Risse in der Capex-Story. Insbesondere Technologieaktien haben in dieser Woche Kursverluste hinnehmen müssen. Anleger stellten sich die Frage, ob steigende Kreditkosten und der schuldenfinanzierte KI-Investitionsboom miteinander vereinbar sind. Der Philadelphia Semiconductor Index und der KOSPI befinden sich erneut im Bärenmarkt-Terrain, während der Nasdaq 4 % gegenüber seinem letzten Hoch verloren hat.
Absicherung wiederhergestellt. Anleihen waren angesichts zunehmender Wachstumsängste wieder als sicherer Hafen gefragt, was die negative Aktien-Anleihen-Korrelation wieder herstellte, die in den von Angebotsschocks geprägten 2020er Jahren häufig nicht vorhanden war. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist auf den niedrigsten Stand seit drei Wochen gesunken.
Inflation ignoriert. Die Anleihe-Rallye kam trotz unerwartet hoher US-Inflationszahlen zustande, die unter normalen Umständen eine Belastung für die Anleihemärkte darstellen und dem US-Dollar Auftrieb verleihen.
Nicht so schnell. US-Notenbankchef Kevin Warsh dämpfte die Erwartungen an eine Zinserhöhung zum Ende des Monats. Allerdings legt seine Begeisterung für KI-gestütztes Wachstum und eine synchronisierte globale Straffung die Vermutung nahe, dass die Märkte womöglich zu wenig restriktive Schritte einpreisen.
Dollar bekommt Dämpfer. Normalerweise würde die nachlassende Risikobereitschaft den US-Dollar stützen, doch der KI-Trade hat sich mittlerweile zu einer wichtigen Säule der Sonderstellung der USA und der Kapitalzuflüsse entwickelt. Das nachlassende Vertrauen in den Sektor kann jedoch auch die Unterstützung für den Greenback schwinden lassen. Sofern es nicht zu einem umfassenderen KI-bedingten Abverkauf kommt, dürfte der Dollar jedoch weiterhin Unterstützung nahe seinen jüngsten Hochs finden.
Auf dem Radar. Aktuell stehen eine Reihe von Konjunkturumfragen aus den wichtigsten Volkswirtschaften der Welt an. Diese werden zeitnah Anhaltspunkte dafür liefern, ob sich die nachlassende Stimmung langsam in einem Wachstumsrückgang niederschlägt.
Globale Makrodaten
Inflation steigt, während die Wachstumssignale auseinanderdriften
US-Inflation zieht wieder an. Der Verbraucherpreisindex (CPI) stieg im September um 0,6 % gegenüber dem Vormonat und um 3,7 % im Vergleich zum Vorjahr. Damit lag er über den Prognosen von 0,6 % bzw. 3,6 %. Die Kerninflation kletterte indes um 0,3 % im Monats- und 2,6 % im Jahresvergleich nach oben. Die höheren Gesamt- und Kerninflationsraten bestärken die Fed darin, trotz der schwachen Beschäftigungszahlen im September an ihrer restriktiven Haltung festzuhalten.
US-Nachfrage und -Preise. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im Vergleich zum Vormonat um 0,8 % (erwartet: 0,3 %), wobei ein Großteil des Zuwachses auf die um 6,4 % gestiegenen Tankstellenpreise zurückzuführen war. Die Benzinpreise außen vor gelassen, belief sich der Anstieg nur auf 0,2 % – die Kontrollgruppe legte um 0,1 % zu. Für den größeren Schock sorgten die Erzeugerpreise (PPI), die im Monatsvergleich um 1,3 % (erwartet: 0,6 %) und im Jahresvergleich um 6,3 % (erwartet: 5,5 %) stiegen. Auch der Kern-PPI legte mit 0,7 % gegenüber dem Vormonat deutlich zu (erwartet: 0,3 %). Dieser Mix deutet auf robuste nominale Ausgaben, aber eine schwächere zugrunde liegende Konsumstimmung hin, die mit einer deutlichen Ausweitung der Pipeline-Inflation einhergehen.
