Maximaler Druck. Der neueste Schachzug der USA nennt sich Operation „Economic Fury“. Damit hoffen die Vereinigten Staaten, durch Sanktionen, Schifffahrtsbeschränkungen und finanzielle Maßnahmen die Öleinnahmen Irans versiegen zu lassen und dessen Wirtschaftskraft zu schwächen.
Auf und Ab. Die Energiepreise schwanken weiterhin. Tägliche Bewegungen des Ölpreises von 5 % nach oben und unten sind seit Wochen gefühlte Normalität. Dennoch bleibt die Risikostimmung stabil. Die globalen Aktienmärkte verzeichnen neue Rekordhochs und an den Devisenmärkten spielen Carry-Trades eine große Rolle.
Aufgewacht. Die Volatilität nimmt über alle Anlageklassen hinweg weiter ab, und die Anleger sind offenbar bereit, Risiken einzugehen. Der Volatilitätsindex (VIX) ist auf den niedrigsten Stand seit 2026 gefallen, der MOVE-Index hat nachgegeben und die Indikatoren für die Volatilität am Devisenmarkt bewegen sich nahe mehrjährigen Tiefständen.
Der Preis stimmt. Moderate US-Inflationszahlen, die direkt auf die schwächeren Arbeitsmarktdaten folgten, haben das Disinflationsnarrativ verstärkt und die Risikostimmung an den Märkten gestützt.
Langes Gedächtnis. Die Renditen kurzfristiger US-Staatsanleihen sind gesunken, da die Märkte ihre Erwartungen an eine geldpolitische Straffung durch die Fed zurückgeschraubt haben. Die Renditen längerfristiger Anleihen sind allerdings weiterhin hoch, was auf nachlassende Wachstumsängste und anhaltende Inflationsrisiken im Zusammenhang mit den Spannungen im Nahen Osten zurückzuführen ist.
Aufschieberitis. Es herrscht nach wie vor Zurückhaltung, weitere Zinserhöhungen der Fed aus den Marktpreisen herauszunehmen, was das Abwärtsrisiko des US-Dollars derzeit in Schach hält. Der US-Dollar-Index steuert auf seinen ersten wöchentlichen Zuwachs seit drei Wochen zu, wobei ein Großteil des Anstiegs auf die Schwäche des japanischen Yen zurückzuführen ist.
Keine Lust auf den Yen. Trotz steigender Erwartungen an eine geldpolitische Straffung durch die Bank of Japan und abnehmende Zinsunterschiede zwischen den USA und Japan wird der niedrig verzinste Yen weiterhin durch die geringe Volatilität und die robuste Carry-Nachfrage belastet.
Globale Makrodaten
Inflation lässt nach, Zentralbanken bleiben zurückhaltend
Erleichterung beim US-CPI. Der US-Verbraucherpreisindex (CPI) lag im Monatsvergleich bei +0,1 % (erwartet: +0,2 %), während sich die Gesamtinflation im Jahresvergleich auf 3,4 % (erwartet: 3,5 %) verlangsamte. Der Kern-CPI stieg im Monatsvergleich um 0,2 % und im Jahresvergleich um 2,5 %, was jeweils den Erwartungen entsprach und den Märkten ein leichtes Signal der Disinflation gab, ohne dabei wieder vollends eine Lockerung der Geldpolitik nahezulegen. Die Energiepreise sanken im Vergleich zum Vormonat um 1,5 %; die Wohnkosten machten jedoch noch immer etwa zwei Drittel des monatlichen Anstiegs aus.
PPI kühlt sich ab. Der US-Erzeugerpreisindex (PPI) fiel schwächer aus als befürchtet: Die Endnachfrage blieb im Monatsvergleich unverändert (erwartet: +0,2 %); im Jahresvergleich stieg sie um +4,7 % (erwartet +4,9 %). Der Kern-PPI ohne Nahrungsmittel und Energie stieg um +0,2 % gegenüber dem Vormonat (erwartet: +0,3 %), während die Warenpreise aufgrund niedrigerer Energie- und Nahrungsmittelpreise um 0,7 % sanken. Der Dienstleistungssektor sorgte allerdings immer noch für einen Anstieg von 0,2 % – der Pipeline-Druck ließ also nach, verschwand aber nicht vollständig.
