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Nach den Zentralbanken rücken die US-Midterms in den Fokus

Die Märkte standen diese Woche unter dem Eindruck von Zentralbankentscheidungen, den Ergebnissen der Tech-Konzerne sowie Wahlrisiken. Die US-Notenbank ließ den Leitzins unverändert, die neuseeländische Zentralbank überraschte mit einer Zinspause und die Aktienmärkte wurden von KI-Sorgen verunsichert. Nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Zwischenwahlen in den USA, die Arbeitsmarktdaten und auf die Bank of England.

Convera Weekly FX Report
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Written by: Steven Dooley, George Vessey, Kevin Ford, Antonio Ruggiero, Shier Lee Lim
The Market Insights Team

Tech-Gewinne sorgen für Verunsicherung. Die schwachen Unternehmensgewinne von Alphabet, Amazon und Intel haben die Sorgen um KI neu entfacht und zu Kursverlusten am Aktienmarkt geführt. Zudem drückten Kapitalflüsse in sichere Häfen die US-Renditen und den US-Dollar-Index nach unten, obwohl letzterer im Monatsvergleich noch immer im Plus liegt.

RBNZ erwischt die Märkte auf dem falschen Fuß. Die Reserve Bank of New Zealand überraschte Anfang der Woche mit der Nachricht, an ihrem aktuellen Leitzins festhalten zu wollen. Daraufhin sank der neuseeländische Dollar um 1,4 % und verzeichnete damit den größten Tagesverlust in diesem Jahr.

Fed muss anderen Kurs einschlagen. Die Fed beließ den Leitzins wie erwartet auf dem aktuellen Niveau, die Entscheidung wurde mit zwei Gegenstimmen getroffen. Die verhaltene Reaktion des US-Dollars deutet darauf hin, dass es für einen erneuten Anstieg einer stärkeren Überzeugung hinsichtlich einer Straffung im Dezember oder Januar bedarf.

Lagardes Balanceakt. Eine eher zurückhaltende Stellungnahme der Europäischen Zentralbank setzte den Euro zunächst unter Druck, bevor er sich nach restriktiven Äußerungen von Christine Lagarde wieder stabilisierte.

BoJ deutet restriktiven Schritt an. Die Bank of Japan hielt an ihrem Leitzins fest, ohne jedoch ihre restriktive Haltung aufzugeben. Dies beeinträchtigte Carry-Trades und gab dem Yen neuen Auftrieb.

Haushalt blieb ohne große Folgen. Höhere Schuldenprognosen konnten weder britischen Staatsanleihen noch dem britischen Pfund etwas anhaben. Die Märkte schienen die Haushaltsrevisionen in Großbritannien als tragbar anzusehen.

Keine guten Nachrichten für Öl. Der Preis für Brent-Rohöl ist in diesem Monat um über 12 % gestiegen. Damit notiert er weiterhin nahe seinem Vier-Jahres-Hoch. Parallel dazu kamen Berichte auf, wonach die USA für die Zeit nach den US-Zwischenwahlen eine neue Militärkampagne gegen den Iran vorbereiten.

Brüten über US-Zwischenwahlen. Die Chancen für einen Wahlsieg der Demokraten liegen bei knapp 68 %. Die Märkte wägen derzeit die Risiken rund um eine mögliche Haushaltsblockade sowie Spannungen bezüglich der Schuldenobergrenze und die KI-Stimmungslage ab.

Chart: GOP have lost favorability to win the Senate

Globale Makrodaten

Stabiles Wachstum erhält Zinsdruck aufrecht

Fed pausiert trotz restriktiver Stimmen. Die US-Notenbank Fed beließ den Leitzins in der Spanne von 3,75 % bis 4,00 %. Die Abstimmung endete mit 10 zu 2 Stimmen, da sich zwei Mitglieder für eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte ausgesprochen hatten. In ihrer Erklärung brachte die Fed erneut ihre Besorgnis über die unverändert hohe Inflation zum Ausdruck. Fed-Chef Kevin Warsh betonte aber, dass vor dem nächsten Schritt weitere Informationen notwendig seien.

US-Wirtschaft legt zu. Das BIP wuchs im 3. Quartal nach 2,2 % im Vorquartal um 3,4 % auf annualisierter Basis (erwartet: ca. 3,1 %). Die private Inlandsnachfrage stieg um 4,9 %, gestützt durch die Konsumausgaben sowie einen weiteren Anstieg der Investitionen insbesondere in KI-bezogene Ausrüstung und Rechenzentren.

