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Widerstandskraft unter Druck

Die Märkte bewegen sich in einem schwierigen Umfeld aus höheren Ölpreisen, einem stärkeren US-Dollar, Sorgen um die französischen Staatsfinanzen und restriktiven Signalen der Fed. Wir beleuchten, was die Devisen- und Anleihemärkte sowie die Risikostimmung vor den wichtigen US-Inflationsdaten antreibt.

Convera Weekly FX Report
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Written by: Steven Dooley, George Vessey, Kevin Ford, Antonio Ruggiero, Shier Lee Lim
The Market Insights Team

Fragile Widerstandskraft. Die Aktienmärkte notieren trotz eines zunehmend widrigen makroökonomischen Umfelds weiterhin nahe ihren Rekordständen. Die Renditen von US-Staatsanleihen liegen auf Mehrjahrzehnthochs, der Ölpreis ist wieder über 100 US-Dollar je Barrel gestiegen und der Dollar legt kräftig zu. Dahinter stehen geopolitische Spannungen, fiskalische Sorgen und eine US-Notenbank, die weiterhin zu einem restriktiven Kurs tendiert.

Spannungen im Technologiesektor. Technologiewerte gerieten unter Druck, nachdem die Financial Times berichtet hatte, dass der Umsatz von OpenAI deutlich unter zuvor veröffentlichten Zahlen lag. Der Nasdaq 100 gab um 1,6 % nach.

Noch mehr Druck. Brent-Rohöl stieg auf über 103 US-Dollar, nachdem Berichte die Annahme infrage stellten, die USA würden vor den Zwischenwahlen eine weitere Eskalation mit Iran vermeiden. Seit Jahresbeginn liegt Brent weiterhin mehr als 70 % im Plus.

Restriktive Töne. Das Protokoll des FOMC bestärkte die Erwartung einer weiteren Zinserhöhung der Fed in den kommenden Monaten. Die Märkte beziffern die Wahrscheinlichkeit eines Schritts noch in diesem Monat auf rund 20 % und preisen eine Anhebung bis zum Jahresende vollständig ein.

OATs außer Rand und Band. Frankreichs Anleihemarkt bleibt unter Druck. Der Spread zwischen OATs und Bundesanleihen verharrt nahe den höchsten Ständen seit der Euro-Schuldenkrise, während der Euro klar in der Defensive bleibt.

Dominanter Dollar. Der US-Dollar arbeitet sich weiter nach oben und markiert gegenüber einem Währungskorb neue 18-Monats-Hochs. Hohe Treasury-Renditen, geopolitische Spannungen und die relative Stärke der US-Wirtschaft stützen seine Attraktivität.

Jetzt zählen die Zahlen. Die anstehende Berichtssaison wird den KI-Trade auf die Probe stellen. Unternehmen, die den Ausbau finanzieren, sehen sich angesichts hoher Anleiherenditen mit Kreditkosten auf Mehrjahrzehnthochs konfrontiert.

Chart: FX volatility still surprisingly low in despite bond stress

Globale Makrodaten
Robustes Wachstum verdeckt zunehmende Belastungen für die Wirtschaftspolitik

Fed signalisiert Geduld. Das FOMC-Protokoll zeigte, dass die meisten Mitglieder weiterhin mit einer weiteren Zinserhöhung vor Jahresende rechnen, ohne eine klare Präferenz für Oktober oder Dezember erkennen zu lassen. Der schwache US-Arbeitsmarktbericht für September macht eine Pause im Oktober inzwischen wahrscheinlicher. Damit rückt der Verbraucherpreisindex für September als nächster wichtiger Test in den Fokus.

US-Dienstleistungssektor kühlt ab. Der ISM-Index für den Dienstleistungssektor sank von 55,4 auf 54,9 und entsprach damit weitgehend den Erwartungen. Er liegt weiterhin klar im Expansionsbereich. Die Beschäftigungskomponente stieg wieder über 50, während die gezahlten Preise auf 74,0 und damit den höchsten Stand seit Juli 2022 kletterten. Das Verhältnis von Wachstum und Inflation bleibt für die Fed damit unangenehm.

