Spekulationen darüber neu entfacht hatten, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen bereits im September anheben könnte.

Warshs Falken. Auch das Protokoll der ersten FOMC-Sitzung unter Kevin Warsh war von einem restriktiven Tonfall geprägt. Die geldpolitischen Entscheidungsträger verwiesen auf kriegsbedingte Inflationsrisiken. Einige der Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed (FOMC) sahen gar bei der Sitzung im letzten Monat bereits Grund für eine Zinserhöhung.

EZB deutet weitere Zinserhöhung an. Aus dem Protokoll der Juni-Sitzung der Europäischen Zentralbank ging hervor, dass der EZB-Rat ebenfalls zu einer weiteren Zinserhöhung um 25 Basispunkte voraussichtlich im September tendiert.

Count Binface gegen Nigel Farage. In Großbritannien rückte derweil die Politik wieder in den Mittelpunkt. Grund war die Entscheidung von Nigel Farage, aus dem Parlament auszuscheiden und bei einer Nachwahl im Bezirk Clacton erneut zu kandidieren. Dabei sieht sich der Vorsitzende von Reform UK mit dem Spaßkandidaten „Count Binface” konfrontiert, seinem wohl prominentesten Herausforderer.

Müde Devisenmärkte. Die Volatilität an den Devisenmärkten bleibt insgesamt verhalten, was hoch verzinsten Währungen zugutekommt, so auch dem britischen Pfund.

Chart: Subdued equity volatility despite renewed geopolitical risks

Globale Makrodaten
Geopolitische Risiken nehmen ab, Zinsen rücken in den Fokus

Déjà-vu. Wenngleich sowohl die USA als auch der Iran eine Deeskalation befürworten, sorgt das tiefsitzende Misstrauen immer wieder für ein erneutes Aufflammen der Spannungen zwischen beiden Seiten. Dies führt zu punktuellen Marktschwankungen und Unsicherheit über den wahrscheinlichsten Ausgang. Für Anleger stehen weiterhin zwei zentrale Fragen im Vordergrund: Zum einen, ob der Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus erneut stören wird, und zum anderen, ob sich der Konflikt zu einem umfassenderen Krieg in der Region ausweitet, der der Infrastruktur für die Ölförderung dauerhaften Schaden zufügt.

Im Fokus. Es passieren nach wie vor Schiffe die Straße von Hormus , die Energieinfrastruktur ist weitgehend unberührt geblieben und die Ölpreise sind wieder unter Kontrolle. Aus diesem Grund haben die Märkte einen Teil der zu Wochenbeginn beobachteten sicherheitsorientierten Positionen wieder abgebaut. Dadurch hat der Druck auf festverzinsliche Wertpapiere nachgelassen, und die Anleiherenditen haben sich von ihren jüngsten Höchstständen zurückgezogen. Es besteht die Gefahr, dass die Märkte zu selbstgefällig werden. Allerdings hat sich das Abklingen geopolitischer Schocks bisher als erfolgreiche Strategie erwiesen, sodass sich Anleger wieder verstärkt auf die Zinsdifferenzen am kurzen Ende als dem Haupttreiber der Marktpreise konzentrieren.

Neubewertung. Solange die Spannungen nicht weiter eskalieren, scheuen sich viele Anleger offenbar davor, eine deutlichere Straffung der Geldpolitik durch die großen Zentralbanken einzupreisen. Dennoch haben wir in Großbritannien und Europa eine restriktivere Neubewertung beobachtet, die die moderaten Kursgewinne des Euro und des Pfund Sterling gegenüber dem US-Dollar in den letzten Tagen erklärt.

Auf dem Prüfstand. Insgesamt rechnen die Märkte weiterhin mit einer Zinserhöhung durch die Fed bis zum Jahresende, was durch das restriktive FOMC-Protokoll diese Woche gestützt wird. Der nächste entscheidende Test für diese Prognose werden die anstehenden US-Inflationsdaten sein. Diese könnten darüber entscheiden, ob die Erwartungen bezüglich weiterer Straffungsmaßnahmen gestärkt oder in Frage gestellt werden.

Chart: Markets remain convinced Fed will hike this year

FX-Perspektiven
Verhaltene Reaktion

USD: Auf Beobachtungsposten. Der US-Dollar wurde diese Woche nur kurzzeitig durch die eskalierenden geopolitischen Spannungen gestützt. Die anfängliche Nachfrage nach sicheren Anlagen ließ nach, da die Ölpreise zum Wochenende hin wieder sanken und die Aktienkurse sich erholten. Dennoch untermauern die anhaltend hohen Energiepreise die restriktive Tendenz der Fed, was den Dollar insbesondere gegenüber niedrig verzinsten Währungen weiter stützen dürfte. Hoch verzinste Währungen werden weiterhin durch die Nachfrage nach Carry-Geschäften getragen. Allerdings unterschätzen die Märkte möglicherweise das Risiko einer Sperrung der Straße von Hormus und eines erneuten Ölpreisanstiegs. Daher bestehen für den Dollar weiter Aufwärtsrisiken, auch wenn die anhaltende Ermüdung angesichts der geopolitischen Schlagzeilen sowie stabile Energiemärkte den US-Dollar-Index wahrscheinlich in einer Seitwärtsbewegung halten würden. Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die Veröffentlichung des US-CPI nächste Woche und die Anhörung des Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh vor dem Kongress. Beides könnte klarere Hinweise auf den geldpolitischen Ausblick der US-Notenbank und damit auf die Richtung des US-Dollars geben.

