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Jede Menge Ärger

Der Ölpreis über 100 USD, neue Zollrisiken und veränderte Zinserwartungen – all das hat die Nachfrage nach dem US-Dollar erhöht. Die Märkte konzentrieren sich nun auf die Zentralbanken, die Inflation und die Aussichten für das globale Wachstum.

Convera Weekly FX Report
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Written by: Steven DooleyGeorge VesseyKevin FordAntonio RuggieroShier Lee Lim
The Market Insights Team

Rohöl bereitet Sorgen. Der Ölpreis hat erneut die Marke von 100 USD erreicht, nachdem er seit Monatsbeginn um mehr als 35 % und damit auf den höchsten Stand seit Mai gestiegen war. Die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten lassen die Befürchtungen wachsen, dass ein länger andauernder Konflikt die globalen Energiepreise hoch halten könnte.

Ein weiterer Engpass. Berichten zufolge haben die vom Iran unterstützten Huthis in der Nähe der Meerenge Bab al-Mandab im Roten Meer zwei saudische Tanker angegriffen und damit einen weiteren wichtigen globalen Handels- und Energiekorridor unter Druck gesetzt.

Neue Spannungen in der Zollpolitik. Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, neue Zölle gegen mehr als 60 Länder zu verhängen, droht die globalen Lieferketten weiter zu fragmentieren.

Wilder Ritt. Die Volatilität des KOSPI bleibt hoch. Grund sind die starken, von der Halbleiterindustrie ausgehenden Kursschwankungen, die weiterhin zu Handelsstopps in Südkorea führen und die Risikobereitschaft weltweit beeinträchtigen.

Burnham lässt die Renditen steigen. Der neue britische Premierminister Andy Burnham hat innerhalb kürzester Zeit Maßnahmen vorgestellt, die den steigenden Lebenshaltungskosten Einhalt gebieten sollen. Die Renditen zehnjähriger britischer Staatsanleihen haben die Marke von 5 % überschritten, wobei die weltweit steigenden Energiekosten nach wie vor der ausschlaggebende Faktor sind.

Bewegung bei Bundesanleihen. Die Europäische Zentralbank ließ die Zinsen unverändert, deutete aber eine Zinserhöhung im September an. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen stiegen auf den höchsten Stand seit 2011. Der Euro gab jedoch nach, da sich die Märkte auf die Wachstumsprobleme konzentrierten.

Fed-Kurve zeigt nach oben. Trotz der niedrigeren US-Inflationszahlen in der letzten Woche liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed in diesem Monat wieder bei fast 40 %. Das erhöht den Druck auf risikoreiche Anlagen.

Devisen im Flow. Der US-Dollar entwickelt sich dank der Nachfrage nach sicheren Häfen und höherer Energiepreise überdurchschnittlich gut. Zusätzliche Unterstützung erhält der Greenback durch die flachere US-Zinskurve.

Chart: Surging oil reignites tightening expectations

Globale Makrodaten

Inflation sinkt weiter, Wachstum bleibt stabil

Gemischtes Bild in den USA. In den USA sanken die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf 187.000 gegenüber erwarteten 212.000 – das ist der bislang niedrigste Wert in diesem Jahr und nahe an den Tiefstständen der letzten Jahrzehnte. Die Folgeanträge gingen auf 1,796 Millionen zurück. Die Wirtschaftsaktivität entwickelte sich allerdings nicht durchweg positiv: Der US-Leitindex fiel mit 0,2 % stärker als erwartet (-0,1 %). Schwache Konsumwartungen und die geringe Zahl von Baugenehmigungen wogen die positiven Impulse der Finanzkomponenten auf. Die Zahlen senden ein eindeutiges Signal: Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor angespannt und die Frühindikatoren deuten nicht auf eine breite Erholung hin.

EZB pausiert. Nach der Zinserhöhung im Juni beließ die Europäische Zentralbank den Einlagensatz wie erwartet bei 2,25 %. Die Zinspause war aber nicht Ausdruck einer gemäßigten Haltung: Die geldpolitischen Entscheidungsträger orientieren sich nach wie vor an den Daten und verwiesen weiterhin auf die Inflationsrisiken im Zusammenhang mit dem Energieschock im Nahen Osten und möglichen Folgeeffekten. Die Reaktion des Euro fiel moderat aus, da die Entscheidung bereits vollständig eingepreist war. Wichtiger bleibt die Frage, was im September geschieht.