Inflation in den USA hält an. Der Gesamtindex der privaten Konsumausgaben (PCE) beschleunigte sich im Jahresvergleich von 3,4 % auf 3,6 %, während der Kern-PCE von 3,0 % auf 3,1 % stieg. Damit entsprachen beide Werte weitgehend den Erwartungen. Die Konsumausgaben stiegen im Monatsvergleich um 0,5 %, die Einkommen jedoch nur um 0,2 %, wodurch die Sparquote auf 3,8 % sank und die Nachhaltigkeit des Konsums weiter im Fokus stand.

Bank of Canada nimmt Straffung wieder auf. Die Bank of Canada hob den Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,50 % an. Sie beendete damit die Serie von sieben aufeinanderfolgenden Zinspausen, da sich die anhaltend hohen Energiekosten auf die allgemeine Inflation auszuweiten drohten. Die Notenbank erhöhte zudem ihre kurzfristigen Wachstumsprognosen, rechnet aber weiterhin damit, dass die US-Zölle die Wirtschaftstätigkeit im 4. Quartal bremsen werden.

Andernorts Zinsniveau stabil. Die Europäische Zentralbank beließ ihren Einlagensatz bei 2,50 % und verwies dabei auf die stabile zugrunde liegende Inflation, aber auch auf wachsende Aufwärtsrisiken durch die Energiepreise. Die neuseeländische Zentralbank sorgte für eine Überraschung, indem sie an ihrem Leitzins von 2,75 % festhielt. Sie betonte aber gleichzeitig, dass die Inflation weiterhin über dem Zielbereich liege. Auch die Bank of Japan hielt wie erwartet an ihrem Leitzins von 1,25 % fest.

Inflation in Australien zieht an. Der australische Verbraucherpreisindex stieg im Jahresvergleich von 4,0 % auf 4,3 %, der getrimmte Mittelwert der Inflation kletterte auf 3,6 %. Die Immobilienpreise stiegen um 5,2 % gegenüber dem Vorjahr, was trotz schwächerer Arbeitsmarktdaten und Stimmungsindikatoren nach wie vor für eine weitere Zinsanhebung durch die australische Notenbank spricht.

Chart: Market rate expectations point to more hiking

FX-Perspektiven

Anhaltende KI-Sorgen dämpfen Unterstützung durch restriktive Fed

USD: Dollar bleibt gefragt. Der US-Dollar-Index blieb diese Woche zwischen zwei gegenläufigen Kräften gefangen: einer restriktiven US-Notenbank auf der einen und einer sich wandelnden Stimmung gegenüber KI auf der anderen Seite. Die Fed ließ den Leitzins unverändert und signalisierte damit, dass sie weitere Daten benötigt, bevor sie über den nächsten Schritt entscheidet. Unerwartet positive Datum zum BIP-Wachstum und zu den privaten Konsumausgaben im 3. Quartal stützten diese Einschätzung. Da die Inflation im September positiv überrascht hat und nach wie vor das Risiko einer weiteren Eskalation im Nahen Osten besteht, dürften die Erwartungen hinsichtlich einer weiteren Zinserhöhung bestehen bleiben. Dies dürfte den US-Dollar stützen. Unterdessen bestehen weiterhin Zweifel, was den KI-Trade betrifft. Diese Zweifel bleiben das größte Abwärtsrisiko für den US-Dollar, da sie die Aufmerksamkeit wieder auf die Wachstumssorgen und damit auf einen weniger restriktiven Ausblick der Fed lenken. Nächste Woche wird sich das gesamte Augenmerk auf die US-Zwischenwahlen richten. KI-bezogene Sorgen könnten im Vorfeld der Abstimmung besonders stark ins Gewicht fallen: Ein deutlicher Sieg der Demokraten würde wahrscheinlich eine strengere Regulierung von KI nach sich ziehen und die Ungewissheit darüber verstärken, wie lange die KI-Rallye noch andauern kann.

