Nach Warshs Rede in Jackson Hole ist Zinserhöhung der Fed wahrscheinlicher. Der Vorsitzende der US-Notenbank Kevin Warsh bekräftigte beim Fed-Symposium in Jackson Hole das Engagement der Fed im Kampf gegen die Inflation. Die Märkte preisten daraufhin eine höhere Wahrscheinlichkeit für weitere Zinserhöhungen ein. Die Renditen von Staatsanleihen verzeichneten nach dem Notenbanktreffen den größten Anstieg seit zwei Jahrzehnten und stärkten damit den US-Dollar.
Der Abverkauf von Anleihen belastet die Märkte. Die globalen Anleiherenditen stiegen sprunghaft an, da sich Anleger Sorgen über die anhaltende Inflation, höhere Staatsausgaben und eine mögliche weitere geldpolitische Straffung durch die Fed machten. Die steigenden Renditen setzten die Aktienmärkte unter Druck, stärkten den US-Dollar und führten zu einer verhalteneren Stimmung an den Finanzmärkten.
Öl-Rallye schürt neue Inflationsängste. Erneute Spannungen zwischen den USA und dem Iran trieben den Preis für Brent-Rohöl auf fast 95 USD pro Barrel. Dies verstärkte die Sorge, dass die Inflation weiter auf dem hohen Niveau bleiben könnte. Der enorme Anstieg der Energiepreise erschwerte die Lage für die Zentralbanken, die ohnehin bereits über eine Anhebung der Zinsen nachdenken.
USD/JPY-Volatilität schwächt den US-Dollar. Der Einbruch des USD/JPY-Kurses sorgte zum Ende der Woche für eine allgemeine Schwäche des US-Dollars. Während erneut über Interventionsmaßnahmen spekuliert wurde, führte ein Großteil der Händler diese Entwicklung eher auf Positionierungen und die gestiegene Nervosität am Markt zurück als auf die offiziellen Maßnahmen.
US-Beschäftigungsbericht wird zu wichtigem Härtetest für den Markt. Zum Ende der Woche blickten die Märkte erwartungsvoll auf die US-Beschäftigungszahlen ohne den Agrarsektor – einer wichtigen Grundlage für die Zinsentscheidung der Fed im September. Die gemischten Signale vom Arbeitsmarkt hinterließen bei den Anlegern jedoch den Wunsch nach mehr Klarheit hinsichtlich Wachstum, Beschäftigungstrends und Zinserwartungen.
Globale Makrodaten
US-Wachstum stabil, Neueinstellungen sorgen für gemischte Botschaft
Überraschend hohe Beschäftigung. Die Zahl der Beschäftigten in den USA stieg im August um 162.000 und übertraf damit die Prognose von 55.000. Die Zahlen der Vormonate wurden um 55.000 nach oben korrigiert. Die Arbeitslosenquote lag unverändert bei 4,1 % und das Lohnwachstum blieb stabil. Der Bericht ließ die erwartete Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Fed im September auf über 60 % steigen. Nun gilt das Augenmerkt der Veröffentlichung des Verbraucherpreisindex in der nächsten Woche.
US-Fertigungssektor. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe sank auf 54,6 Punkte (erwartet: 55,4), blieb aber dennoch den achten Monat in Folge im Expansionsbereich. Die Komponente der gezahlten Preise verharrte auf einem hohen Niveau von 71,1 Punkten, während Auftragseingang und Beschäftigung an Dynamik verloren.
US-Dienstleistungssektor. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor stieg auf 55,4 Punkte (erwartet: 54,2), wobei der Teilindex für die Geschäftstätigkeit bei 61,7 Punkten lag und die Komponente der Auftragseigänge auf 60,9 Punkte schnellte. Der Index der gezahlten Preise stieg auf 72,6, wobei sich die Beschäftigungskomponente mit 47,8 weiterhin im Kontraktionsbereich bewegte, was die Kluft zwischen einer starken Nachfrage und der Zurückhaltung bei Neueinstellungen noch verstärkte.
