Realitätscheck. Die globalen Anleiherenditen haben zum ersten Mal seit 2007 die 4%-Marke erreicht. Ausschlaggebend hierfür waren die Renditen von US-Staatsanleihen, die angesichts der hartnäckigen Inflation sowie des robusten Wachstums, der restriktiven Zinspolitik der Fed und der hohen Staats- und Unternehmensverschuldung stark gestiegen sind.
Welle der Risikoaversion. Der weltweite Abverkauf von Anleihen greift auf den Devisenmarkt über und stärkt den US-Dollar. Angesichts höherer Renditen und der sinkenden Risikobereitschaft bevorzugen Anleger Liquidität und eine defensive Positionierung.
Geopolitische Skepsis. Berichte über ein mögliches Abkommen zwischen den USA und dem Iran ließen die Märkte unbeeindruckt. Öl konnte die jüngsten Verluste schnell wieder wettmachen, denn Anleger preisen nach wie vor anhaltende geopolitische und angebotsbezogene Risiken ein.
Inflation und kein Ende. Steigende Transportkosten und Rohstoffpreise, zunehmende Lieferkettenprobleme und ein stärkerer Dollar erhöhen den globalen Inflationsdruck. Dies erschwert den Weg zu Zinssenkungen.
Pandas mit Symbolcharakter. Es ist der erste US-Staatsbesuch von Chinas Präsident Xi seit 2015. Der Besuch und das von Xi angekündigte Geschenk zweier Pandas kann man als Symbol für ein wärmeres Verhältnis verstehen. Zudem wurde damit der Rahmen für einen gelenkten Wettbewerb gestärkt, bei dem Stabilität, Dialog und Kommunikation Vorrang vor Konfrontation haben.
Spreads im Fokus. Die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit der Eurozone wird durch die Ausweitung der Renditespannen von Staatsanleihen beeinträchtigt. Die Renditen französischer Anleihen sind im Vergleich zu denen deutscher Bundesanleihen immer noch hoch. Zudem wird der Euro-Optimismus nach wie vor durch die politische Unsicherheit gedämpft.
Bitte anschnallen. Den Märkten steht eine Flut von Daten bevor, darunter Inflationsdaten von beiden Seiten des Atlantiks und natürlich der am Freitag anstehende US-Arbeitsmarktbericht.
Globale Makrodaten
Globales Wachstum festigt sich, Geldpolitik uneinheitlich
Notenbanken gehen unterschiedliche Wege. Die norwegische Norges Bank erhöhte den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,50 % und hielt sich die Möglichkeit einer weiteren Straffung offen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beließ den Leitzins bei 0 %, die schwedische Riksbank blieb bei 1,75 % und auch die Notenbank Mexikos hielt wie erwartet an ihrem Leitzins von 6,50 % fest und verlängerte damit ihre Zinspause.
US-Wachstum steigt. Der US-Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Gesamtwirtschaft sprang von 56,0 auf 58,4 Punkte. Das ist der höchste Stand seit mehr als fünf Jahren. Die Dienstleistungskomponente des PMI stieg auf 58,7 und der PMI für das verarbeitende Gewerbe auf 57,0. Dabei gingen mehr Neueinstellungen und eine höhere Nachfrage mit einem weiteren Anstieg der Inputkosten einher.
Europa erholt sich. Der Gesamt-PMI der Eurozone kletterte auf 53,1 (erwartet: 51,7) and damit auf den stärksten Wert seit über drei Jahren – wobei der Dienstleistungssektor bei 53,0 und das verarbeitende Gewerbe bei 52,7 lag. In Großbritannien ging die Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung: Hier sank der Gesamt-PMI aufgrund des zunehmenden Kostendrucks von 52,5 auf 51,7.
US-Arbeitsmarkt ist stabil. Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung sanken auf 197.000 gegenüber erwarteten rund 203.000, während die Folgeanträge mit rund 1,72 Millionen nahezu unverändert blieben. Die geringe Zahl an Entlassungen und der stärkere PMI-Beschäftigungsindex deuten darauf hin, dass der Arbeitsmarkt weiterhin stabil genug ist, um eine weitere Straffung durch die Fed zu schultern.