Zentralbanken warten ab. Die Reserve Bank of Australia (RBA) beließ den Leitzins wie erwartet bei 4,35 %, betonte aber, dass die Inflation immer noch zu hoch sei und der RBA-Rat sich darauf konzentriere, ein Festsetzen der Inflation zu verhindern. Auch die norwegische Norges Bank beließ die Zinsen erwartungsgemäß bei 4,25 %. Sie behielt jedoch ihre restriktive Haltung bei und sagte, dass unter Umständen noch eine weitere Zinserhöhung notwendig sei, sollte sich die Inflation nicht weiter verlangsamen. Die geldpolitische Botschaft war eindeutig: Der Inflationsrückgang ist ein positives Signal, besiegt ist die Inflation aus Sicht der Zentralbanken aber noch nicht.
Wachstum in Großbritannien stabilisiert sich. Das BIP Großbritanniens stieg im 2. Quartal im Jahresvergleich um 1,2 % (erwartet: 1,1 %). Das Quartalswachstum von 0,4 % lag im Rahmen der Konsensprognosen. Das BIP im Juni übertraf ebenfalls die Erwartungen. Es fiel 0,3 % höher aus als im Vormonat, was vor allem auf den Dienstleistungssektor und die Investitionen zurückzuführen war. Die Industrieproduktion blieb weiterhin schwach.
BIP der Eurozone erholt sich im 2. Quartal. Nach aktualisierten Schätzungen wuchs die Wirtschaft der Eurozone im 2. Quartal um 1,0 % gegenüber dem Vorjahr und beschleunigte sich damit gegenüber den nach oben korrigierten 0,5 % im Vorquartal. Starke KI-bezogene Investitionen, robuste Staatsausgaben und einmalige Faktoren trugen dazu bei, die Auswirkungen des Iran-Konflikts sowie der höheren Energiepreise auszugleichen.
FX-Perspektiven
Die Zinsen geben wieder den Ton an
USD: Keine restriktiven Schritte in Sicht. Der US-Dollar-Index DXY notierte die gesamte Woche über knapp unterhalb der Marke von 100, wobei die Aufwärtsdynamik weiter nachließ. Verantwortlich dafür war in erster Linie eine weniger restriktive Haltung der Fed, die durch die in dieser Woche veröffentlichten moderaten CPI- und PPI-Daten noch verstärkt wurde. Der Konflikt im Nahen Osten hat sich unterdessen zu einer Kampagne wirtschaftlichen Drucks entwickelt; die USA bereiten sich darauf vor, den Druck auf die iranische Wirtschaft weiter zu erhöhen. Wir gehen nicht davon aus, dass der Dollar in dieser aktuellen Phase des Konflikts oder aus den in US-Dollar abgewickelten Energiegeschäften nennenswerte Unterstützung in seiner Rolle als sicherer Hafen erhalten wird. Damit bleibt die US-Notenbank klar am Steuer. Fed-Chef Kevin Warsh unternimmt wenig, um die restriktive Haltung der Fed wiederzubeleben, und überlässt die Hauptarbeit den eingehenden Daten. Die nächsten entscheidenden Prüfsteine sind die Veröffentlichung des Verbraucherpreisindex im August und das Fed-Symposium in Jackson Hole. Sofern nicht einer der beiden Termine die restriktive Haltung wieder aufleben lässt, könnte der Dollar Schwierigkeiten haben, erneut an Dynamik zu gewinnen.
