8 Minuten Lesezeit

Wenig Klarheit über Eskalation oder Waffenstillstand

Die Märkte reagieren nervös, da Trump die Fristen für Angriffe auf den Iran verlängert und die Gespräche ins Stocken geraten. Die Disruptionen in der Meerenge führen zu Treibstoffknappheit, Ölpreisspitzen und Wachstumsrisiken. PMIs kühlen sich ab, Tech-Aktien fallen, der US-Dollar festigt sich und es besteht die Befürchtung, dass der Ölpreis auf 200 USD steigt.

Convera Weekly FX Report

Fristverlängerungen. Trump hat die Frist für einen Angriff auf iranische Kraftwerke auf zum 6. April verlängert und schwankt dabei zwischen Skepsis und Optimismus hinsichtlich eines Waffenstillstands, was die Anleger nervös ins Wochenende gehen ließ.

Deal oder kein Deal. Der Iran lehnte den von den USA unterstützten 15-Punkte-Vorschlag ab und konterte mit eigenen Bedingungen. In der Folge geriet die Diplomatie ins Stocken und die Risikostimmung blieb fragil.

Macht der Meerenge. Die andauernde Blockade der Straße von Hormus hat in Asien zu Treibstoffrationierungen geführt und die Risiken für Wachstum und Inflation weltweit steigen lassen.

Golf unter Spannung. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate rücken einer möglichen militärischen Intervention näher, nachdem iranische Angriffe regionale Einrichtungen getroffen haben.

Nervenaufreibend. Brent steuert auf einen Rekordanstieg im Monatsvergleich zu, wobei Händler offen auf das Risiko für einen Anstieg des Ölpreises auf 200 USD und die Auswirkungen einer solchen Entwicklung auf die Weltwirtschaft hinweisen.

PMIs blinken rot. Die jüngsten Umfragen unter Unternehmen zeigen, dass sich die Wirtschaftstätigkeit bereits abkühlt, da sich Lieferengpässe, Verzögerungen beim Versand und Unsicherheiten im Energiebereich auf die globale Nachfrage auswirken.

Technologieaktien wanken. Der Nasdaq ist zum ersten Mal in diesem Jahr in eine Korrekturphase eingetreten, während der S&P 500 im Vergleich zum Höchststand um mehr als 7 % gefallen ist.

Der US-Dollar bleibt stabil. Der US-Dollar glich die Verluste von Anfang der Woche gegen Ende der Woche wieder aus. Bei einer Eskalation des Konflikts könnte er weiter steigen, unterstützt durch Safe-Haven-Zuflüsse, vor allem jedoch aufgrund der Position der USA als Nettoenergieexporteur.

Chart: Dollar strength looks beyond safe-haven flows

Globale Makrodaten
Globale Stimmung wird infolge des schon einen Monat dauernden Konflikts schlechter

US-PMIs. Stimmungsindikatoren reflektieren nun die konfliktbedingte Belastung. S&P-PMIs zeigten, dass sich die Wirtschaftstätigkeit der USA im März auf ein beinahe einjähriges Tief verlangsamte: Der Composite-PMI sank von 51,9 auf 51,4, der Dienstleistungs-PMI von 51,7 auf 51,1. Der Fertigungssektor zeigte sich resilienter und stieg von 51,6 auf 52,4.

EZ-PMIs. Die PMIs der Eurozone zeigten ähnlich den US-PMIs eine Abschwächung im Dienstleistungssektor und steigende Preise. Der Fertigungssektor erwies sich erwartungsgemäß als resilienter: Bevor die Verschlechterung offensichtlich wird, müssen aufgebaute Lagerbestände und vorgeplante Produktionszyklen aufgelöst werden. Die Verschlechterung der Stimmung dürfte sich auch eher im Dienstleistungssektor bemerkbar machen, da Haushalte nicht notwendige Dienstleistungskategorien (Reisen, Restaurants, Freizeit), die ein größeres Gewicht als nicht notwendige Fertigungskategorien haben, bei steigenden konfliktbedingten Unsicherheiten als erste kürzen. Das Umfeld mit niedrigem Wachstum und hohen Preisen spiegelt die jüngsten PMI-Zahlen anderer Volkswirtschaften wider und deutet auf einen stärker synchronisierten stagflationären Wandel inmitten des andauernden Konflikts hin.