Arbeitsmarktdaten uneinheitlich. Laut dem jüngsten ADP-Bericht stiegen die Beschäftigungszahlen in der Privatwirtschaft statt der erwarteten 47.000 nur um 38.000 – das ist der schwächste Anstieg seit Januar. Im verarbeitenden Gewerbe wurden 17.000 Stellen abgebaut. Die Zahl der offenen Stellen blieb den JOLTS-Daten zufolge mit 7,27 Millionen ebenfalls hinter den Erwartungen zurück, wobei die Einstellungs- und Kündigungsraten weiterhin auf einem niedrigen Stand sind.
Zentralbanken verfolgen unterschiedlichen Kurs. Die Bank of Canada beließ den Leitzins bei 2,25 %, wobei sie die zunehmende Erholung und die durch Energiepreise und Zölle bedingten höheren Inflationsrisiken gegeneinander aufgewogen haben dürfte. Die neuseeländische Zentralbank erhöhte den Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,75 %, deutete mit ihrer zurückhaltenden Prognose jedoch nur auf eine schrittweise weitere Straffung hin.
Globale Inflation. Die Inflation im Euroraum stieg von 2,9 % auf 3,3 %, was in erster Linie dem Anstieg der Energiepreise um 14,3 % geschuldet war. Kerninflation und die Inflation im Dienstleistungssektor sanken auf 2,4 % bzw. 3,0 %. Japan lieferte ein positiveres Signal in Sachen Wirtschaftsaktivität: So stiegen die Einzelhandelsumsätze im Juli um 4,0 % zum Vorjahr, und die Industrieproduktion kletterte um 0,1 % gegenüber dem Vormonat – damit lagen beide Werte über den Erwartungen.
FX-Perspektiven
US-Dollar findet restriktiven Rettungsanker
USD: Der Greenback setzt alle Hoffnungen in die Fed. Der US-Dollar erkämpfte sich diese Woche Unterstützung durch das Narrativ einer restriktiven US-Notenbank, trotz einiger gegenläufiger Faktoren. So wird die US-Währung durch anhaltende Glaubwürdigkeitssorgen in Verbindung mit dem allgemeineren Abwertungstrend, eine optimistische Risikostimmung, die die Attraktivität des Dollars als sicherer Hafen beeinträchtigt, und einen stärkeren Yen belastet. Allerdings belebten überraschend positive Beschäftigungszahlen zum Ende der Woche die Wetten auf eine Zinserhöhung der Fed in zwei Wochen, wodurch der Greenback wieder etwas Boden gutmachen konnte. Dennoch hat das FOMC deutlich gemacht, dass es den Arbeitsmarkt als solide einschätzt, die Inflation aber nach wie vor im Mittelpunkt steht. Einige Fed-Vertreter verwiesen auf ein günstigeres Inflationsumfeld – die Energiepreise außen vor gelassen, was darauf schließen lässt, dass die Veröffentlichung einer überraschend niedrigen Inflationsrate für August in der nächsten Woche immer noch den Ausschlag für eine Zinspause geben könnte. Damit die restriktive Haltung der US-Notenbank dem Dollar nachhaltigere Unterstützung bieten kann, könnte im September jedoch eine Zinserhöhung notwendig sein. Das gilt insbesondere, nachdem Fed-Chef Kevin Warsh bei seiner Rede in Jackson Hole die Messlatte für eine restriktive Geldpolitik deutlich höher gelegt hat. Die Märkte zeigen sich weiterhin skeptisch, was die Maßnahmen der Fed zur Inflationsbekämpfung angeht.
