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Ein Markt im Dauerhoch

Ölpreise über 100 Dollar, steigende Anleiherenditen, hartnäckige Inflation und ein stärkerer Yen verändern die Markterwartungen. In unserem Ausblick werfen wir einen Blick darauf, was höhere Zinsen, Entscheidungen der Zentralbanken und das von künstlicher Intelligenz getriebene Wachstum für die globalen Märkte bedeuten.

Convera Weekly FX Report
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Written by: Steven DooleyGeorge VesseyKevin FordAntonio RuggieroShier Lee Lim
The Market Insights Team

Öl setzt zum Höhenflug an. Die Ölpreise sind diese Woche um 10 % gestiegen und kletterten infolge der Eskalation des Nahostkonflikts wieder über die Marke von 100 Dollar. Damit rücken Inflationssorgen erneut in den Fokus und erschweren den Ausblick für die Zentralbanken vor wichtigen geldpolitischen Entscheidungen im Laufe dieses Monats.

Renditen ziehen wieder an. Die Anleiherenditen steigen weltweit erneut. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen nähert sich der Marke von 5 % und damit einem Niveau, das die Widerstandsfähigkeit der Aktienmärkte in der Vergangenheit immer wieder auf die Probe gestellt hat.

Der Preis der Intelligenz. Der KI-Boom stützt die Aktienmärkte weiterhin, doch steigende Anleiherenditen drohen die Finanzierungskosten für den billionenschweren Ausbau der erforderlichen Infrastruktur in die Höhe zu treiben.

Inflation bleibt ein Thema. Die hartnäckige Inflation in den USA hat den jüngsten Anstieg der Treasury-Renditen zusätzlich befeuert. Das stärkt die Argumente für eine weitere Straffung der Geldpolitik und hält Inflationsrisiken fest auf dem Radar der Anleger.

EZB bleibt auf Falkenkurs. Die EZB hob die Zinsen um 25 Basispunkte auf 2,5 % an und erreichte damit das obere Ende ihrer geschätzten neutralen Bandbreite. Die restriktiven Signale halfen dem Euro zudem, frühere Verluste wieder wettzumachen.

Höher für länger? Die Märkte rechnen zunehmend mit weiteren Zinserhöhungen weltweit. Für die kommende Woche wird eine Zinserhöhung der Fed um 25 Basispunkte mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 % eingepreist, eine weitere Anhebung bis Januar ebenfalls.

Der Yen macht erneut von sich reden. Die Stärke des Yen blieb in dieser Woche eines der dominierenden Themen am Devisenmarkt. Nachdem USD/JPY wichtige technische Marken durchbrochen hat, achten Anleger verstärkt auf das Risiko eines erneuten Abbaus von Carry-Trade-Positionen.

Chart: Oil resurgence accelerates tightening expectations

Globale Makrodaten

Energiegetriebene Inflation hält die Geldpolitik straff

EZB erhöht die Zinsen. Wie erwartet hat die EZB ihren Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2,50 % angehoben, da der Energieschock im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt die Inflation weiterhin über dem Zielwert hält. Gleichzeitig wurden die Inflationsprognosen für 2027 und 2028 nach oben revidiert und die Wachstumsaussichten verbessert.

US-CPI. Die US-Inflation fiel im August höher aus als erwartet und stärkte damit die Argumente für eine Zinserhöhung der Federal Reserve in der kommenden Woche. Der Gesamtindex stieg um 0,4 % gegenüber dem Vormonat, während die Kerninflation um 0,3 % zunahm und damit den stärksten Anstieg seit April verzeichnete. Ein Stillhalten der Fed wäre inzwischen wohl die grössere Überraschung für die Märkte.

US-Erzeugerpreise ziehen wieder an. Die US-Erzeugerpreise stiegen um 0,4 % gegenüber dem Vormonat und um 5,4 % gegenüber dem Vorjahr und lagen damit über den erwarteten 5,2 %. Die Energiepreise legten um 4,2 % zu, während das Mass ohne Nahrungsmittel, Energie und Handelsdienstleistungen moderater um 0,3 % gegenüber dem Vormonat stieg.

