Glücksspiel in Gaza. Berichte über ein mögliches Abkommen, das die Entwaffnung der Hamas und den Rückzug israelischer Truppen aus dem Gazastreifen vorsieht, weckten die leise Hoffnung auf eine Deeskalation. Es sind allerdings noch zahlreiche Hürden zu überwinden, bevor eine dauerhafte Einigung erzielt werden kann.
Kursrückgänge als Kaufgelegenheit. Technologiewerte verzeichneten nach dem Abverkauf in dieser Woche eine rasche Erholung. Der südkoreanische Aktienindex KOSPI legte ganze 18 % zu, da Anleger wieder verstärkt in KI-bezogene Halbleiteraktien investierten.
Yen gefestigt. Der japanische Yen verzeichnete nach einer weiteren Interventionsrunde durch die Behörden seinen größten Kursgewinn gegenüber dem Dollar seit über zwei Jahren. Das Währungspaar USD/JPY fiel am Donnerstag um bis zu 3 %, sprang dann aber wieder 2 % nach oben, nachdem die Bank of Japan die Leitzinsen unverändert gelassen hatte.
Fed ohne klare Linie. Die US-Notenbank Fed ließ den Zinssatz ebenfalls unverändert. Fed-Chef Kevin Warsh schien zufrieden damit, dass die verschärften Finanzierungsbedingungen einen Teil der Arbeit übernehmen. Die Märkte sehen die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September nach wie vor bei etwas über 65 %.
Warsh hinterlässt faden Eindruck. Eine verwirrende Pressekonferenz der Fed hat die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik beeinträchtigt. Die Folge sind eine wesentlich steilere Zinskurve für US-Staatsanleihen, höhere langfristige Kreditkosten und ein Rückgang des US-Dollar-Index in dieser Woche von über 1 %.
Gemäßigte Tendenz. Die Zurückhaltung der Bank of England mit Blick auf eine weitere Straffung der Geldpolitik hat die Märkte dazu veranlasst, ihre Erwartungen an eine Zinserhöhung zurückzuschrauben. Sie preisen nun nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 30 % für eine Erhöhung im September ein. Das Pfund Sterling blieb dennoch stabil.
Auftrieb für den Euro. Unerwartet positive Daten aus der Eurozone trieben die Euro-Swapsätze in die Höhe und stützten den Euro damit auf breiter Basis.
Globale Makrodaten
Die Märkte rechnen weiterhin mit einer selektiven Straffung
Wachstumsdynamik. Das US-BIP stieg im 2. Quartal annualisiert um 1,5 % (erwartet: 2,1 %). Damit wurde zwar die Gesamtprognose verfehlt, einzelne Komponenten fielen jedoch besser aus: So wurde bei den Konsumausgaben und den Unternehmensinvestitionen eine Steigerung verzeichnet, und der finale Umsatz mit Privatpersonen im Inland kletterte um 3,9 %.
US-PCE kühlt sich ab. Der Gesamtindex der privaten Konsumausgaben (PCE) sank im Monatsvergleich wie erwartet um 0,1 %. Im Vergleich zum Vorjahr ging er von 4,1 % auf 3,7 % zurück. Der Kern-PCE stieg im Monatsvergleich um 0,1 % und im Jahresvergleich um 3,3 %, wobei der Anstieg weitgehend den Konsensprognosen entsprach und etwas niedriger ausfiel als im Mai. Das Einkommen privater Haushalte stieg um 0,2 % (erwartet: 0,3 %) und deren Ausgaben um 0,3 % (erwartet: 0,4 %). Die realen Ausgaben legten immer noch um 0,4 % zu, was zeigt, dass der Konsum nicht nachgelassen hat.
Fed lässt Zinsen unverändert. Die Fed beließ die Zielspanne wie erwartet bei 3,50 % bis 3,75 %. Die Abstimmung endete jedoch mit 9:3 Stimmen – die drei Offenmarktausschuss-Mitglieder Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan hatten sich für eine Erhöhung von 25 Basispunkten ausgesprochen. So beinhaltete die Woche zumindest ein leicht restriktives Signal. Die weitere Richtung bleibt indes unklar, da Warsh erneut keine Prognose abgegeben hat und sinngemäß sagte, die Märkte sollten „auf den Ball statt auf den Schiedsrichter schauen“.