Frankreich unter Druck. Der französische Haushalt für 2027 sieht vor, das Defizit von 5,4 % auf 5,0 % des BIP zu senken. Zweifel an der politischen Umsetzbarkeit haben den Renditeabstand zehnjähriger französischer und deutscher Staatsanleihen jedoch auf fast 150 Basispunkte steigen lassen, den höchsten Stand seit der Euro-Schuldenkrise.

Handelsdefizit weitet sich aus. Das US-Handelsdefizit stieg von 92,8 Mrd. auf 105,6 Mrd. US-Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit März 2025. Die Importe legten um 4,3 % zu, die Exporte um 1,4 %. Die Nachfrage nach KI-bezogenen Investitionsgütern trug zum Importschub bei und deutet trotz der Belastung für das BIP im dritten Quartal auf robuste Binneninvestitionen hin.

Weltwirtschaft gewinnt an Fahrt. Der globale Composite-PMI stieg auf 54,3 und damit auf den höchsten Stand seit 40 Monaten. Getragen wurde die Verbesserung von den USA mit 58,4 und einer stärkeren Expansion im Euroraum. Die Daten signalisieren eine robuste Aktivität, doch steigende Inputkosten zeigen, dass sich der globale Energieschock weiter in den Preisen niederschlägt.

Inflation in Mexiko steigt. Die Gesamtinflation beschleunigte sich von 3,26 % auf 3,45 % gegenüber dem Vorjahr und blieb damit leicht unter den Erwartungen. Treiber waren höhere Nahrungsmittel- und Energiepreise. Die Kerninflation ging von 3,88 % auf 3,75 % zurück und gibt der Banxico trotz des Anstiegs der Gesamtinflation Spielraum für eine abwartende Haltung.

Chart: FOMC foresee upside risks to inflation

FX-Perspektiven
Fiskalsorgen erzwingen Neubewertung

USD | Die Stärke dürfte anhalten. Der Dollar verzeichnete eine weitere robuste Woche. Der DXY erreichte kurzzeitig ein neues 18-Monats-Hoch, bevor gegen Ende der Berichtsperiode Gewinnmitnahmen einsetzten. Turbulenzen am Anleihemarkt, eine fragile Risikostimmung und das weiterhin restriktive Narrativ der Fed verschaffen dem Greenback kurzfristig Rückenwind. Entscheidend ist, dass der Anstieg der US-Renditen auf robustes Wachstum, anhaltende Inflationssorgen und erhöhte Laufzeitprämien zurückzuführen ist. Der jüngste Renditeanstieg in Europa beruht dagegen auf weniger konstruktiven Faktoren. Diese Divergenz belastete den Euro und gab dem Dollar zusätzlichen Auftrieb. Auch höhere Ölpreise spielten eine Rolle: Die erneuten Spannungen im Nahen Osten halten die Inflationsrisiken erhöht und stützen die Erwartung, dass die Fed ihren Straffungszyklus noch nicht beendet haben könnte. Nun richtet sich der Blick auf die anstehenden US-Verbraucherpreisdaten, die für die Zinserwartungen entscheidend sein werden. Ein fester Wert würde die Argumente für eine weitere Anhebung vor Jahresende stärken, während ein schwächerer Wert das Narrativ längerfristig höherer Zinsen infrage stellen könnte.