US-Arbeitsmarkt bleibt robust. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe beliefen sich auf 206’000 und entsprachen damit weitgehend den Erwartungen. Die Zahl der fortlaufenden Anträge ging auf 1,774 Millionen zurück. Entlassungen bleiben selten, sodass sich die Fed weiterhin vor allem auf die Inflation konzentriert.

Preisentwicklung in China. Chinas Verbraucherpreisinflation beschleunigte sich auf 0,8 % gegenüber dem Vorjahr und entsprach damit den Erwartungen. Die Erzeugerpreise stiegen um 3,8 % und lagen damit über den erwarteten 3,6 %. Höhere Rohstoff- und Energiekosten waren die Haupttreiber, während die Binnennachfrage verhalten blieb.

Wachstumsaussichten verbessern sich. Das BIP der Eurozone für das zweite Quartal wurde auf 0,6 % gegenüber dem Vorquartal und 1,2 % gegenüber dem Vorjahr nach oben revidiert. Haupttreiber waren die Nettoexporte. Auch Japans endgültiges BIP-Wachstum für das zweite Quartal wurde auf 0,4 % gegenüber dem Vorquartal angehoben, wobei die stagnierende Konsumnachfrage weiterhin bedeutet, dass die Auslandsnachfrage der wichtigste Wachstumsmotor bleibt.

Chart: Global yield climb continues as JGBs stabilize

FX-Perspektiven

Zinsschritt voraus, der Dollar zögert

USD Falkenhafte Fed, müder Dollar

Die US-Inflationsdaten für August dürften die Erwartungen einer Zinserhöhung durch die Fed in der kommenden Woche weiter gefestigt haben. Die Zahlen lagen insgesamt nahe an den Erwartungen, doch der Anstieg des Gesamtindex um 0,4 % sowie die höher als erwartete Kerninflation (0,3 % gegenüber 0,2 % Konsens) sorgten für Aufmerksamkeit. Die Märkte preisten daraufhin rasch eine Wahrscheinlichkeit von rund 85 % für eine Zinserhöhung in der kommenden Woche ein, was den Dollar weiterhin stützte. Diese Unterstützung wirkt allerdings zunehmend fragil. Ein Grund dafür ist, dass sich die Märkte schon seit Längerem auf eine restriktive Fed eingestellt haben. Die Positionierung in SOFR-Futures zeigt weiterhin eine hohe Konzentration von Short-Positionen, was darauf hindeutet, dass Anleger weiterhin auf steigende Zinsen setzen. Das ist nicht zwingend positiv für den Dollar. Das Potenzial für weitere Kursgewinne auf Basis einer bereits gut verstandenen restriktiven Fed-Story erscheint zunehmend begrenzt. Zudem könnte die Rede von Warsh in Jackson Hole die Hürde für weitere Überraschungen deutlich erhöht haben. Auch die Denkweise «Zinserhöhung oder nichts» dürfte die vergleichsweise verhaltene Marktreaktion erklären. Insgesamt bleiben wir moderat positiv für den Greenback gestimmt, da eine Zinserhöhung der Fed in der kommenden Woche weiterhin unser Basisszenario darstellt.

EUR Der Euro hält sich wacker, vorerst

Der Euro zeigte sich in dieser Woche überraschend widerstandsfähig, obwohl die Ölpreise auf den höchsten Stand seit Mai gestiegen sind. EUR/USD beendete die Woche weitgehend unverändert und blieb über 1,16. Die restriktive EZB-Sitzung dürfte dazu beigetragen haben, die schwächere Marktstimmung auszugleichen. Allerdings kann die EZB-Kommunikation dem Euro wohl nur noch begrenzt zusätzlichen Rückenwind verleihen. Die Märkte preisen derzeit zwei weitere Zinserhöhungen bis April 2027 ein. Angesichts der bislang noch begrenzten Weitergabe höherer Energiepreise an die allgemeine Inflation erscheint dies etwas ambitioniert. Entscheidend wird jedoch sein, wie sich die Ölpreise von hier aus weiterentwickeln. Gegenüber den meisten anderen wichtigen Währungen bewegte sich der Euro nur wenig. Die auffälligste Entwicklung war ein Rückgang von EUR/JPY um rund 2 %, ausgelöst durch die wachsende Überzeugung, dass die Bank of Japan einen restriktiveren Kurs einschlagen wird. Vor der Fed-Sitzung in der kommenden Woche sehen wir moderate Abwärtsrisiken für EUR/USD.

