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Ein neues Glaubwürdigkeitsproblem?

Der Rückkauf von US-Staatsanleihen sorgte kurzzeitig für eine Linderung der Spannungen am Anleihemarkt. Allerdings ließen dessen abnehmende Wirkung und die zunehmenden Sorgen in Bezug auf den Schuldenstand sowie ein schwächerer US-Dollar Zweifel an der finanzpolitischen Glaubwürdigkeit der USA aufkommen.

Convera Weekly FX Report
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Written by: Steven DooleyGeorge VesseyKevin FordAntonio RuggieroShier Lee Lim
The Market Insights Team

Bessent setzt verstärkt auf Anleihe-Rückkäufe. Die Entscheidung von US-Finanzminister Scott Bessent, die Anleihe-Rückkäufe von USD 2 Mrd. auf USD 4 Mrd. zu verdoppeln ist zwar klein im Umfang, hat aber große Signalwirkung: Die politischen Entscheidungsträger sind immer weniger bereit, höhere Kreditkosten zu tolerieren.

Kurzer Energiekick. Die Anleiherenditen am langem Ende sanken am Tag der Ankündigung um fast 10 Basispunkte. Ein Großteil dieser Bewegung hatte sich jedoch innerhalb von 24 Stunden wieder umgekehrt.

Sündenbock. Der US-Dollar erlebte seinen schwächsten Handelstag des Monats und fiel gegenüber dem Schweizer Franken um 1,8 %; der US-Dollar-Index DXY notierte nahe seinem 3-Monats-Tief.

Krypto-Comeback. Der extreme Kursanstieg des Bitcoin war besonders aufschlussreich. Die High-Beta-Anlage fungierte als Barometer für bessere Liquiditätsbedingungen und die risikofreudige Stimmung.

Abwertungsdebatte. Die anlageklassenübergreifende Reaktion wirft Fragen hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der US-Geldpolitik auf und deutet darauf hin, dass die Märkte wieder mit einer Währungsabwertung rechnen.

Ewiger Kreislauf. Es besteht das Risiko, dass die höhere Verschuldung zu steigenden Renditen und damit zu höheren Zinskosten führt, was wiederum die Aufnahme neuer Kredite begünstigt und die Renditen weiter steigen lässt – ein nicht enden wollender Kreislauf.

Rekordverschuldung. Die angespannte Haushaltslage wurde erneut deutlich, als Schlagzeilen die Runde machten, dass die US-Staatsverschuldung die Marke von USD 40 Bio. überschritten habe, was einem Anstieg von einem Drittel in weniger als fünf Jahren entspreche.

Keine Neuigkeiten von der Fed. Das Protokoll der FOMC-Sitzung enthielt keine nennenswerten Überraschungen im Hinblick auf eine restriktive Geldpolitik und untermauerte damit die Ansicht, dass sich die US-Notenbank Fed momentan mit ihrer Zinspause wohlfühlt.

Hält die Fed an ihrer Zinspause fest? Beim anstehenden Fed-Symposium in Jackson Hole bedarf es größerer Klarheit von Fed-Chef Kevin Warsh, insbesondere in Anbetracht der jüngsten geldpolitischen Unsicherheit und veränderter Zinserwartungen.

Chart: Higher yields, weaker USD: When fiscal risk trumps carry

Globale Makrodaten

Der Druck am Anleihemarkt zwingt Finanzministerium zum Eingreifen

Intervention durch Finanzministerium. Das US-Finanzministerium will seine Programme zum Rückkauf langfristiger Anleihen zur Liquiditätsunterstützung mindestens von USD 2 Mrd. auf USD 4 Mrd. pro Eingriff verdoppeln. Die Rückkäufe sind für den Zeitraum vom 9. September bis zum 4. November geplant und zielen auf Papiere mit einer Laufzeit von 10 bis 30 Jahren ab. Die Ankündigung ließ die Rendite 30-jähriger Anleihen kurzzeitig von einem 19-Jahres-Hoch um fast 10 Basispunkte fallen, der Großteil des Rückgangs wurde jedoch zum Wochenschluss wieder wettgemacht. Das zeigt, dass zusätzliche Liquidität die zugrunde liegenden Sorgen in Sachen Haushaltspolitik, Angebot und Inflation nicht ausräumen kann.

Asien enttäuscht. Das japanische BIP stieg im 2. Quartal um 0,3 % gegenüber dem Vorquartal (erwartet: 0,5 %), da die schwache Inlandsnachfrage die positiven Effekte der Exporte aufzehrte. Auch China blieb hinter den Erwartungen zurück: Die Einzelhandelsumsätze wuchsen um 0,6 % gegenüber dem Vorjahr (erwartet: 1,5 %) und die Industrieproduktion um 4,5 % (erwartet: 4,9 %).