VPIs. Das Vereinigte Königreich meldete eine Gesamtinflation, die unverändert bei 3,0 % lag. Der Kern-VPI stieg jedoch unerwartet auf 3,2 %. Auch in Australien ging der VPI leicht auf 3,7 % zurück, blieb jedoch hartnäckig oberhalb des Zielwerts der RBA von 2–3 %. Der Subventionseffekt schlug sich in den Inflationszahlen für Japan nieder. Der japanische VPI stieg im Februar im Jahresvergleich um 1,3 %, unter der Konsensprognose von 1,5 %. Dies markiert das langsamste Wachstum seit März 2022. Noch bedeutsamer ist jedoch, dass sich der Kern-VPI (ohne frische Lebensmittel) auf 1,6 % verlangsamte und damit erstmals seit beinahe vier Jahren unter das Ziel der Bank von Japan (BoJ) von 2,0 % fiel. Diese Daten werden die Bank of Japan nicht zu einer taubenhaften Geldpolitik bewegen.

US-Arbeitsmarkt. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung lagen mit 210.000 genau im erwarteten Bereich, während die Folgeanträge auf 1,819 Millionen sanken. Dies ist der niedrigste Stand seit Mitte 2024.

Chart: Sentiment dips in unison on conflict fears

FX-Perspektiven
Auslegung des Deeskalationssignals

USD: Der US-Dollar bleibt im Konflikt stabil. Der US-Dollar ist gegen Ende der Woche mit einem Plus von ungefähr 0,4 % fester, da der Konflikt im Nahen Osten weiterhin für eine Safe-Haven-Nachfrage nach dem Greenback sorgt. Die Gewinne werden jedoch durch die Hoffnung auf eine Deeskalation begrenzt, wobei der Optimismus Washingtons hinsichtlich diplomatischer Initiativen im Gegensatz zur ablehnenden Haltung Teherans steht. Beide Seiten haben ihre Bedingungen für ein Ende des Krieges formuliert. Die Überschneidungen sind jedoch gering. Angesichts der widersprüchlichen Signale aus Washington und der Tatsache, dass Israel seine Angriffe fortsetzt, könnten Anleger eher zu einem länger andauernden Konfliktszenario tendieren. Der Preis für Brent-Rohöl liegt derzeit bei ungefähr 108 USD pro Barrel, während die Zinserwartungen des Markts trotz einiger Rücknahmen Anfang der Woche weiterhin einhellig falkenhaft sind. Der Aufwärtstrend des US-Dollar-Index (DXY) ist nach wie vor intakt. Der Index notiert deutlich oberhalb des 21-Tage-Durchschnitts in der Nähe von 99,300. Wenn die angekündigten diplomatischen Initiativen scheitern, wäre ein stabiler Aufenthalt oberhalb der Marke von 100 der Basisfall.

EUR: Die Euro-Schwäche ist weiter stimmungsbedingt. Das Währungspaar EUR/USD ist über vier Handelstage in Folge gefallen. Diese Bewegung scheint jedoch sehr viel eher stimmungsbedingt als strukturbedingt zu sein. Die höheren Ölpreise belasten zwar die Handelsbedingungen in der Eurozone. Die Auswirkungen auf den Wechselkurs sind jedoch indirekter Art und nicht stark genug, um das Ausmaß des Rückgangs zu begründen. Das Währungspaar wird vielmehr durch die Verschlechterung der Wachstumsaussichten nach unten gedrückt, da die Abhängigkeit des Währungsraums von Energieimporten wieder in den Fokus rückt. Die langfristigen Inflationserwartungen bleiben derweil unverändert. Die EZB-Prognosen vom März gehen weiterhin davon aus, dass die Inflation bis Ende 2027 wieder das angestrebte Niveau erreichen wird. Angesichts des begrenzten wöchentlichen Aufwärtspotenzials des Ölpreises und der zunehmend restriktiveren Natur der EZB-Äußerungen dürfte es eher nicht zu einer tiefgreifenderen, fundamental basierten Neubewertung kommen. Das macht den Euro eher für Schwankungen der geopolitischen Stimmung anfällig als für einen strukturellen Neustart. Es bedeutet auch, dass sich der Abwärtstrend schnell umkehren könnte, wenn erneut Deeskalationssignale gesendet werden. Wir gehen vorerst von einer Konsolidierung im Bereich von 1,14–1,15 aus, da diplomatische Initiativen weiterhin erfolglos bleiben. Das Währungspaar wird damit weiter unter dem gleitenden 21-Tage-Durchschnitt bei 1,1582 liegen. Ein Kursrückgang unter 1,1411 wird zu unserem Basisszenario, sollten die aktuellen diplomatischen Annäherungsversuche formell aufgegeben werden.

