Brennpunkt Hormus. Das Augenmerk bleibt auf die Straße von Hormus gerichtet, denn die immer härteren US-Maßnahmen gegen den Iran erhöhen das Risiko neuer Störungen der globalen Energieströme und damit auch die Unsicherheit aufgrund der ohnehin schon fragilen geopolitischen Lage.
Rohöl im Aufschwung. Der Preis für Brent-Rohöl steuert auf seinen größten wöchentlichen Anstieg (> 10 %) seit April zu. Der Referenzpreis notiert derzeit knapp unter 85 USD pro Barrel.
Erleichterung beim Gesamt-CPI, Kernkomponenten steigen. Der schwächere US-Verbraucherpreisindex (CPI) brachte eine gewisse Entlastung. Allerdings deuten steigende Energiepreise und Aufwärtsrisiken bei den an die privaten Konsumausgaben (Kern-PCE) gekoppelten Komponenten des Erzeugerpreisindex (PPI) darauf hin, dass Anleger womöglich zu früh mit einem milden Inflationsumfeld rechnen.
Anleihen finden keinen Frieden. Die globalen Renditen dürften hoch bleiben, da die Auswirkungen kriegsbedingter Lieferengpässe das Risiko eines Inflationsanstiegs erhöhen und die großen Zentralbanken dazu veranlassen, ihre restriktive Haltung beizubehalten oder zu verschärfen.
Vom Taktgeber zum Sorgenkind. Der Einbruch des südkoreanischen Aktienindex stellt gerade das Vertrauen in die KI-getriebene Rallye auf die Probe. Die anhaltende Schwäche bei Halbleiteraktien droht eines der wichtigsten optimistischen Narrative am Markt zu untergraben.
Carry is King. Obwohl die gesunkene Risikobereitschaft die Gewinne begrenzt, bieten die geringe FX-Volatilität sowie die anhaltenden geldpolitischen Divergenzen weiterhin günstige Bedingungen für Carry-Strategien und stützen damit kurzfristig hoch verzinste Währungen wie GBP, AUD, NOK und NZD.
Wenig Überzeugung. Abseits der Schlagzeilen verharren die Märkte weiter in einem Umfeld mit längerfristig höheren Zinsen und einer niedrigen Volatilität, die eher Unentschlossenheit als Zuversicht widerspiegelt.

Globale Makrodaten
Inflation lässt nach, Wachstum hält an
Erleichterung beim US-CPI. Der US-Verbraucherpreisindex kühlte sich stärker ab als erwartet. So lag der Gesamt-CPI im Monatsvergleich bei -0,4 % (erwartet: rund -0,2 %) und im Jahresvergleich bei 3,5 % (erwartet: 3,8 %). Für diese Abkühlung sorgte vor allem der starke Rückgang der Energiepreise. Auch der Kern-CPI fiel niedriger aus: Im Monatsvergleich blieb er unverändert (erwartet: 0,2 %) und im Jahresvergleich lag er bei 2,6 % (erwartet: 2,9 %) – das war für die Märkte das deutlichste Desinflationssignal seit Wochen.
Bestätigung durch PPI. Die Erzeugerpreise bestätigten die Botschaft einer schwächeren Inflation: Der PPI für die Endnachfrage lag bei -0,3 % im Monats- und bei 5,5 % im Jahresvergleich (erwartet: -0,1 % bzw. 6,2 %). Der größte Teil des Rückgangs entfiel auf die Bereiche Güter und Energie. Der Kernindex ohne Nahrungsmittel, Energie und Handelsdienstleistungen stieg jedoch um 0,1 % zum Vormonat und um 5,1 % gegenüber dem Vorjahr. Der Preisdruck in der Lieferkette hat also nachgelassen, ist aber nicht verschwunden.
Wirtschaftsaktivität in den USA bleibt stabil. Die Einzelhandelsumsätze in den USA stiegen wie erwartet nur um 0,2 % gegenüber dem Vormonat, wobei niedrigere Benzinpreise die Gesamtentwicklung dämpften. Die zugrundeliegende Dynamik sah besser aus. Die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung sank auf 208.000 statt der prognostizierten 217.000 und damit auf den niedrigsten Wert seit über zwei Monaten. Der Philadelphia Fed Index sprang hingegen auf 41,4 Punkte (der Konsens hatte bei 13 Punkten gelegen) und markierte damit den höchsten Wert seit Ende 2021.