Kanada und Mexiko driften auseinander. Kanadas Einzelhandelsumsätze sanken im Juli um 0,7 % gegenüber dem Vormonat, wobei ein Rückgang des Absatzvolumens von 1,1 % verzeichnet wurde. Der vorläufigen Schätzung zufolge wird jedoch im August mit einer Erholung von 1,3 % gerechnet. In Mexiko wuchs die Wirtschaftsaktivität im Juli gegenüber dem Vormonat wieder um 0,8 %. Allerdings stieg die Gesamtinflation Anfang September unerwartet stark auf 3,42 %, obwohl die Kerninflation nur noch bei 3,79 % lag.
FX-Perspektiven
Skepsis an den Märkten dämpft Hoffnung auf Deeskalation
USD: Dollar erhält Auftrieb durch stockende Diplomatie. Der US-Dollar wurde diese Woche durch die gestiegenen Erwartungen an die Straffungspolitik der US-Notenbank und das Ausbleiben nennenswerter Fortschritte zur geopolitischen Deeskalation gestützt. Der US-Dollar-Index (DXY) kletterte beinahe auf ein Zwei-Monats-Hoch und testete den Bereich um 101,50. Damit konnte er seine Gewinne infolge der einstimmig beschlossenen Zinserhöhung der Fed von 25 Basispunkten in der Vorwoche weiter ausbauen. Die Märkte ließen sich von den wenigen positiven Schlagzeilen nach einer Reihe hochrangiger diplomatischer Treffen nicht beeindrucken. Im Gegenteil: Die Skepsis in Bezug auf ein baldiges Ende des Nahostkonflikts wurde verstärkt, und die Erwartungen bezüglich einer Zinserhöhung durch die Fed im Oktober bleiben hoch. Allerdings scheint die Dollar-Rallye mittlerweile überzogen. Für weitere Kursgewinne bräuchte es eine noch größere Überzeugung, dass die US-Notenbank die Zinsen im Oktober anhebt. Derzeit liegt die Wahrscheinlichkeit dafür nach Ansicht der Märkte bei rund 70 %. Deutliche Deeskalationsfortschritte würden den Weg für eine Zinspause im nächsten Monat ebnen, was den US-Dollar belasten dürfte. Darüber hinaus spielen auch die anstehenden Veröffentlichungen wichtiger makroökonomischer Daten, darunter der US-Arbeitsmarktbericht in der kommenden Woche, eine wichtige Rolle.
EUR: Eine gute Woche für Europa, eine noch bessere für den Dollar. Für den Euro verlief die Woche im Großen und Ganzen positiv. Die EZB bleibt bei ihrer restriktiven Haltung, wenngleich die Argumente für eine weitere Zinserhöhung allmählich an Gewicht verlieren. Die Notenbank hat die Zinsen bereits zweimal angehoben. Eine erneute Anhebung des Einlagensatzes auf 2,75 % könnte zunehmend zulasten des Wachstums gehen. In dieser Hinsicht bestätigten die PMI-Daten von S&P Global und die Ifo-Umfrage in dieser Woche das Bild einer trotz des Konflikts und der anhaltenden politischen Unsicherheit soliden wirtschaftlichen Dynamik in der Eurozone. Allerdings konnten die Daten den Euro gegenüber dem US-Dollar kaum stützen. Der EUR/USD-Kurs fiel diese Woche um rund 1 % und notiert nahe seinen Zwei-Monats-Tiefs. Der Rückgang verstärkt einen ohnehin schon schwierigen Monat für das Währungspaar, das seit Monatsbeginn 2 % nachgegeben hat. Höhere Energiepreise, steigende Renditen am langen Ende und gestiegene Erwartungen hinsichtlich einer weiteren Zinserhöhung der Fed wirken sich klar zugunsten des US-Dollars aus. Ob sich diese Entwicklung fortsetzt, hängt von der Geopolitik und den anstehenden US-Daten ab. Vorerst rechnen wir mit einer Konsolidierung um die Marke von 1,14 herum, bevor eine der beiden Währungen wieder die Oberhand gewinnt und die weitere Richtung vorgibt.