Chart: EUR/USD resilient despite firming hawkish Fed bets

GBP Erneut ein gemischtes Bild

Für das britische Pfund standen in dieser Woche erneut globale Entwicklungen stärker im Vordergrund als heimische Faktoren. Die restriktive EZB-Sitzung belastete GBP/EUR, während höher als erwartete US-Inflationsdaten GBP/USD unter die Marke von 1,35 drückten. Gegen Ende der Woche konnte das Pfund jedoch einen Teil seiner Verluste wettmachen, nachdem das britische BIP mit einem Plus von 0,4 % gegenüber dem Vormonat positiv überrascht hatte. Dies stärkte die Einschätzung, dass sich die britische Wirtschaft robuster zeigt als vielfach erwartet. Dennoch blieben die dominierenden Themen globaler Natur: höhere Finanzierungskosten weltweit, eine Neubewertung der Zinserwartungen und die allgemeine Risikostimmung. Vor diesem Hintergrund fiel die Entwicklung des Pfunds innerhalb der G10 uneinheitlich aus und spiegelte eher die Veränderungen im globalen makroökonomischen Umfeld wider als britienspezifische Nachrichten. Der Blick richtet sich nun auf die britischen Konjunkturdaten und die Sitzung der Bank of England in der kommenden Woche. Die Veröffentlichungen zu Arbeitsmarkt und Inflation werden zeigen, ob die jüngste wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit anhält. Für die nächste Sitzung wird zwar keine Zinserhöhung erwartet, die Märkte rechnen aber weiterhin mit rund drei Zinsschritten bis zum ersten Quartal 2027. Hinweise auf eine weitere Abkühlung des Arbeitsmarktes oder nachlassenden Inflationsdruck könnten diese Erwartungen infrage stellen und eine wichtige Stütze für das Pfund schwächen.

CHF Der Franken steht an einem Wendepunkt

Der Schweizer Franken geriet in dieser Woche erneut unter Druck, da die Märkte seine Rolle als bevorzugte Finanzierungswährung weiter ausbauten. Da die Schweizerische Nationalbank die Zinsen voraussichtlich noch längere Zeit nahe null halten wird, bleibt der Franken eine attraktive Finanzierungsquelle für Carry Trades, insbesondere angesichts der zunehmenden Unsicherheit rund um den Yen. Doch obwohl der Franken weiterhin zu den niedrigst verzinsten Währungen im G10-Universum zählt, beginnen die Optionsmärkte verstärkt Risiken in beide Richtungen einzupreisen. Die Volatilitätsprämien in EUR/CHF sind seit Ende August gestiegen. Dies spiegelt sowohl die allgemeine Neubewertung der FX-Volatilität nach der Yen-Rally als auch die wachsenden Zweifel wider, ob die SNB tatsächlich so expansiv bleiben kann, wie es die Märkte derzeit erwarten. Die jüngsten Schweizer Wirtschaftsdaten fielen überraschend robust aus. Die Inflation hat sich von Juli auf August verdoppelt, während das Wachstum im zweiten Quartal die Erwartungen deutlich übertraf. Sollten die widerstandsfähigen Inlandsdaten weiterhin die Annahme einer lang anhaltenden geldpolitischen Untätigkeit infrage stellen, könnte sich der Franken zu einer deutlich volatileren Finanzierungswährung entwickeln, als es viele Anleger gewohnt sind.