China enttäuscht. Das chinesische BIP-Wachstum verlangsamte sich im 2. Quartal auf 4,3 % gegenüber dem Vorjahr, womit die Konsensprognosen (4,5 %) verfehlt und die schwache Inlandsnachfrage deutlich wurden. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im Juni um 1,0 % gegenüber dem Vorjahr und die Industrieproduktion um 5,3 % (erwartet: -0,1 % bzw. 4,7 %). Das Gesamtbild blieb jedoch uneinheitlich: Fertigungssektor und Exporte halten sich besser als Haushalte und Investitionen.
Kanada im Aufwärtstrend. Die Bank von Kanada beließ den Leitzins erwartungsgemäß bei 2,25 %. Zudem klangen die Äußerungen der geldpolitischen Entscheider optimistischer, als sie erklärten, das Wachstum ziehe an und die Inflation dürfte nach ihrem jüngsten Anstieg wieder nachlassen. Darüber hinaus meldete Kanada bessere Daten für den Fertigungssektor. Demzufolge legten die Umsätze im verarbeitenden Gewerbe im Monatsvergleich um 1,3 % (erwartet: 1,1 %) zu und erreichten im Mai einen Rekordwert von 78,1 Milliarden kanadischen Dollar.

FX-Perspektiven
Ohne klare Richtung im Vorfeld geldpolitischer Entscheidungen
USD: Verliert an Dynamik, aber nicht an Unterstützung. Der US-Dollar-Index büßte etwas von seiner Aufwärtsdynamik ein, nachdem er unter seinen 21-Tage-Durchschnitt bei etwa 101,00 gefallen war. Grund für diese Entwicklung waren unerwartet schwache Inflationsdaten. Die kurzfristigen Aussichten für den Greenback bleiben dennoch im Großen und Ganzen positiv. Zwar hat die jüngste geopolitische Eskalation bislang keine nennenswerte Nachfrage nach sicheren Anlagen ausgelöst, sie dürfte aber die US-Notenbank Fed in ihrer restriktiven Geldpolitik bestärken. Aufgrund seiner Rolle als wichtigste Finanzierungswährung der Welt erhält der US-Dollar in der Regel auch in einem parallel stattfindenden Zinserhöhungszyklus überproportionale Unterstützung, da eine angespannte Liquiditätslage die Nachfrage nach USD-Finanzierungen typischerweise ankurbelt. Längerfristig bestehen jedoch weiterhin Abwärtsrisiken, sollte die Deeskalation wieder an Dynamik gewinnen und erneut den Weg für eine gemäßigte Neuausrichtung der Geldpolitik der Fed ebnen. Bis zur nächsten geldpolitischen Sitzung am 29. Juli dürfte sich der Dollar innerhalb der Spanne von 100,00 bis 101,00 konsolidieren, so lange gilt für die Fed-Vertreter die übliche Sperrfrist. Die Risiken bleiben allerdings nach oben gerichtet, sollte der Konflikt zwischen den USA und dem Iran weiter eskalieren.
EUR: Stagniert bei etwa 1,14. Das Währungspaar EUR/USD notierte nahezu den gesamten Juli über ohne klare Richtung. Seit dem Ein-Jahres-Tief bei 1,1325 am 24. Juni hat es sich etwas erholt, wobei diese Entwicklung eher auf die fehlende Stärke der beiden entscheidenden Negativfaktoren zurückzuführen ist als auf eine intrinsische Aufwärtsdynamik des Euro. Eine restriktive US-Notenbank und geopolitische Risiken bleiben die deutlichsten Abwärtskräfte für die Gemeinschaftswährung. Erstere bewegt sich im Spannungsfeld zwischen unerwartet niedrigen Inflationsdaten und immer neuen geopolitischen Spannungen, die die Aussichten auf eine sinkende Inflation trüben. Letztere gewannen diese Woche an Bedeutung, lösten aber bislang keine umfassende Risikoabkehr an den Märkten aus. Dem US-Dollar fiel es daher schwer, nennenswerte Unterstützung aus seiner Rolle als sicherer Hafen zu ziehen. Solange es nicht zu einer länger andauernden geopolitischen Eskalation kommt, dürfte sich der EUR/USD-Kurs bis zu den anstehenden Notenbanksitzungen am Monatsende weiter um die Marke von 1,14 herum bewegen.