Australischer Arbeitsmarkt schwächt sich ab. Die Beschäftigtenzahlen sanken unerwartet um 39.300, während die Arbeitslosenquote auf dem zuvor nach oben korrigierten Wert von 4,7 % verharrte, dem höchsten Stand seit 2021. Auch die Erwerbsbeteiligung ging auf 66,8 % zurück, was die Erwartungen hinsichtlich einer weiteren baldigen Zinserhöhung durch die Reserve Bank of Australia dämpfte. Die australische Notenbank hatte den Leitzins bereits im September auf 4,60 % angehoben.
Wachstum in Großbritannien übertrifft Erwartungen. Die britische Wirtschaft wuchs im August um 0,1 % gegenüber dem Vormonat und übertraf damit die Prognosen – erwartet worden war ein Rückgang von 0,1 %. Das jährliche Wachstum beschleunigte sich auf 2,1 %. Die Produktionsleistung stieg um 1,2 % und computergestützte Dienstleistungen, allerdings werden die Aussichten weiterhin durch die hohen Kreditkosten und den bevorstehenden Haushalt getrübt.
Chinas Exportboom verschleiert schwache Nachfrage. Die Exporte stiegen sprunghaft an und ließen den Handelsüberschuss auf einen Rekordwert von 133,5 Milliarden US-Dollar anwachsen. Die Erzeugerpreisinflation beschleunigte sich auf 5,0 % gegenüber dem Vorjahr (erwartet: 4,5 %), bedingt durch höhere Energie- und Rohstoffkosten. Der Verbraucherpreisindex lag hingegen nur bei 0,9 % (erwartet: 1,0 %), die Kerninflation blieb unverändert bei 1,0 %.
FX-Perspektiven
Hohe Inflationszahlen untermauern optimistischen Dollar-Ausblick
USD: US-Dollar konsolidiert sich nahe 102. Der Greenback bewegte sich im Verlauf der Woche knapp über der Marke von 102. Ein unerwartet hoher Inflationsbericht für September trieb den US-Dollar-Index am Mittwoch auf ein 18-Monats-Hoch von 102,945. Dieser Anstieg schwächte sich später jedoch wieder ab. Ein starker Abverkauf an den Aktienmärkten, bedingt durch neuerliche Bedenken in Bezug auf KI, löste eine Flucht in sichere Anlagen und eine Erholung der Nachfrage nach Anleihen aus. Dies erscheint etwas ungewöhnlich in einer Zeit, in der Anleihen angesichts der restriktiven Haltung der Zentralbanken generell unter Druck stehen. Womöglich sind die Renditen von festverzinslichen Wertpapieren aber nach einer mehrmonatigen Verkaufsphase auch einfach zu attraktiv geworden , als dass Anleger sie ignorieren könnten. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Rallye am Anleihemarkt nur von kurzer Dauer sein wird. Geopolitische Risiken und der Zinserhöhungszyklus der Fed dürften den Dollar mittelfristig weiter stützen. Aktuell scheint eine Konsolidierung um die Marke von 102 wahrscheinlich.
EUR: Haushaltssorgen schwächen die restriktive Haltung der EZB. Das Währungspaar EUR/USD pendelte diese Woche um die Marke von 1,12 herum. Ein Großteil des Pessimismus bezüglich der Haushaltskrise in Frankreich scheint bereits eingepreist zu sein; die Renditedifferenzen zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen liegen nach wie vor nahe ihren über zehnjährigen Hochs. Die Anleger hoffen nun auf Fortschritte bei den Haushaltsverhandlungen. Allerdings sind die Chancen auf einen Durchbruch nach wie vor gering, was den Spielraum für eine nachhaltigere Erholung des Euro einschränkt. Auch die Zinsentwicklung bietet dem Euro unabhängig von ihrem weiteren Verlauf wenig Unterstützung. Ein mögliches Szenario wäre, dass die Europäische Zentralbank ihren restriktiven Kurs lockert, weil durch die Haushaltssorgen bedingte höhere Marktzinsen einen Teil der Straffungsarbeit für sie übernehmen. Im anderen Szenario signalisiert die EZB unverändert weitere Zinserhöhungen. Doch selbst dann dürfte der Euro kaum große Unterstützung erhalten, denn die geopolitische Unsicherheit und haushaltspolitische Risiken innerhalb der Eurozone gleichen zunehmend den traditionellen Zinsvorteil der Währung aus.
