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Vorsichtiger Optimismus

Der Wachstumsimpuls in Europa hat sich deutlich abgeschwächt: Der britische Composite PMI (vorläufige Zahlen für den Mai) fiel auf 48,5 Punkte (erwartet wurden 51,6 Punkte) und rutschte damit in den Kontraktionsbereich.

Convera Weekly FX Report

Unnachgiebige Resilienz. Die Aktienmärkte ignorieren weiterhin die Inflations- und Energierisiken, wobei der S&P 500 auf dem Weg zu seiner längsten Gewinnserie seit 2023 ist. Dies wird durch einen anhaltenden, KI-basierten Optimismus und neue Hoffnungen auf eine Deeskalation zwischen den USA und dem Iran unterstützt.

Deeskalationsmüdigkeit. Die Märkte sind jedoch vorsichtiger geworden, wenn es um positive geopolitische Nachrichten geht. Die schwächeren Reaktionen auf die Verhandlungen der „letzten Phase“ spiegeln die nachlassende Überzeugung wider, dass ein Friedensabkommen erreicht werden kann.

Historischer Ausverkauf. Der globale Ausverkauf von Anleihen stellte das dominierende makroökonomische Thema dar. An der Spitze dieser Entwicklung steht der Long-End-Bereich US-amerikanischer Anleihen mit einem pessimistischen Anstieg, bedingt durch steigende Inflationsängste. Die heftigen Kursbewegungen ließen zum Ende der Woche etwas nach, bleiben jedoch weiterhin ein wichtiges Thema.

Höherer Ölpreis, härtere Landung. Die Kombination aus erhöhten Energiepreisen und verschärften Finanzbedingungen führt zur Befürchtung, dass die Stagflation das globale Wachstum bremsen könnte. Die schwachen europäischen Einkaufsmanagerindizes erzwingen daher eine Abwärtskorrektur der Erwartungen hinsichtlich einer strafferen Geldpolitik der EZB.

Der stille Wiederaufstieg des US-Dollars. Der Devisenmarkt hat sich wieder stärker an der Dynamik bei den realen Renditen orientiert. Dabei haben sich höhere US-Zinssätze als Hauptfaktor für die Stärke des US-Dollars herauskristallisiert und die geopolitischen Faktoren an Bedeutung überholt. Die Kombination aus der Unterstützung durch Renditen, der Safe-Haven-Nachfrage und dem im Vergleich überdurchschnittlichen Wachstum verschafft dem US-Dollar einen Vorteil gegenüber vergleichbaren Währungen.

Langes Wochenende, geringe Liquidität. Im Vorfeld des langen Wochenendes in Europa und den USA dürfte die Marktliquidität abnehmen, was kurzfristige Preisbewegungen verstärken und die Märkte empfindlicher gegenüber Schlagzeilen machen könnte.

Long yields rose to their highest in decades

Globale Makrodaten
Verschärfung der Wachstumsdivergenz, da die europäischen Einkaufsmanagerindizes einbrechen

PMI-Einbrüche. Der Wachstumsimpuls in Europa hat sich deutlich abgeschwächt: Der britische Composite PMI (vorläufige Zahlen für den Mai) fiel auf 48,5 Punkte (erwartet wurden 51,6 Punkte) und rutschte damit in den Kontraktionsbereich. Dies ist der erste Rückgang unter 50 Punkte seit mehr als einem Jahr und auf einen starken Rückgang im Dienstleistungssektor zurückzuführen.  Der Composite PMI der Eurozone enttäuschte mit 47,5 Punkten ebenfalls (erwartet wurden 48,8 Punkte), was den Wachstumsrückgang bestätigte und das makroökonomische Thema eines „wirtschaftsschwachen Europas“ verstärkte.  Die USA zeigten sich uneinheitlicher, jedoch relativ resilient: Der Fertigungssektor machte einen Sprung auf 55,3 Punkte (erwartet wurden 53,8 Punkte), während der Dienstleistungssektor auf 50,9 Punkte nachgab (erwartet wurden 51,1 Punkte). Die Zahlen für die USA weisen damit zwar weiter auf eine Erweiterung hin, sind jedoch nach wie vor gemischter Art.

China lässt nach. China hat diese Woche die Wachstumsprognosen deutlich verfehlt. Die Einzelhandelsumsätze (April) stagnierten im Wesentlichen bei +0,2 % gegenüber dem Vorjahr (erwartet wurden +1,9 %). Dies stellte eine deutlich negative Überraschung dar, was bestätigt, dass der Konsum weiterhin das schwache Glied ist.  Gleichzeitig ging die Industrieproduktion (April) auf +4,1 % zurück (erwartet wurden +6,0 %). Dies zeigt, dass sich die Verlangsamung der Wirtschaft nicht nur auf die Nachfrage der privaten Haushalte beschränkt.