GBP: Lebendig und vom Carry getragen. Das Pfund Sterling erlebte eine weitere überwiegend positive Woche. Gestützt wurde die Währung durch die Nachfrage nach Carry Trades sowie sinkende politische Risikoprämien und ein günstiges Volatilitätsumfeld. Das Währungspaar GBP/USD kletterte auf den höchsten Stand seit Mitte Mai und verzeichnete dabei seinen drittgrößten Tagesgewinn in diesem Jahr. Während der US-Dollar von schwächeren US-Arbeitsmarktdaten belastet wurde, erhielten britische Vermögenswerte Unterstützung durch den Optimismus bezüglich der Zusammensetzung der künftigen Regierung unter Andy Burnham. Das Währungspaar GBP/EUR setzte seinen jüngsten Aufwärtstrend ebenfalls fort. Es durchbrach die Marke von 1,18 und markierte damit ein neues Ein-Jahres-Hoch, bevor der Kurs wieder etwas nachgab. Die Dynamik-Indikatoren sind mittlerweile in den überkauften Bereich vorgedrungen, und die Zinsdifferenzen am kurzen Ende rechtfertigen das aktuelle Niveau nicht mehr vollständig. Das deutet darauf hin, dass die Rallye gegenüber dem Euro ausgereizt ist. Dennoch bleibt die Carry-Dynamik angesichts der niedrigen Volatilität vorteilhaft, wobei Euro, Yen und Franken zunehmend als Finanzierungswährungen gegenüber dem höher verzinsten Pfund Sterling dienen. Das spiegelte sich auch in den Wechselkursen wider: Der GBP/JPY-Kurs erreichte den höchsten Stand seit 2008, und das Währungspaar GBP/CHF verzeichnete ein Ein-Jahres-Hoch. Nun richtet sich das Augenmerk auf die Daten zum britischen Arbeitsmarkt sowie auf Inflation, Einzelhandelsumsätze und die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (Flash-PMIs). Die anstehenden Veröffentlichungen dürften die Frage beantworten, ob die derzeitige Geldpolitik der Bank of England weiterhin angemessen ist und ob das Pfund Sterling den Zinsvorteil aufrechterhalten kann, der maßgeblich zu seiner jüngsten Outperformance beigetragen hat. Die Märkte werden zudem aufmerksam auf die ersten Tage von Andy Burnham als Premierminister schauen, denn die Besetzung der Kabinettsposten dürfte das Vertrauen der Anleger in die Haushaltspolitik Großbritanniens entscheidend beeinflussen.
CHF: Bevorzugte Finanzierungswährung. Ein wiederkehrendes Thema bleibt auch 2026 bestehen: Trotz der anhaltenden geopolitischen Unsicherheit und der periodischen Nachfrage nach sicheren Häfen hat der Schweizer Franken Schwierigkeiten, nachhaltige Zuflüsse anzuziehen. Die ungewöhnlich niedrige Währungsvolatilität begünstigt weiterhin Carry-Strategien. Angesichts der geringen Volatilität bei den wichtigsten Währungspaaren sind Anleger zunehmend bereit, Kredite in niedrig verzinsten Währungen aufzunehmen, um höher verzinste Positionen anderswo zu finanzieren. In diesem Umfeld hat sich der Franken neben dem japanischen Yen zu einer attraktiven Finanzierungswährung entwickelt, was einen anhaltenden Verkaufsdruck erzeugt. Diese Dynamik untermauert das umfassendere Narrativ für den Franken. Die Schweizer Fundamentaldaten sind nach wie vor günstig, mit einem robusten Wachstum, einer stabileren Inflation und nachlassenden Erwartungen hinsichtlich Negativzinsen als solider Basis. Die Tatsache, dass die Schweizerische Nationalbank wiederholt ihre Interventionsbereitschaf betont hat, wirkt sich jedoch weiterhin abschreckend auf aggressive CHF-Käufe aus – selbst in Phasen der Risikoaversion.