GBP: Unter Druck. Das Pfund Sterling hat eine schwierige Woche hinter sich. Die britische Währung blieb angesichts stark gestiegener globaler Renditen, der sinkenden Risikobereitschaft und unverändert hoher Energiepreise hinter den meisten anderen G10-Währungen zurück. Die größten Verluste verzeichnete das Währungspaar GBP/USD. Es durchbrach eine Reihe wichtiger Unterstützungsniveaus gleitender Durchschnitte im niedrigen Bereich von 1,34 und setzte seinen Abwärtstrend in Richtung des gleitenden 100-Wochen-Durchschnitts bei etwa 1,3240 fort. Diese Marke hatten wir zuvor als entscheidendes Abwärtsziel hervorgehoben. Die Lage im Inland bot kaum Entlastung. Die größte negative Überraschung lieferten die PMI-Werte für September: So fiel der Gesamtindex auf 51,7 Punkte – nach einer längeren Phase unerwartet positiver Daten aus Großbritannien war dies das erste Mal, dass die Erwartungen deutlich verfehlt wurden. Das bestärkt uns in unserer Ansicht, dass sich die Datenlage in Großbritannien zum Jahresende hin wahrscheinlich abschwächen wird. Dennoch preisen die Märkte nach wie vor eine aggressive Straffung durch die Bank of England bis weit ins Jahr 2027 ein. Das Risiko einer Neubewertung in Richtung einer moderaten Notenbankpolitik ist unserer Ansicht nach eine der größten Risiken für das Pfund. Technisch gesehen wäre ein Schlusskurs unter 1,3240 in dieser Woche ein erneuter Test des diesjährigen Tiefs nahe 1,3140. Die psychologisch wichtige Marke von 1,30 wäre dann das nächste entscheidende Kursziel nach unten. Unterdessen ist auch der GBP/EUR-Kurs in Richtung des unteren Bereichs der Marke von 1,16 gefallen, da die Einkaufsmanagerindizes der Eurozone die Gemeinschaftswährung stützten.
CHF: Weitere Schwäche nicht ausgeschlossen. Der Schweizer Franken blieb auch diese Woche unter Druck. Die SNB hielt an ihrer extrem lockeren Geldpolitik fest, räumte jedoch ein, dass das Binnenwachstum im 2. Quartal „außergewöhnlich stark“ war. Die Notenbankvertreter ließen den Leitzins unverändert und signalisierten keine Bereitschaft, von der Erwartung abzuweichen, dass sie bis Ende 2027 an ihrer Geldpolitik festhalten wird. Da die meisten großen Zentralbanken eher zu weiteren Straffungsmaßnahmen tendieren, dürfte der Schweizer Franken weiterhin von zunehmenden Zinsunterschieden belastet werden. Dieser Schritt unterstreicht die wachsende Bedeutung des Franken als bevorzugte Finanzierungswährung. Die Zinsen in der Schweiz liegen nahe null. Hinzu kommen die niedrige Volatilität an den Devisenmärkten und eine SNB, die offenbar kein Problem mit einem schwächeren Wechselkurs hat. Dies schafft ein attraktives Umfeld für Carry-Trades. Diese Dynamik spiegelt sich auch in der Kursentwicklung wider. Der USD/CHF-Kurs ist in den letzten fünf Wochen kontinuierlich gestiegen. Mittlerweile hat er seinen gleitenden 100-Wochen-Durchschnitt durchbrochen und den höchsten Stand seit über einem Jahr erreicht – ein positives technisches Signal für das Währungspaar. Auch das Währungspaar EUR/CHF erhält weiterhin Unterstützung, da die Märkte die geldpolitische Haltung der SNB zunehmend als offene Einladung betrachten, renditestärkere Anlagen anderweitig zu finanzieren.