Folgen unterschiedlich stark zu spüren. Der weltweite Abverkauf am Anleihemarkt setzte sich in dieser Woche fort. Einige Kreditnehmer spürten die Auswirkungen jedoch mehr als andere. So waren französische Staatsanleihen (OATs) besonders stark betroffen, da haushaltspolitische Sorgen die Anleger verunsicherten. Im Vergleich mit anderen Industrienationen weist Frankreich eine der negativsten Haushaltsentwicklungen auf.
Der Spread macht’s. Die Differenz zwischen den Kreditkosten Frankreichs und Deutschlands – ein wichtiger Indikator für die Besorgnis der Anleger – ist mittlerweile so hoch wie seit 2012 nicht mehr.
Ansteckungsgefahr. Die Ausweitung der Renditespannen von Staatsanleihen außerhalb Frankreichs ließ neue Ängste vor einer weiteren Ausbreitung aufkommen. Das nährte die Befürchtung, die Haushaltskrise könnte auf die gesamte Eurozone übergreifen.
Blick auf den Euro. Anleger betrachten den Euro zunehmend unter dem Gesichtspunkt des politischen Risikos, was ihm diese Woche ein Minus von mehr als 1 % gegenüber dem US-Dollar und dem Schweizer Franken einbrachte. Das Währungspaar EUR/USD sank auf den niedrigsten Stand seit Mai 2025.
Größter Sprung seit über 20 Jahren. Die Renditen 10- und 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichten ein Niveau, das zuletzt 2002 beobachtet wurde. Dabei verzeichneten die 10-jährigen Renditen den größten Quartalsanstieg seit Jahrzehnten, was sich jedoch als vorteilhaft für den US-Dollar erweist, der auf ein neues Jahreshoch kletterte.
Schmerzhafte Entwicklung. Die Inflation in der Eurozone beschleunigte sich im September stärker als erwartet: Sie erreichte den höchsten Stand seit drei Jahren, was den Druck auf die EZB aufrechterhält.
Enttäuschende Jobdaten. In den USA wurden im September lediglich 29.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Damit blieb die US-Wirtschaft hinter sämtlichen Schätzungen zurück. Auch die Arbeitslosenquote fiel höher aus.
Burnham sorgt für Aufwind. Das Pfund Sterling erhielt Unterstützung, nachdem der britische Premier Andy Burnham engere Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU ins Gespräch gebracht und damit die Hoffnungen auf eine tiefgreifendere wirtschaftliche Integration wiederbelebt hatte.
Globale Makrodaten
Stagnierende Zahl der Neueinstellungen in den USA, steigende Inflation in der Eurozone
US-Wachstum nach oben korrigiert. Das BIP der USA für das 2. Quartal wurde deutlich nach oben revidiert, und zwar von zuvor 1,5 % auf 2,2 % annualisiert. Ausschlaggebend für die Anpassung waren höhere Investitionen sowie gestiegene Konsum- und Staatsausgaben. Die private Inlandsnachfrage stieg um 4,6 %, was auf eine stabilere Dynamik hindeutet, als der Gesamtindex zuvor hatte vermuten lassen.
Inflation geht zurück. Der Gesamtindex der privaten Konsumausgaben (PCE) blieb im August mit 3,4 % gegenüber dem Vorjahr stabil und damit unter der Konsensprognose von 3,7 %, während die Kerninflation unverändert bei 3,3 % lag. Die Konsumausgaben stiegen im Vergleich zum Vormonat um 0,9 %, die Einkommen jedoch nur um 0,2 %, wodurch die Sparquote auf 4,1 % sank und sich die Frage stellt, ob dieses Ausgabentempo anhalten kann.
Jobdaten enttäuschen. Die Beschäftigungszahlen stiegen im September nicht wie erwartet um 84.000, sondern nur um 29.000, und die Arbeitslosenquote kletterte auf 4,2 % statt der prognostizierten 4,1 %. Die Zahlen für Juli und August wurden um insgesamt 60.000 nach unten korrigiert. Zudem verlangsamte sich das Lohnwachstum auf 0,1 % im Monats- und 3,0 % im Jahresvergleich. Allesamt weitere Belege für die nachlassende Dynamik am Arbeitsmarkt.