EUR: EZB strebt nach Perfektion. Das Währungspaar EUR/USD gab nach einem überragenden US-Beschäftigungsbericht zum Ende der Woche einen Teil seiner Gewinne der letzten Wochen wieder ab. Vor Veröffentlichung der US-Inflationszahlen in der nächsten Woche wird das Währungspaar vermutlich nicht noch wesentlich stärker nachgeben. Die Unterstützung im Bereich von 1,1570 bzw. 1,1560 dürfte vorerst Bestand haben. Von der Euro-Seite kommt derzeit leider nur wenig Unterstützung. Die Erwartungen an eine Zinserhöhung der EZB – die Märkte preisen aktuell drei Zinserhöhungen bis Juni 2027 ein – scheinen nach wie vor übertrieben. Jede Abschwächung dieser Erwartungen dürfte den Druck auf den Euro aufrechterhalten. Eine Zinserhöhung durch die EZB nächste Woche scheint beschlossene Sache zu sein. Darüber hinausgehende Schritte wären jedoch als zunehmend restriktiv einzustufen. Wir bezweifeln, dass die EZB bereit ist, Wachstum zu opfern, um eine Inflation einzudämmen, die nach wie vor wenig Anzeichen für einen Preisdruck zeigt, der über den Energiesektor hinausreicht.
GBP: BoE-Chefökonom drängt zum Handeln. Laut dem Chefökonom der Bank of England, Huw Pill, würde eine Anhebung des Leitzinses von 3,75 % auf 4,00 % das Risiko verringern, dass die Geldpolitik dem Inflationsdruck hinterherhinkt. Pill sagte, ein schwächerer Arbeitsmarkt dürfte zwar dazu beitragen, sekundäre Preiseffekte zu begrenzen, diese aber unter Umständen nicht vollständig beseitigen. Seiner Ansicht nach würde ein früheres Einschreiten die Glaubwürdigkeit der Notenbank im Kampf gegen die Inflation stärken und dazu beitragen, dass vorübergehende Preisschocks nicht länger anhalten, ohne damit einen längerfristigen Straffungszyklus zu signalisieren. Pill und zwei geldpolitische Entscheidungsträger setzten sich im Juli für eine Erhöhung um 25 Basispunkte ein, wurden aber von sechs Mitgliedern überstimmt, die gegen eine Zinsänderung waren. Aktuell messen die Märkte einem Zinsschritt im September eine geringe Wahrscheinlichkeit bei. Die Erwartungen sind weiterhin eher auf November gerichtet. Die erste Unterstützung für das Währungspaar GBP/USD liegt beim 50-Tage-EMA von 1,3483, gefolgt vom 100-Tage-EMA bei 1,3453. Das nächste wichtige Widerstandsniveau mit Blick auf das Aufwärtspotenzial liegt bei 1,3600.
CHF: Der Franken erhält Unterstützung. Das Währungspaar USD/CHF notiert bei etwa 0,808, was einem Minus von rund 65 Pips in dieser Woche entspricht. Aktuell profitiert der Schweizer Franken von der allgemeinen Dollar-Schwäche, der Nachfrage nach sicheren Häfen und einer überraschend hohen Inflation im Inland. Die Inflation in der Schweiz hat sich im August gegenüber dem Vorjahr von 0,4 % auf 0,8 % verdoppelt und damit den höchsten Stand seit 2024 erreicht. Dies trübt den geldpolitischen Ausblick der SNB, wenngleich der Anstieg vor allem auf die Energie- und Mietpreise zurückzuführen ist. Der Franken hat trotz eines US-Renditevorteils von rund 417 Basispunkten an Wert gewonnen, was zeigt, dass geopolitische Risiken und defensive Kapitalflüsse den Carry-Nachteil derzeit aufwiegen. Technisch gesehen bleibt der USD/CHF-Kurs bei etwa 0,808 verankert, mit unmittelbarer Unterstützung bei 0,8062 bzw. 0,8000. Der Widerstand liegt bei 0,8131 bzw. 0,8200. Die Interventionsbereitschaft der SNB dürfte eine aggressive Aufwertung des Schweizer Franken begrenzen, allerdings lässt die unerwartete Inflationsentwicklung weniger Raum für eine entspannte Botschaft bei ihrer Sitzung am 18. September. Bis dahin werden die Entwicklungen in der Straße von Hormus sowie die US-Inflationsdaten darüber entscheiden, ob das Währungspaar USD/CHF in diesem Bereich bleibt oder die Schwelle von 0,8000 testet.