EUR | C’est la vie. Der Euro war in dieser Woche klar die schwächste der großen Währungen, da sich die Märkte auf die Verschlechterung der französischen Haushaltslage konzentrierten. Die Renditen französischer Staatsanleihen stiegen kräftig, während sich der Abstand zu zehnjährigen Bundesanleihen deutlich ausweitete und Sorgen um die Finanzstabilität im Euroraum schürte. Der Euro verlor gegenüber allen wichtigen Währungen; EUR/USD fiel auf den niedrigsten Stand seit Mai 2025. Die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank nahmen ab, da die Märkte hinterfragten, ob höhere Zinsen die fiskalischen Probleme verschärfen würden. Aus technischer Sicht zeigen sowohl der gleitende 8-Tage- als auch der 21-Tage-Durchschnitt weiter nach unten; eine Unterstützung liegt bei 1,1160. Der RSI, ein wichtiger Momentumindikator, befindet sich inzwischen allerdings im überverkauften Bereich, was mitunter eine Trendwende ankündigen kann. Die Rede von EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Mittwoch und die endgültigen Inflationsdaten am Freitag werden aufmerksam verfolgt. Die Schlagzeilen dürften jedoch vor allem von den politischen Entwicklungen in Frankreich bestimmt werden.

Chart: French yields become a potent drag on the euro

GBP | Taktisch vorsichtig. Die jüngste Kursentwicklung des Pfund Sterling spricht aus taktischer Sicht für Vorsicht. Die Währung profitiert weiterhin von der Carry-Nachfrage und den vergleichsweise hohen britischen Renditen. Diese Stützen werden jedoch anfälliger, da die Volatilität zunimmt und fiskalische Sorgen stärker in den Vordergrund rücken. Die größte Divergenz zeigt sich zwischen den wichtigsten Währungspaaren. GBP/EUR ist wieder über 1,18 gestiegen, ein Niveau, über dem das Paar in weniger als einem Viertel des vergangenen Jahrzehnts notierte. Unterstützung erhält es durch die französischen Fiskalsorgen, die Neubewertung der EZB-Perspektiven und die relative politische Stabilität im Vereinigten Königreich. Vorerst bleibt das Pfund innerhalb Europas die am wenigsten problematische Option, auch wenn die Bewertung gemessen an den zugrunde liegenden Zinsdifferenzen zunehmend ambitioniert wirkt. GBP/USD bleibt dagegen anfällig. Das Paar hat eine wichtige Trendunterstützung durchbrochen und dürfte die Woche unter seinem gleitenden 100-Wochen-Durchschnitt beenden. Das könnte eine technisch bedingte Abwärtsbewegung in Richtung des Jahrestiefs bei rund 1,3140 auslösen. Sollten die US-Inflationsdaten höher ausfallen und damit die US-Renditen sowie die Erwartungen weiterer Fed-Straffungen steigen, wäre dies auch fundamental ein klarer Auslöser für eine solche Bewegung.

CHF | Eine Pause, keine Kehrtwende. Die kräftige Erholung des Schweizer Frankens aus der vergangenen Woche hat bislang kaum weiteren Schwung entwickelt. EUR/CHF gab zu Wochenbeginn kurzzeitig nach, wodurch der gleitende 200-Tage-Durchschnitt in den Fokus rückte und die Aussicht auf eine stärkere CHF-Absicherungsnachfrage entstand. Trotz weiterhin hoher französisch-deutscher Renditeabstände und eines EUR/USD-Kurses unter 1,12 stabilisierte sich das Paar anschließend jedoch oberhalb von 0,933. Das deutet darauf hin, dass die Nachfrage nach dem Franken als sicherem Hafen nicht weiter zugenommen hat. USD/CHF fand unterdessen am gleitenden 21-Tage-Durchschnitt Unterstützung und bestätigte damit den seit dem Spätsommer bestehenden übergeordneten Aufwärtstrend. Das Paar liegt komfortabel über wichtigen langfristigen Trendindikatoren; ein erneuter Test von 0,84 erscheint plausibel, falls die US-Renditen weiter steigen. Die CHF-Stärke der Vorwoche wirkt daher eher wie eine Erinnerung an die Rolle des Frankens als sicherer Hafen als wie der Beginn einer nachhaltigen Trendwende. Carry und Zinsdivergenzen sprechen weiterhin gegen einen deutlich stärkeren Franken, auch wenn vorübergehende Phasen der Risikoaversion weiterhin kräftige, aber kurzlebige Rallys auslösen können.