Die Inflation kehrt zurück. Der kanadische Verbraucherpreisindex (CPI) beschleunigte sich im Jahresvergleich auf 3,0 % (erwartet: 2,9 %) und im Monatsvergleich auf 0,5 % (erwartet: 0,4 %), was hauptsächlich gestiegenen Benzin- und Reisekosten geschuldet war. Der bereinigte CPI und der Median-CPI lagen unverändert bei 1,9 % bzw. 2,0 %. Der britische Verbraucherpreisindex stieg ebenfalls auf 2,9 % im Jahresvergleich – entsprechend den Konsensprognosen. Er lag jedoch über dem Wert von 2,6 %, obwohl die Inflation im Dienstleistungssektor nur noch 3,4 % betrug. Die Erholung der Gesamtinflation lässt beide Zentralbanken vorsichtig agieren. Die Kerninflationsdaten deuten allerdings nicht auf einen erneuten Inflationsanstieg hin.

USA zeigen sich widerstandsfähig. Die Industrieproduktion stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,2 % (erwartet: 0,3 %), wobei die regionalen Umfragen stärker ausfielen – der New York Empire State Manufacturing Index erreichte 20,6 Punkte und der Philadelphia Fed Index lag bei 47,4 gegenüber den erwarteten 22,5 Punkten. Die Zahl der Arbeitslosenanträge blieb mit 206.000 niedrig, was für ein nach wie vor stabiles US-Wachstum spricht.

Notenbanken pausieren restriktiven Kurs. Aus dem FOMC-Sitzungsprotokoll ging hervor, dass viele Mitglieder des Offenmarktausschusses eine weitere Straffung der Geldpolitik befürworten könnten, wenn die Inflation nicht zurückgeht, obwohl die meisten im Juli für eine Zinspause plädiert hatten. Die Schwedische Reichsbank beließ ihren Leitzins erwartungsgemäß bei 1,75 % und warnte davor, dass die jüngsten Angebotsschocks die zugrunde liegende Inflation trotz niedriger gemessener Inflation und hoher Arbeitslosigkeit anheizen könnten. Die Zinsen langfristiger Anleihen bleiben somit zwischen zurückhaltend agierenden Zentralbanken und dem wachsenden fiskalpolitischen Druck gefangen.

Chart: Term-premium stress is not just a US story

FX-Perspektiven

Restriktive Haltung der Fed weniger eindeutig

USD: Alte Sorgen, neue Auslöser. Der US-Dollar-Index DXY ist zum Ende der Woche um etwa 1 % gefallen, da Anleger die Risikolage neu bewerten. Auf geopolitischer Ebene untergräbt der Wandel der US-Rhetorik hin zu stärkerem wirtschaftlichen Druck auf den Iran effektiv die restliche Attraktivität des US-Dollars als sicherer Hafen. Wenngleich die Ölpreise weiter gestiegen sind, liegen sie immer noch deutlich unter den Höchstständen, die auf dem Höhepunkt des Konflikts erreicht wurden. Dadurch bietet das Ölgeschäft nur eingeschränkte Unterstützung. Darüber hinaus zeichnet sich erneut ein wohlbekanntes, längerfristiges Narrativ ab: eine mögliche Währungsabwertung. Die jüngsten Interventionsmaßnahmen des US-Finanzministeriums und die zunehmende Sensibilität gegenüber höheren Zinsen am langen Ende haben die Sorgen um die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen und die Glaubwürdigkeit entsprechender Institutionen neu entfacht – Themen, die den Dollar über weite Strecken des Jahres 2025 belasteten. Den größten kurzfristigen Einfluss dürfte das Notenbanktreffen in Jackson Hole nächste Woche haben. Dort werden die Märkte die Äußerungen von Kevin Warsh eingehend auf Anzeichen einer ausreichend restriktiven Geldpolitik prüfen. Bis dahin dürften die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) und die in der nächsten Woche anstehenden Daten zu den privaten Konsumausgaben den Ausblick nicht wesentlich verändern. Wir gehen davon aus, dass der DXY-Index im Bereich von 98-99 Punkten verharren wird, allerdings mit einer leichten Abwärtstendenz im Vorfeld der Konferenz von Jackson Hole.