Abweichende Preissignale. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe blieb stabil bei 54,5 (erwartet: 55,0). Allerdings schnellte die Komponente der gezahlten Preise von 71,1 auf 77,9, was die Inflationssorgen im Zusammenhang mit der US-Pipeline aufrechterhält. Auch die Inflation im Euroraum fiel mit 3,8 % gegenüber dem Vorjahr (erwartet: 3,6 %) überraschend hoch aus. Verantwortlich hierfür waren die um 18,8 % gestiegenen Energiepreise. Die Kerninflation hingegen kletterte entsprechend den Prognosen auf 2,5 %.
Globale Betrachtung. Die australische Notenbank erhöhte den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,60 % und begründete dies mit der anhaltenden Inflation sowie den gestiegenen Energiekosten. Das kanadische BIP stagnierte im Juli, in Großbritannien wurde das Wachstum für das 2. Quartal auf 0,5 % gegenüber dem Vorquartal nach oben korrigiert, und der chinesische Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Gesamtwirtschaft kehrte mit 50,7 Punkten in den Expansionsbereich zurück.
FX-Perspektiven
Der Dollar gewinnt wieder die Oberhand
USD: Dollar durchbricht wichtige Marke. Der US-Dollar-Index (DXY) durchbrach kurzzeitig die Marke von 102,00 und markierte ein neues Hoch im laufenden Jahr, bevor die Veröffentlichung der US-Beschäftigungszahlen für September den Aufwärtstrend stoppte. Die Zahl der Neueinstellungen stieg um gerade einmal 29.000, die Arbeitslosenquote erhöhte sich auf 4,2 %, die Zahlen der Vormonate wurden nach unten korrigiert und das Lohnwachstum verlangsamte sich. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed im Oktober von 48 % auf 15 %. Dennoch notiert der US-Dollar weiterhin über der Marke von 101,50 und rund 1 % höher als in der Vorwoche. Gestützt wurde der Greenback von den hohen langfristigen US-Renditen und der Euro-Schwäche, die durch die Sorgen bezüglich der Haushaltslage und der Politik in Frankreich bedingt sind. Die Rendite 2-jähriger Anleihen ist in dieser Woche um mehr als 13 Basispunkte gefallen, während die Rendite 10-jähriger Anleihen weitgehend unverändert blieb. Damit bestätigt sich, dass die Nachfrage nach dem US-Dollar mittlerweile nicht mehr nur durch die kurzfristigen Zinsen gestützt wird. Technisch gesehen würde ein Durchbruch über 102,20 die Marke von 102,50 ins Blickfeld rücken, während ein nachhaltiger Rückgang unter 102,00 die Marke von 101,53 freilegen würde. Nächste Woche werden der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor, das FOMC-Sitzungsprotokoll und die Inflationserwartungen der Verbraucher zeigen, ob die geringere Zahl der Neueinstellungen den anhaltenden Aktivitäts- und Preisdruck ausgleichen kann.
EUR: Frankreichs Haushaltskrise verschärft sich. Der französische Haushalt für 2027 beinhaltet neue Anpassungsmaßnahmen im Wert von 43 Milliarden Euro, wodurch sich die gesamten Haushaltsausgaben auf rund 54 Milliarden Euro belaufen. Die Regierung strebt an, das Defizit im Jahr 2027 von den für 2026 erwarteten 5,4 % auf 5,0 % des BIP zu senken. Der Haushaltsentwurf wurde dem Ministerrat am 1. Oktober vorgelegt. Aus unserer Sicht stellt die Haushaltslage Frankreichs nun ein größeres Risiko für EUR/USD an, nachdem die Anleger die französischen Kreditkosten im Vergleich zu denen in Deutschland in die Höhe getrieben und aus Sicherheitsgründen in deutsche Staatsanleihen investiert haben. Das Gefälle zwischen den Kreditzinsen in Frankreich und Deutschland vergrößerte sich auf 149 Basispunkte und drückte den EUR/USD-Kurs angesichts schwindender Erwartungen an Zinserhöhungen der EZB auf den niedrigsten Stand seit Mai 2025. Das Währungspaar EUR/USD notiert weiter nahe 1,1252 – und somit etwa 7 % unter dem Höchststand vom 27. Januar, der bei 1,2081 gelegen hatte. Der Widerstand liegt beim 21-Tage-EMA von 1,1428 und beim 50-Tage-EMA von 1,1490. Die Marke von 1,1200 stellt ein wichtiges Unterstützungsniveau dar.