EUR: Kein weiterer Auftrieb. Das Währungspaar EUR/USD bewegte sich diese Woche weitgehend seitwärts und pendelte um die Marke von 1,1550 herum. Das Paar wird weiter von der Entwicklung des US-Dollars bestimmt. Da die Märkte nahezu vollständig eine Zinserhöhung der EZB bis September einpreisen, hängen weitere Kursgewinne von der Entwicklung des Greenback und einer erneuten Verengung des Spreads zwischen den 2-jährigen EUR- und USD-Swaps zugunsten des Euro ab. Dennoch erwarten wir im Vorfeld des Notenbank-Treffens in Jackson Hole Ende dieses Monats keine wesentlichen Änderungen bei den relativen Zinsaussichten. Die Ölpreise und die allgemeine Risikostimmung haben einen Großteil ihrer Bedeutung für die Kursentwicklung des Euro verloren. Momentan sieht es so aus, als würde sich das Währungspaar EUR/USD um das aktuelle Niveau herum konsolidieren. Das Währungspaar konnte sich über den wichtigen Unterstützungsbereichen von 1,14 und 1,15 behaupten, die die Kursentwicklung seit Sommer 2025 gestützt haben. Großes Aufwärtspotenzial erscheint kurzfristig unwahrscheinlich, sofern die Fed keine eindeutig moderaten Töne anschlägt.
GBP: Von globalen Strömungen geleitet. Das Pfund Sterling zeigte sich diese Woche widerstandsfähig. Seine Wertentwicklung spiegelte nach wie vor eine Kombination aus günstiger Carry-Dynamik, gedämpfter Volatilität und einer vorteilhaften globalen Risikostimmung wider. Abgesehen davon bestätigten die unerwartet positiven britischen BIP-Daten eine robuste Wirtschaft in einer von geopolitischer Unsicherheit geprägten Zeit. GBP/USD notiert weiterhin deutlich über seinen wichtigen gleitenden Tages- und Wochen-Durchschnitten, was für einen positiven technischen Ausblick sorgt und dem Währungspaar hilft, sich über der Marke von 1,35 zu halten. Das Währungspaar GBP/EUR erreichte indes wieder die Marke von 1,17, wenngleich der Kurs im Verhältnis zu den zugrunde liegenden Zinsdifferenzen nach wie vor etwas hoch erscheint. Stattdessen wurde das Währungspaar durch den Wunsch der Anleger gestützt, in einem Umfeld mit niedriger Volatilität Carry-Erträge zu erzielen. Da Aktien derzeit nahe ihrer Rekordhochs notieren und die Devisenvolatilität im historischen Vergleich ungewohnt niedrig ist, ziehen die guten Beta-Merkmale des britischen Pfunds weiterhin Unterstützung an. Das Pfund bleibt jedoch anfällig, insbesondere wenn die Risikobereitschaft deutlich sinken oder die Marktvolatilität wieder zunehmen sollte. Nun steht eine entscheidende Woche mit Blick auf die Daten aus Großbritannien an – die Zahlen dürften Einfluss auf die Zinserwartungen haben und zeigen, ob die Widerstandsfähigkeit des Pfunds über das derzeitige risikofreudige Umfeld hinaus anhält.
CHF: Süß-sauer. Der Schweizer Franken blieb diese Woche in der Defensive. Schwache Inflationsdaten untermauerten die Erwartungen, dass die SNB eine der moderatesten Zentralbanken innerhalb der G10-Staaten bleiben wird. Der Gesamt-CPI sank im Juli von 0,5 % auf 0,4 % gegenüber dem Vorjahr; die Erzeuger- und die Importpreise gingen um 2,1 % im Jahresvergleich zurück. Damit setzte sich die bereits seit drei Jahren andauernde Deflationsphase fort. Die Daten verdeutlichen, dass höhere Energiepreise nur in begrenztem Maße auf die Inflation durchschlagen, und bieten wenig Grund für eine straffere Geldpolitik. Vor diesem Hintergrund profitiert der Schweizer Franken weiterhin von seinem wachsenden Status als bevorzugte Finanzierungswährung. Das Währungspaar EUR/CHF ist seit seinem Tiefstand im Jahr 2026 um mehr als 4 % gestiegen und nähert sich nun dem Höchststand vom Dezember 2025 bei etwa 0,94. Das Währungspaar USD/CHF hat die Marke von 0,81 zurückerobert und erhält dabei weiterhin starke Unterstützung von seinem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt, die bereits seit Ende Mai anhält.