EUR: Frankreich untergräbt Unterstützung durch EZB. Der Euro zeigte sich diese Woche durchweg schwach. Zum französischen Haushalt gab es keine wesentlichen Neuigkeiten und dennoch reagieren die Anleger nach wie vor sehr sensibel auf die fragile Finanzlage des Landes. Die negative Reaktion des Euro auf die EZB-Sitzung in dieser Woche, wenn auch nur von kurzer Dauer, unterstrich diese Sensibilität. Die Notenbank ließ den Leitzins unverändert, räumte jedoch ein, dass der Nahostkonflikt den Inflationsdruck wohl verstärken wird, während die seit der letzten Sitzung des EZB-Rats strengeren Finanzierungsbedingungen das Wachstum belasten dürften. Der Verweis auf verschärfte Finanzierungskonditionen erinnerte stark an den Abverkauf am Anleihemarkt, der durch die Haushaltskrise in Frankreich ausgelöst wurde. Dies nährte die Befürchtungen, dass Haushaltssorgen es der EZB erschweren könnten, an ihrer restriktiven Position festzuhalten. Genau davor fürchten sich die Märkte. Dennoch zeigt der Hinweis noch einmal, wie wenig Unterstützung eine restriktive EZB dem Euro unter den gegenwärtigen Umständen bieten kann. Der EUR/USD-Kurs fiel diese Woche mit 1,1105 auf ein neues 18-Monats-Tief, konnte einen Teil der Verluste aber wieder wettmachen. Das Währungspaar dürfte nun die Marke von 1,12 testen, wird dabei jedoch durch den gleitenden 21-Tage-Durchschnitt begrenzt. Unterstützung bietet der Bereich von 1,11 bis 1,1150.

Chart: AI jitters curb USD safe-haven demand

GBP: Vom Haushalt zur BoE. Die Verabschiedung des britischen Haushalts verlief aus Marktsicht weitgehend unspektakulär – die Schuldenpläne blieben im Rahmen und die Staatsanleihemärkte reagierten positiv. Für das Pfund Sterling war das Ausbleiben einer negativen Überraschung wohl das bestmögliche Ergebnis. Die kräftigste Bewegung gab es beim Währungspaar GBP/EUR, das auf ein neues 18-Monats-Hoch kletterte und sich nahe an die Marke von 1,20 heranarbeitete – ein Niveau, welches das Paar in den letzten zehn Jahren in weniger als 10 % der Zeit erreicht hat. Auch die Haushaltssorgen Frankreichs trugen dazu bei. Das Währungspaar GBP/USD setzte seine Erholung gegenüber dem US-Dollar fort und kletterte von den zu Monatsbeginn erreichten Jahrestiefs nahe 1,31 wieder über die Marke von 1,34. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch niedrigere US-Renditen und den neuerlichen Druck auf den Dollar infolge der Schwäche im Technologiesektor. Aus technischer Sicht nähert sich das Währungspaar seinem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt, der nun ein wichtiges Widerstandsniveau und die nächste Herausforderung für die Pfund-Optimisten darstellt. Das britische Pfund geht mit zunehmender Dynamik in die nächste Woche, wobei ein Großteil der jüngsten Stärke immer noch relative Vorteile und nicht etwa eine absolute Sonderstellung Großbritanniens widerspiegelt. Daher bleiben sowohl die anstehenden Daten als auch die erwartete Zinserhöhung der Bank of England entscheidende Prüfsteine.

CHF: Sicherer Hafen als Trumpf. Der Schweizer Franken profitiert weiterhin von der höheren Renditespanne zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen sowie dem allgemeinen Trend zur Auflösung von überlaufenen KI-bezogenen Positionen, der die Nachfrage nach defensiven Anlagen zuletzt angekurbelt hat. Angesichts der politischen Spannungen in Europa bleibt die Schweiz das bevorzugte Ziel für Kapitalflüsse in sichere Häfen. Somit könnten die Risiken rund um die bevorstehenden Wahlen in Frankreich den Franken bis ins nächste Frühjahr hinein stützen. Abgesehen von der Politik könnte sich auch das fundamentale Umfeld positiver entwickeln: Die Märkte haben ihre Erwartungen an die Geldpolitik der EZB und der SNB in den letzten Monaten einer aggressiv Neubewertung unterzogen, die Inflationsrisiken tendieren nach Einschätzung der SNB allmählich leicht nach oben, und der Franken erscheint nicht mehr wesentlich überbewertet. Ein weiterer positiver Faktor ist die Auflösung von Carry-Trades in einem volatileren Devisenumfeld. Dies würde den Franken aufgrund seiner Funktion als wichtige Finanzierungswährung stützen. Das Währungspaar EUR/CHF befindet sich in einer Abwärtsspirale – es hat mittlerweile die siebte Woche in Folge Verluste eingefahren (insgesamt mehr als 5 %) und notiert derzeit unterhalb aller wichtigen täglichen und wöchentlichen gleitenden Durchschnitte. Auch der USD/CHF-Kurs ist diesen Monat um fast 2 % gefallen, hier stellt die Marke von 0,815 ein kurzfristiges Abwärtsziel dar.