GBP: Wieder robuster. Das Pfund Sterling beendete die Woche auf einem stabileren Niveau. Der GBP/USD-Kurs erholte sich vom niedrigen Bereich der Marke 1,32 und verharrt damit seit Jahresbeginn in einer engen Spanne. Diese Entwicklung war in erster Linie der Schwäche des US-Dollars und weniger der Stärke des britischen Pfunds zuzuschreiben, da Anleger angesichts der fortwährenden Dollar-Rallye Gewinne mitnahmen. Dabei erreichte das Währungspaar zum ersten Mal seit Anfang September wieder seinen 21-Tage-Durchschnitt, was darauf hindeutet, dass sich die Abwärtsdynamik nach mehreren Wochen der Konsolidierung abschwächt. Allerdings hat das Paar noch keines der wichtigeren Widerstandsniveaus zurückerobert, weshalb die Kursbewegung nach wie vor primär als Korrektur innerhalb einer umfassenderen Konsolidierungsphase betrachtet werden sollte. Im Vergleich zum Euro entwickelt sich das Pfund nach wie vor besser. Das Währungspaar GBP/EUR notiert weiterhin nahe seinem Ein-Jahres-Hoch über 1,18, wobei die Unterstützung eher auf Euro-spezifischen Sorgen denn auf einer allgemeinen Begeisterung in Bezug auf Großbritannien beruht. Die Haushaltskrise in Frankreich und der gedämpfte Ausblick der EZB haben die Gemeinschaftswährung weiterhin belastet. Im Inland überraschte indes das britische BIP erneut positiv. Ein Beleg dafür, dass die Wirtschaft trotz hoher Energiepreise und der geopolitischen Unsicherheit nach wie vor widerstandsfähiger ist als von vielen erwartet. Dem britischen Pfund steht eine ereignisreiche Woche bevor – vor der nächsten Sitzung der Bank of England Anfang November werden neben den Arbeitsmarktdaten auch die Inflationszahlen und die Einzelhandelsumsätze veröffentlicht.
CHF: Nahezu überkauft. Der Schweizer Franken konnte seine jüngsten Gewinne in dieser Woche ausbauen, da neuerliche KI-bezogene Wachstumssorgen die Risikobereitschaft beeinträchtigten. Dies schickte die Kurse von Halbleiteraktien auf Talfahrt und kurbelte die Nachfrage nach sicheren Anlagen an. Sinkende Anleiherenditen stützten den Franken zusätzlich, wobei der USD/CHF-Kurs den stärksten Tagesrückgang seit August verzeichnete und unter seinen 21-Tage-Durchschnitt fiel. Das Währungspaar EUR/CHF notiert weiterhin rund 2 % niedriger als zu Monatsbeginn und nähert sich seinem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt bei etwa 0,92 – ein Niveau, das weiteres technisches Interesse wecken könnte. Allerdings erscheinen die Argumente für eine anhaltende Aufwertung des Schweizer Franken immer weniger überzeugend. Der Franken nähert sich nach seinem starken Lauf dem überkauften Bereich, während sich die Risikoaufschläge französischer Anleihen stabilisiert haben und die allgemeine Marktstimmung auf eine Erholung hindeutet. Da der risikobereinigte Carry gegenüber dem Franken weiterhin zu den attraktivsten innerhalb der G10-Staaten zählt und die Schweizerische Nationalbank an ihrer extrem akkommodierenden Geldpolitik festhält, dürfte es die Rallye des Schweizer Franken – die von seiner Rolle als sicherer Hafen getragen wird – schwer haben, sich nennenswert über die aktuellen Niveaus hinaus auszuweiten.