GBP: Zwei Seiten derselben Medaille. Die Performance des Pfund Sterling wurde in dieser Woche eher durch dessen relativen Wert als durch tatsächliche Stärke bestimmt. Der GBP/USD-Kurs fiel auf etwa 1,32 und notierte kurzzeitig auf einem Drei-Monats-Tief, was den doppelten Druck aufgrund steigender globaler Renditen und eines stärkeren US-Dollars widerspiegelte. Anderswo schnitt das Pfund deutlich besser ab. So steuert das Währungspaar GBP/EUR auf eine seiner stärksten Wochen seit über einem Jahr zu und profitiert von der neuerlichen Überprüfung der französischen Staatsfinanzen und den zunehmenden haushaltspolitischen Bedenken in Teilen der Eurozone. Zudem hat das britische Pfund besser abgeschnitten als viele andere G10-Währungen, wie zum Beispiel der australische Dollar (+1,3 %). Im Inland reagierten die Märkte überraschend gelassen auf die Rede von Premierminister Andy Burnham auf dem Labour-Parteitag und auf die ambitionierte Ausgabenagenda. Angesichts des langen Umsetzungshorizonts und der wiederholten Hinweise auf die Haushaltsdisziplin fühlten sich die Anleger beruhigt, sodass der Fokus klar auf dem Herbsthaushalt im Oktober und nicht auf den politischen Schlagzeilen dieser Woche lag. Aus technischer Sicht liegt der GBP/USD-Kurs unter seinem 100-Wochen-Durchschnitt von 1,3240. Ein Wochenschlusskurs unterhalb dieses Niveaus würde das Risiko einer stärkeren Bewegung in Richtung 1,3140 und möglicherweise der psychologisch wichtigen Marke von 1,30 erhöhen. Insgesamt bleibt die relative Widerstandsfähigkeit des Pfunds intakt; die zugrundeliegende Dynamik hat sich allerdings deutlich abgeschwächt.
CHF: Rasche Kehrtwende. Der Schweizer Franken hat diese Woche ein starkes Comeback hingelegt und machte einen Teil der hohen Verluste wieder wett, die sich seit der gemäßigten Positionierung der SNB bei ihrer Sitzung im September angehäuft hatten. Zwar deutet die allgemeine Lage weiter auf eine Schwäche des Franken hin, da die zunehmenden Zinsunterschiede und Carry-Trades den Verkauf der Schweizer Währung begünstigen. Allerdings wurden die Märkte daran erinnert, dass die Schweiz nach wie vor ihrem Ruf als sicherer Hafen gerecht wird, wenn erneut Bedenken hinsichtlich der Tragfähigkeit des Staatshaushalts und der Finanzstabilität aufkommen. Am deutlichsten zeigte sich diese Entwicklung beim EUR/CHF-Kurs, der seinen größten wöchentlichen Rückgang seit über einem Jahr verzeichnete, nachdem es ihm wiederholt nicht gelungen war, seinen gleitenden 200-Wochen-Durchschnitt bei etwa 0,948 nach oben zu durchbrechen. Die abrupte Kehrtwende erinnert an die europäische Schuldenkrise im Jahr 2011, als Anleger aus Sorge um die Bonität anderer europäischer Staaten Zuflucht in der Schweiz suchten. Das Währungspaar USD/CHF zog sich ebenfalls von den jüngsten Höchstständen zurück, liegt aber immer noch deutlich über wichtigen langfristigen gleitenden Durchschnitten und wesentlich über den Tiefständen im Sommer.