Großbritannien ebenfalls gemischt. Der britische Arbeitsmarkt hat sich unerwartet gut gehalten. Die Arbeitslosenquote lag unverändert bei 4,9 % (erwartet: 5,0 %) und die Beschäftigung stieg stärker als prognostiziert. Der britische Verbraucherpreisindex (CPI) sank von 2,8 % auf 2,6 % im Jahresvergleich und lag damit unter den Erwartungen von rund 2,7 %. Der Kern-CPI blieb jedoch bei 2,6 % und die Inflation im Dienstleistungssektor ging nur leicht auf 3,6 % zurück, sodass die Bank of England zwar ein positiveres Ergebnis vorweisen kann, der Druck im Inland aber weiter anhält.

Kanadischer Verbraucherpreisindex. In Kanada sank der CPI im Jahresvergleich auf 2,8 % (erwartet: 3,0 %) und im Monatsvergleich um 0,4 %. Den größten Anteil daran hatten die Benzinpreise angesichts des nachlassenden Preisdrucks im Energiebereich. Auch die Kerninflation ging zurück: Der Median der Bank of Canada lag bei 1,9 % und der getrimmte Mittelwert bei 1,8 %; damit waren beide Werte niedriger als im Mai und lagen auf dem niedrigsten Stand seit mehreren Jahren. In Anbetracht dieser Daten kann sich die kanadische Notenbank stärker in Geduld üben, insbesondere da die Gesamtinflation wieder unter dem oberen Ende des Zielkorridors liegt.

Chart: US macro mix stays hawkish

FX-Perspektiven

Die Messlatte liegt höher

USD: Eine zaghafte Erholung des Dollars. Der US-Dollar legte diese Woche leicht zu und gewann gegenüber dem Euro ca. 0,6 %, da die Ölpreise angesichts der anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran wieder über 100 USD pro Barrel gestiegen sind. Das Währungspaar USD/JPY ist auf den höchsten Stand seit fast 40 Jahren geklettert, und das Währungspaar USD/CHF hat seine Ein-Jahres-Höchststände überschritten. Der Schweizer Franken hat aufgrund der geopolitischen Spannungen, die für höhere Energiepreise sorgen, an Attraktivität verloren. Dennoch ist die Nachfrage nach dem US-Dollar bisher verhaltener als während der ersten Eskalation des Konflikts. Gedämpft wird die Nachfrage unter anderem durch eine ausgewogenere Dollar-Positionierung und die Einschätzung der Anleger, dass die erneute Eskalation Teil einer umfassenderen Strategie ist, die auf eine bessere Verhandlungsposition abzielt. Der US-Dollar-Index (DXY) hat seinen 21-Tage-Durchschnitt zurückerobert – ein Zeichen für erneutes Kaufinteresse. Er liegt aber immer noch unter seinem Höchststand von Ende Juni von 101,800. Die geldpolitische Sitzung der US-Notenbank in der kommenden Woche könnte Impulse für einen weiteren Kursanstieg liefern.

EUR: Keine Freude für den Euro. Das Währungspaar EUR/USD gab diese Woche trotz restriktiver Signale von der EZB-Sitzung im Juli leicht nach; der US-Dollar behielt die Oberhand. Die Gemeinschaftswährung geht dennoch gestärkt gegenüber dem Schweizer Franken, dem japanischen Yen und dem Pfund Sterling ins Wochenende. EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte, dass die Inflationsrisiken weiterhin überwiegend aufwärtsgerichtet seien und dass der EZB-Rat die Inflations- und Wachstumsrisiken nun nicht mehr als ausgewogener ansehe, wie das noch vor der erneuten Eskalation des Konflikts der Fall war. Der restriktive Tonfall verstärkte die Erwartungen hinsichtlich einer Zinserhöhung im September und womöglich einer weiteren vor Jahresende. Allerdings waren die Märkte bereits vor der Sitzung von einer restriktiveren Haltung ausgegangen, sodass es kaum Spielraum für eine positive Überraschung zur Unterstützung des Euro gab. Unterdessen sorgen die höheren Ölpreise weiterhin für eine Verschlechterung der Handelsbedingungen in der Eurozone, wodurch die positive Wirkung steigender Zinserwartungen aufgewogen wird. Das Währungspaar EUR/USD verharrt weiter in einer Spanne von 1,1350 bis 1,1450, wobei die Abwärtsrisiken überwiegen könnten, wenn keine Anzeichen einer Deeskalation auftreten.