EUR: Warten auf den Verbraucherpreisindex (CPI). Das Währungspaar EUR/USD konsolidierte während der gesamten Woche bei knapp über 1,14, nachdem es aufgrund der restriktiven Haltung der US-Notenbank ein Ein-Jahres-Tief von 1,1325 erreicht hatte. Seitdem haben unerwartet schwache Wirtschaftsdaten auf beiden Seiten des Atlantiks – die Inflationsdaten für die Eurozone und der US-Arbeitsmarktbericht – in Verbindung mit niedrigeren Ölpreisen die restriktiven Erwartungen sowohl an die EZB als auch an die Fed gedämpft. Infolgedessen weist das Währungspaar kaum noch eine klare Richtung auf. Der Euro hatte grundsätzlich Schwierigkeiten, nachhaltige Unterstützung aus den kriegsbedingten Renditegewinnen zu ziehen, da die Gedanken der Anleger nach wie vor von Wachstumssorgen dominiert werden und die Erinnerungen an die Energiekrise von 2022 noch frisch sind. Im Gegensatz dazu profitierte der US-Dollar von einem robusteren makroökonomischen Umfeld und einer geringeren Abhängigkeit von Energieimporten. Das Währungspaar EUR/USD notiert weiter unterhalb des 21-Tage-Durchschnitts bei etwa 1,1450. Verkäufer haben also allem Anschein nach weiterhin die Kontrolle. Sofern es keine weitere Eskalation im Nahen Osten gibt, könnte die in der nächsten Woche anstehende Veröffentlichung des US-CPI einen wichtigen Impuls liefern und den Weg für eine Rückkehr zu 1,15 ebnen.

Chart: Real rates suggest more EUR/USD downside risk

GBP: Bleibt gestützt. Das Währungspaar GBP/USD notiert nahe seinem 3-Monats-Hoch, während GBP/EUR weiterhin im Bereich seines Ein-Jahres-Hochs gehandelt wird. Angesichts mangelnder aktueller Daten und neuer Spannungen im Nahen Osten in dieser Woche fiel es den gemäßigten Vertretern der Bank of England schwer, Faktoren zu identifizieren, die ein schwächeres Pfund Sterling rechtfertigen würden. Die nächsten wichtigen Prüfsteine sind aus unserer Sicht die Veröffentlichung des britischen Verbraucherpreisindex und die geldpolitische Sitzung der BoE in diesem Monat. Beides könnte die jüngste Stärke des Pfunds weiter beflügeln oder aber dazu beitragen, die Rallye zu begrenzen, wenn sich die niedrigeren Ölpreise stärker in den Inflationsdaten und den Aussagen des geldpolitischen Ausschusses (MPC) niederschlagen. Zwar ist nach wie vor eine weitere Zinserhöhung der Bank of England bis zum Jahresende eingepreist, unerwartet schwache Inflationsdaten dürften das britische Pfund jedoch belasten. Die jüngsten Gewinne, insbesondere gegenüber dem Euro, dürften dadurch aber nicht vollständig aufgezehrt werden. Es wird weiterhin erwartet, dass die BoE grundsätzlich an ihrem restriktiven Kurs festhält. Die innenpolitischen Risiken sind angesichts des erwarteten reibungslosen Übergangs zu Andy Burnham überschaubar.

CHF: Sicherer Hafen mit Aufholbedarf. Der Abwärtstrend des Schweizer Franken gegenüber den meisten anderen wichtigen Währungen setzt sich trotz des Wiederaufflammens der geopolitischen Spannungen fort. Diese Entwicklung unterstreicht ein zentrales Thema der letzten Monate: Auch wenn die Nachfrage nach dem Schweizer Franken als sicherer Hafen anhält, schlägt sich das nicht länger in einer nachhaltigen Outperformance der Währung nieder. Ein wesentliches Hindernis bleibt die wiederholt von der SNB betonte gestiegene Bereitschaft, in die Devisenmärkte einzugreifen. In der Folge hat der Franken seine traditionelle Führungsrolle als sicherer Hafen weitgehend an den US-Dollar abgegeben und fungiert eher als Stabilisator denn als Anlage mit hohem Wertzuwachs. Mit Blick auf die Zukunft dürfte jeder Fortschritt in Richtung Frieden im Nahen Osten den Schweizer Franken zusätzlich belasten. Aktuell hält sich das Währungspaar EUR/CHF über wichtigen gleitenden Tagesdurchschnitten. Um weitere Aufwärtsdynamik zu generieren, wäre ein Durchbruch über 0,93 nötig. Beim Währungspaar USD/CHF hingegen würde ein Wochenschlusskurs über 0,81 den Aufwärtstrend untermauern.