BoE hält Zinsniveau ebenfalls stabil. Die Bank of England beließ den Leitzins erwartungsgemäß bei 3,75 %, wobei die Abstimmung mit 6:3 Stimmen in die restriktive Richtung tendierte. Drei der Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses (MPC) hatten für eine Erhöhung um 25 Basispunkte gestimmt. Wie aus der Grafik hervorgeht, rechnen die Märkte nach wie vor mit einzelnen Straffungsmaßnahmen – insbesondere dort, wo die energiebedingten Inflationsrisiken immer noch hoch sind.
Auch die BoJ hält am Leitzins fest. Die Bank of Japan hat ihren Leitzins unverändert gelassen, was weithin erwartet worden war. Die wachsende Zinsdifferenz zwischen den USA und Japan bleibt einer der Hauptgründe, warum sich der USD/JPY-Kurs weiter auf einem hohen Niveau bewegt.
Mexiko erholt sich. Das BIP Mexikos fiel im 2. Quartal mit einem Plus von 1,5 % gegenüber dem Vorquartal (erwartet: 1,3 %) und von 2,2 % gegenüber dem Vorjahr (erwartet: 1,5 %) überraschend hoch aus. Das war das stärkste Wachstum innerhalb eines Quartals seit Ende 2020. Die positive Entwicklung erstreckte sich dabei sowohl über den Primär- als auch den Sekundär- und den Dienstleistungssektor.
FX-Perspektiven
Die Dynamik des US-Dollars gerät ins Stocken
USD: Dollar-Anleger zeigen Nerven. Der US-Dollar verlor diese Woche gegenüber den anderen wichtigen Währungen an Wert. Ein entscheidender Faktor war die letzte Sitzung der US-Notenbank, deren Botschaft nicht restriktiv genug war, um eine stark auf eine restriktive Geldpolitik ausgerichtete Marktpositionierung zu rechtfertigen. In der Folge erwies sich die Hürde für weitere Dollargewinne als zu hoch. Positionen wurden aufgelöst und der Dollar gab leicht nach. Am deutlichsten zeigte sich dies beim Währungspaar USD/JPY, wo die von der Fed verursachte Schwäche durch japanische Interventionen zur Unterstützung des Yen noch verstärkt wurde. Der Kurs des Währungspaars fiel auf 157,98 und damit auf den niedrigsten Stand seit Mai. Die heutige Sitzung der Bank of Japan bot trotz eines eher restriktiven Tons wenig Grund für eine weitere Aufwertung des Yen. Es bestehen zwar nach wie vor Interventionsrisiken, doch das Währungspaar USD/JPY erscheint auf dem aktuellen Niveau zunehmend attraktiv, da der allgemeine Aufwärtstrend intakt zu sein scheint. Insgesamt scheint die schwache Performance des Dollars in dieser Woche vor allem der Auflösung von Positionen in einem überlaufenen optimistischen Dollar-Trade geschuldet zu sein. Solange der Konflikt andauert, dürfte das Umfeld in Anbetracht höherer Ölpreise und der restriktiven Haltung der Fed weiterhin günstig für den US-Dollar bleiben.
EUR: Taktische Gewinne, strukturelle Zweifel. Das Währungspaar EUR/USD erreichte seinen höchsten Stand seit Mitte Juni, nachdem es sich im Juli überwiegend ohne klare Richtung um die Marke von 1,14 herum bewegt hatte. Dies lag in erster Linie an dem zum Monatsende hin gesunkenen Zinsgefälle zwischen dem Euro und dem US-Dollar. Die Juli-Sitzung der US-Notenbank konnte die restriktiv orientierten Falken nicht zufriedenstellen, während die unerwartet guten BIP- und Inflationsdaten der Eurozone die EZB in ihrer restriktiven Haltung bestärkten. Ein nachhaltigeres Aufwärtspotenzial für das Währungspaar EUR/USD hängt von einer erneuten Deeskalationsdynamik im Nahen Osten ab. Eine weniger restriktive Reaktion der Fed würde dem Währungspaar deutlichen Auftrieb verleihen. Zudem dürfte die Gemeinschaftswährung – solange die Ölpreise hoch bleiben – weiterhin durch die schwachen Wachstumsaussichten und die nachlassenden Terms-of-Trade-Effekte belastet werden. Vor diesem Hintergrund ordnen wir jede EUR/USD-Rallye als taktische und nicht als strukturelle Entwicklung ein. Die überfüllten optimistischen Dollar-Positionen können dem Euro zwar auch dann weiteren Auftrieb geben, wenn sie aufgelöst werden. Wir bleiben aber vorerst skeptisch, was einen nachhaltigen Durchbruch über die Marke von 1,15 angeht.