EUR: Stärkerer Euro, schwächerer Dollar. Das Währungspaar EUR/USD steuert zum Wochenschluss auf ein Plus von mehr als 1 % zu. Das Paar kratzt an den 3-Monats-Hochs bei 1,17, da die restriktive Haltung der Fed, die bislang eine klare Unterstützung für den US-Dollar darstellte, zunehmend weniger klar ist. Anleger stellen sowohl die restriktive Haltung der nachfolgenden Fed-Führung als auch die allgemeine haushaltspolitische Lage der USA in Frage. Dennoch rechnen wir ohne deutlichere Signale nicht mit einer nachhaltigeren Bewegung in Richtung 1,18. Die nächste entscheidende Bewährungsprobe ist das Fed-Symposium in Jackson Hole kommende Woche. Die Unterstützung bei 1,1620 dürfte den optimistischen Durchbruch in dieser Woche untermauern. Sobald die institutionelle Glaubwürdigkeit wieder in den Fokus rückt, dürften die Gewinner von 2025 ein Comeback erleben, und der Schweizer Franken ist ein Paradebeispiel dafür. Das Währungspaar EUR/CHF hat diese Woche 1 % verloren und damit ein Zweiwochentief erreicht. Solange die Energiepreise nicht deutlich zurückgehen, erwarten wir von hier aus allerdings keine weiteren Kursverluste bei diesem Paar.

Chart: policy pressure drags down the greenback

GBP: Eher Nutznießer als treibende Kraft. Das Pfund Sterling steuert auf den vierten wöchentlichen Kursgewinn in Folge gegenüber dem US-Dollar zu. Der GBP/USD-Kurs stieg über 1,36 und markierte damit ein neues 6-Monats-Hoch, nachdem er letzte Woche die Widerstandsmarke von 1,35 deutlich durchbrochen hatte. Das Währungspaar notiert weiterhin klar über den wichtigen täglichen und wöchentlichen gleitenden Durchschnitten – ein Umstand, der das optimistische technische Umfeld untermauert. Auch die Optionsmärkte spiegeln die positivere Stimmung wider: Einwöchige GBP/USD-Risiko-Reversals liegen zum ersten Mal seit Januar im positiven Bereich. Allerdings ist diese Entwicklung in erster Linie auf die allgemeine Dollar-Schwäche und weniger auf die Stärke des britischen Pfund zurückzuführen, nachdem das US-Finanzministerium überraschend Anleihen-Rückkäufe angekündigt und damit das Vertrauen in den Greenback weiter untergraben hatte. Die Wirtschaftsdaten aus Großbritannien waren gemischt und haben die Erwartungen hinsichtlich des geldpolitischen Ausblicks der Bank of England kaum verändert. Die Performance gegenüber den Währungen der übrigen G10-Staaten war angesichts der begrenzten Unterstützung des Pfund Sterling im Inland weniger überzeugend. Der GBP/EUR-Kurs liegt weiterhin rund 1,5 % unter seinem jüngsten Höchststand von 1,18, während das Währungspaar GBP/CHF in dieser Woche um fast 1 % gefallen ist. Dennoch bleibt der Devisenmarkt von einer niedrig Volatilität geprägt, was in Verbindung mit dem risikofreudigen Umfeld das Pfund aufgrund seiner starken Beta-Merkmale und seines vergleichsweise attraktiven Renditeprofils weiterhin stützen dürfte.

CHF: Finanzierungsmittel versus sicherer Hafen. Die Zinsen in der Schweiz liegen nahezu bei null. Hinzu kommt das gedämpfte Inflationsumfeld und die Toleranz der SNB gegenüber einer schwachen Währung. Dies ermutigt Anleger weiterhin dazu, den Schweizer Franken als Finanzierungswährung zu nutzen. Die Positionsdaten zeigen, dass spekulative Akteure ihre Short-Positionen im Franken ausbauen, da Carry-Trader angesichts des wachsenden Risikos von Interventionen durch die Bank of Japan und weiterer Zinserhöhungen zunehmend den Schweizer Franken gegenüber dem japanischen Yen bevorzugen. Da die Schweizer Zinssätze zu den niedrigsten innerhalb der G10 gehören und die geldpolitischen Entscheidungsträger wenig Bereitschaft zur Straffung signalisieren, bleibt der Franken eine attraktive Quelle zur günstigen Finanzierung. Zwischenzeitlich zeichnet sich jedoch eine gegenläufige, optimistische Sichtweise ab. So profitierte der Franken zuletzt von der Nachfrage nach sicheren Anlagen infolge der Ankündigung von US-Finanzminister Bessent zum Rückkauf von Anleihen, was den USD/CHF-Kurs um 1,8 % sinken und seinen 100-Tage-Durchschnitt testen ließ. Während der Status des Schweizer Franken als Finanzierungswährung mittelfristig also eher für eine Schwäche spricht, bleiben seine Eigenschaften als sicherer Hafen intakt, sodass er in unsicheren Marktphasen zeitweise Unterstützung erhält. Der Wettbewerb zwischen diesen beiden Faktoren dürfte die Entwicklung des Franken in den kommenden Wochen maßgeblich bestimmen.