Chart: EUR/USD: Trading the VIX pulse

GBP: Der Boden gibt nach. Wir haben darauf hingewiesen, dass die renditebedingte Unterstützung für das Pfund Sterling keine Einbahnstraße ist, und diese Woche erinnerte sanft an die Tatsache. Die Renditen britischer Staatsanleihen stiegen weiter, da die Märkte die inflationären Auswirkungen des Iran-Konflikts und die Aussicht auf eine weitere Straffung der Geldpolitik durch die Bank of England bereits einpreisen. Diese Neubewertung hat das Pfund weiterhin nahe der Spitze der G10-Währungen gehalten. Sich allein auf Renditen zu verlassen, hat jedoch seine Grenzen, wenn der Inflationsimpuls angebotsgetrieben ist. Unter solchen Bedingungen können höhere Renditen das Pfund zwar weiterhin stützen. Da sie jedoch gleichzeitig die Wachstumssorgen bekräftigen, dämpfen sie naturgemäß auch das Aufwärtspotenzial. Das Währungspaar GBP/USD notiert knapp oberhalb der Marke von 1,33, wobei das Aufwärtspotenzial weiterhin durch den gleitenden 200-Tage-Durchschnitt bei 1,3434 begrenzt wird. Dieses Niveau konnte das Währungspaar seit Beginn des Konflikts nicht durchbrechen. Angesichts höherer Energiepreise und zunehmender Wachstumsrisiken für die britische Wirtschaft sind die kurzfristige Aussichten für das Währungspaar weiterhin eher negativ. Das Pfund Sterling zeigte gegenüber dem Euro eine bessere Leistung. Auch nach dem Rückgang unter die Marke von 1,16 ist das Währungspaar GBP/EUR weiterhin auf Kurs für den stärksten Gewinn im Monatsvergleich seit mehr als einem Jahr und liegt mehr als 1,2 % im Plus. Das Währungspaar liegt weiterhin deutlich über den wichtigsten gleitenden Durchschnitten, wobei der gleitende 21-Tage-Durchschnitt im März eine stabile Unterstützung bietet.

CHF: Unter Druck, aber nicht gebrochen. Die aktuelle Schwäche des Schweizer Franken ist nicht so sehr ein Anzeichen für eine nachlassende Safe-Haven-Nachfrage als vielmehr dafür, dass die Märkte die SNB- Androhung einer Intervention ernst nehmen. Das Währungspaar EUR/CHF stieg auf 0,9182, den höchsten Stand seit Anfang Februar, und verzeichnete damit in diesem Monat ein Plus von mehr als 1 %, obwohl der Iran-Konflikt keine Anzeichen einer Lösung zeigt. Der eigentliche Wendepunkt war jedoch die Sitzung der SNB am 19. März, bei der die geldpolitischen Entscheidungsträger ihre Bereitschaft für einen Verkauf von Franken bekräftigten, um einer übermäßigen Aufwertung entgegenzuwirken. Sie beschlossen jedoch keine erneute Senkung der Zinssätze unter null Prozent. Präsident Schlegel bekräftigte diese Haltung in dieser Woche, was den Druck auf den Schweizer Franken auf den Spot- und Optionsmärkten weiter aufrecht hielt. Diese Signale haben ausgereicht, um die Safe-Haven-Zuflüsse am Rand zu dämpfen. Der zugrundeliegende Trend wurde dadurch jedoch nicht durchbrochen. Technisch gesehen, befindet sich der Franken gegenüber dem Euro weiterhin mittelfristig in einem Aufwärtstrendkanal. Die diesbzügliche Geschichte ist eindeutig: In jeder größeren Krise seit dem Jahr 2000 mit spürbar verschärften geopolitischen Spannungen überwiegt die Safe-Haven-Nachfrage die Ausübung von geldpolitischem Druck. Wenn sich der Konflikt mit dem Iran verschärft, wird die Bereitschaft der SNB zu Maßnahmen gegen eine Aufwertung weit weniger ins Gewicht fallen als der Sicherheitsinstinkt des Marktes – und der Franken wird ein entsprechendes Verhalten zeigen.