GBP: Stabil, nicht zügellos. Das Pfund Sterling zeigte diese Woche eine durchwachsene Performance. Das Währungspaar GBP/USD konnte wieder um rund 1 % in Richtung 1,35 zulegen, wobei diese Bewegung eher durch die Schwäche des US-Dollars als durch die Stärke des britischen Pfunds bedingt war. Die Bank of England beließ die Leitzinsen unverändert bei 3,75 %, und wenngleich ein weiteres MPC-Mitglied für eine Erhöhung stimmte, gingen die aktualisierten Schätzungen und Prognosen eher in die gemäßigte Richtung. Die Renditen britischer Staatsanleihen sanken, da die Märkte die Erwartungen an eine Straffung der Geldpolitik teilweise zurückschraubten. Das Pfund Sterling erwies sich jedoch als recht stabil, was darauf hindeutet, dass externe Faktoren weiterhin die Hauptrolle spielen. Das Pfund entwickelte sich besser als Rohstoffwährungen und profitierte von einem starken Rückgang der Energiepreise, der die norwegische Krone und den kanadischen Dollar belastete. Hinter anderen Währungen mit höherem Beta, wie der schwedischen Krone, blieb es jedoch angesichts der Erholung an den Aktienmärkten zurück. Das Währungspaar GBP/EUR hat sich von den Ein-Jahres-Hochs im Juli von über 1,18 wieder zurückgezogen und sich zwischenzeitlich bei rund 1,16 konsolidiert – einem Niveau, das eher den aktuellen Zinsdifferenzen entspricht. Insgesamt hat die Kursentwicklung in dieser Woche die Ansicht gefestigt, dass das Pfund Sterling angesichts sinkender Renditen in Großbritannien und der nachlassenden Unterstützung durch die Erwartungen der BoE derzeit zunehmend von externen Faktoren – insbesondere dem US-Dollar, der globalen Risikobereitschaft und den Energiemärkten – abhängig ist und weniger von inländischen Fundamentaldaten. Mit Blick auf die kommenden Wochen gilt: Der August schadet dem Pfund Sterling in der Regel mehr, als dass er ihm nützt. Das Währungspaar GBP/EUR ist in 12 der vergangenen 20 Jahre im Monat August gefallen. Damit liegt die Wahrscheinlichkeit für eine negative Performance des Pfund in diesem Monat bei 60 %.
CHF: Bevorzugte Finanzierungswährung. Der Schweizer Franken blieb diese Woche in der Defensive, da seine Rolle als bevorzugte Finanzierungswährung des Marktes weiter an Bedeutung gewann. Einem seltenen Bloomberg-Bericht zufolge gehen Insider der Schweizerischen Nationalbank (SNB) davon aus, dass die Leitzinsen bis Ende 2027 unverändert bei 0,00 % bleiben werden. Die SNB hat sich dazu bislang nicht geäußert. Allerdings deckt sich der Bericht mit den Erwartungen, dass die Schweiz auch die nächsten Jahre in einem Niedrigzinsumfeld verharren wird. Die Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen in der Schweiz verstärkt den negativen Einfluss zunehmender Zinsdifferenzen auf den Schweizer Franken, insbesondere wenn die Renditen weltweit steigen. Zudem erhöht sie die Attraktivität des Franken als Finanzierungswährung. Offenbar sind immer mehr Anleger bereit, Carry Trades in Schweizer Franken anstatt in japanischen Yen zu finanzieren. Denn die Kreditkosten sind ähnlich niedrig und gleichzeitig vermeiden sie so das Risiko einer plötzlichen Intervention durch die Bank of Japan.