Japan gewinnt. Das (vorläufige) japanische BIP im ersten Quartal fiel mit +0,5 % gegenüber dem Vorquartal leicht positiv aus (erwartet wurden +0,4 %; +0,3 % zuvor). Im Vergleich zu den schwachen chinesischen Daten und den sich verschlechternden europäischen Einkaufsmanagerindizes trug dies zu einer weiterhin positiven Bewertung der Situation Japans bei.  Der entscheidende Punkt ist das Timing: Die Märkte werteten es als unterstützend, jedoch nicht als definitiv, da die jüngsten Belastungen der Energie- und Lieferkette wahrscheinlich nicht vollständig erfasst wurden.

Gemischtes Bild für Europa. Das Vereinigte Königreich bot eine klare negative Überraschung hinsichtlich der Inflation: Der Verbraucherpreisindex (April) sank auf +2,8 % gegenüber dem Vorjahr (erwartet wurden +3,0 %; zuvor +3,3 %). Das ONS wies darauf hin, dass die Disinflation maßgeblich durch die Entwicklung im Wohnungs- und Haushaltsdienstleistungssektor bedingt sei.  Die Eurozone hatte dagegen keine Erleichterung dieser Art zu bieten: Der harmonisierte Verbraucherpreisindex (endgültige Zahlen für den April) lag unverändert bei +3,0 % im Jahresvergleich. Dieser Wert liegt über der Erwartung von +2,8 % und unterstreicht, dass die Eurozone in diesem Schock weiterhin energiesensibel reagiert. 

US-Europe PMI divergence deepens

FX-Perspektiven
Pattsituation hält an, US-Dollar tendiert nach oben

USD: US-Dollar trotz fragiler Diplomatie weiter stark Der vorsichtige Optimismus hinsichtlich eines dauerhafteren Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran hat die Safe-Haven-Attraktivität des US-Dollars in dieser Woche eingedämmt. Anleger haben jedoch gelernt, eine Deeskalationsrhetorik zu ignorieren, die sich nicht in konkreten Fortschritten niederschlägt. Der stetige Anstieg des DXY um ungefähr 1 % in diesem Monat verdeutlicht diese Skepsis, da sich die beiden Seiten trotz fortgesetzter Bemühungen um eine Lösung des Konflikts weiterhin nicht einigen können. Im April stellte sich die Kursentwicklung des US-Dollars jedoch volatiler dar, da die Märkte stärker auf Signale einer Konfliktlösung reagierten. In der Zwischenzeit haben die jüngste falkenhafte Neubewertung der Geldpolitik der Fed (mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 % für eine Zinserhöhung bis zum Jahresende), das solide makroökonomische Umfeld und der weltweite Ausverkauf von Anleihen aufgrund von Befürchtungen hinsichtlich einer sich beschleunigenden, konfliktbedingten Inflation zu einer Stärkung der Safe-Haven-Attraktivität des US-Dollars beigetragen. Diese Entwicklung beruht auf mehr als nur einem rein mechanischen Effekt durch höhere Ölpreise. Die positive Einschätzung des US-Dollars bleibt daher auch ohne nennenswerte geopolitische Entwicklungen intakt. Ein Test der Marke 99,50 bleibt für die nächsten Tage unser Basisszenario.

EUR: Währungspaar EUR/USD zum Testen der Marke 1,16 gezwungen Das Währungspaar EUR/USD hat sich vom Widerstandsniveau bei 1,18 entfernt, das es während der stärksten Deeskalationsphase im April und Anfang Mai zu durchbrechen versuchte. Zurückhaltendere Marktreaktionen auf Konfliktmeldungen führen zu einer geringeren Handelsspanne. Das Währungspaar notiert nun unterhalb aller wichtigen gleitenden Durchschnittswerte und bewegt sich nahe dem Tiefststand von 1,16. Die angespannte globale Finanzlage und der jüngste Abverkauf bei Anleihen haben das pessimistische Bild verstärkt. Angesichts des schwächeren makroökonomischen Umfelds zeigen Anleger eine zunehmend größere Zurückhaltung, wenn es um das Halten europäischer Anleihen im Vergleich zum Halten US-amerikanischer Anleihen geht. In den USA wurde der Aufwärtsdruck auf die Renditen eher durch höhere Wachstumserwartungen und einen falkenhaften Ausblick der Fed (Realrenditen) als durch zunehmende Unsicherheiten (Zinsrisikoprämien) verursacht. Da die Märkte beinahe drei Zinserhöhungen durch die EZB bereits eingepreist haben, gibt es mehr Spielraum für eine Zurücknahme als für eine Erweiterung der Erwartungen, was die Attraktivität europäischer festverzinslicher Wertpapiere weiter verringert. Bei Gesamtbetrachtung dürfte das Währungspaar EUR/USD in den kommenden Tagen unter die Marke von 1,16 fallen, wenn es keine bedeutenden Entwicklungen im Nahen Osten gibt.