Chart: Conflict re-escalation reignites terms-of-trade headwinds

GBP: Das Blatt wendet sich. Der starke Aufwärtstrend des Pfund Sterling hat diese Woche endgültig an Schwung verloren. So gab das Pfund gegenüber den meisten wichtigen Währungen nach, nachdem es zuvor bei mehreren Währungspaaren mehrmonatige sowie mehrjährige Hochs markiert hatte. Was als eine Serie von Gewinnmitnahmen in einem zunehmend angespannten Markt begann, entwickelte sich zu einer weitreichenderen Neubewertung der Faktoren, die das britische Pfund über weite Teile des Juni und Anfang Juli gestützt hatten. Die entscheidende Veränderung bestand im Wiederaufleben des Terms-of-Trade-Kanals. Steigende Ölpreise aufgrund der neuen Spannungen im Nahen Osten haben dem US-Dollar und rohstoffgebundenen Währungen wie der norwegischen Krone und dem kanadischen Dollar Auftrieb gegeben, Nettoenergieimporteure hingegen belastetet. Für das Pfund Sterling hat dies die zuvor günstige Kombination aus Carry-Nachfrage, geringer Volatilität und dem nachlassenden politischen Risiko in Großbritannien wieder aufgehoben. Die Entwicklungen im Inland wurden weitgehend ignoriert. Die unerwartet starken Einzelhandelsumsätze und Einkaufsmanagerindizes konnten das Pfund nicht stärken. Zudem warfen Bedenken hinsichtlich der frühen Ausgabenzusagen von Premierminister Burnham erneut Fragen zur Haushaltsdisziplin auf. Technisch gesehen droht das Währungspaar GBP/USD in Richtung der wichtigen Unterstützung bei etwa 1,32 zurückzufallen, während sich das Währungspaar GBP/EUR von den Ein-Jahres-Hochs über 1,18 zurückgezogen hat und die Unterstützung bei etwa 1,17 testet. Bei der Sitzung der Bank of England in der nächsten Woche wird sich zeigen, ob die Erwartungen an eine restriktive Zinspolitik zu hoch sind. Jegliche gemäßigte Neubewertung würde ein zusätzliches Abwärtsrisiko für das britische Pfund darstellen.

CHF: Der Carry hat immer noch Gewicht. Der Schweizer Franken blieb diese Woche unter Druck, da steigende Energiepreise die Zinsdifferenzen zugunsten höher verzinster Währungen ausweiteten. Trotz der erhöhten geopolitischen Risiken hat die Schweizer Währung wenig von der sonst in Phasen der Unsicherheit typischen Nachfrage nach sicheren Häfen verzeichnet. Die Marktvolatilität ist allerdings nach wie vor gering. Diese Kombination begünstigt weiterhin Carry Trades, wobei der Franken eine attraktive Finanzierungswährung bleibt. Für seine Wertentwicklung ist dies von Nachteil. In der aktuellen Lage kann jedoch eine abrupte Kehrtwende nicht ausgeschlossen werden. Sollten sich die Märkte weniger tolerant gegenüber den höheren Energiepreise zeigen, könnte dies einen Anstieg der Volatilität und eine Auflösung der Carry-Positionen zur Folge haben. Aus technischer Sicht notiert das Währungspaar USD/CHF nahe seinem höchsten Stand innerhalb eines Jahres. Das Währungspaar EUR/CHF hat mittlerweile fast alle Verluste seit Jahresbeginn wettgemacht und liegt wieder bei etwa 0,93. Beide Währungspaare nähern sich nun ihrem jeweiligen gleitenden 100-Wochen-Durchschnitt an – wichtigen Niveaus, die darüber entscheiden könnten, ob sich die Schwäche des Schweizer Franken fortsetzt oder es zu einer Stabilisierung kommt.