Dollar's haven appeal emboldened

GBP: Erholung ohne Wiederbelebung. Das Pfund Sterling hat sich diese Woche besser entwickelt als die meisten anderen G10-Währungen. Dies deutet darauf hin, dass ein stärker auf das Pfund Sterling ausgerichteter Faktor die Hauptrolle spielt. Gegenüber dem EUR, JPY und AUD stieg die Währung um beinahe 1 %. Gegenüber dem USD bewegte sie sich oberhalb der Marke 1,34, nachdem sie letzte Woche noch bei ungefähr 1,33 gehandelt wurde. Allerdings sollte diese Entwicklung als Korrektur des politisch motivierten Ausverkaufs der letzten Woche charakterisiert werden, nicht so sehr als Beginn eines neuen Aufwärtsimpulses. Die aktuelle Unterstützung scheint auf eine teilweise Entspannung bei den innenpolitischen Risiken zurückzuführen zu sein. Signale wie die Betonung der Haushaltsdisziplin durch Andy Burnham und das Versprechen von Wes Streeting, die Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU zu vertiefen, haben zur Stabilisierung der Stimmung beigetragen. Parallel dazu hat sich die Volatilität am Anleihemarkt während der Woche abgeschwächt. Dies ist teilweise auf einen vorsichtigen Optimismus hinsichtlich der Entwicklungen im Konflikt zwischen den USA und dem Iran zurückzuführen. Allerdings scheint das makroökonomische Umfeld im Vereinigten Königreichen Anzeichen für eine Schwächung zu zeigen. Der sich abkühlende Arbeitsmarkt, die schwächere Inflation, die schwächeren Einzelhandelsumsätze und die rückläufigen Einkaufsmanagerindizes sprechen allesamt dafür, dass die Bank of England ihre Zinsen im nächsten Monat unverändert lassen wird. Die verhaltene Reaktion des Pfund Sterling auf diese Daten lässt vermuten, dass die teilweise Reduzierung der politischen Risikoprämien für das Vereinigte Königreich die makroökonomischen Gegenwinde vorerst ausgleicht. Diese Neubewertung scheint jedoch unvollständig zu sein. Die politischen Unsicherheiten haben zwar abgenommen, sind jedoch nicht verschwunden. Da die Wirtschaftsdaten für das Vereinigte Königreich schwächer werden, bleiben diese Restrisiken im Hintergrund bestehen. Die Resilienz des Pfund Sterling könnte sich daher als brüchig erweisen, wenn die makroökonomischen und politischen Grundströmungen wieder an Bedeutung gewinnen.

CHF: Falkenhafte Entwicklung. Auch wenn die inländischen Fundamentaldaten den Franken weiterhin stützen, wird er nach wie vor in einem Rahmen gehandelt, der von einer Asymmetrie zwischen Bewertung und Geldpolitik geprägt ist. Das stärker als erwartet ausgefallene Wachstum im 1. Quartal und der jüngste Anstieg der Inflation haben die geldpolitische Debatte verändert. Die Märkte preisen nun eine vollständige Zinserhöhung durch die SNB bis zum Jahresende ein. Dies stellt eine deutliche Kehrtwende gegenüber den Erwartungen vor dem Konflikt dar, die auf eine Lockerung der Geldpolitik hingedeutet hatten. Trotz dieser falkenhaften Neubewertung fielen die Gewinne des Franken bescheiden aus, was die anhaltende Vorsicht des Marktes hinsichtlich des Interventionsrisikos der SNB auf einem hohen Niveau unterstreicht. Da der reale effektive Wechselkurs nahe einem Mehr-Jahres-Hoch liegt, reagieren die geldpolitischen Entscheidungsträger weiterhin sensibel auf jede weitere Aufwertung. In den Daten für Sichteinlagen oder Reserven finden sich jedoch keine eindeutigen Anzeichen für aktive Devisenmarktinterventionen. Damit gibt es zwar weiterhin Unterstützung für den Franken, jedoch nicht uneingeschränkt: Die Stärke des Inlandsmarkts und die Neubewertung der Geldpolitik bilden eine Untergrenze, während das Interventionsrisiko das Aufwärtspotenzial begrenzt und das Währungspaar EUR/CHF weitgehend im Bereich um 0,91 herum verankert.