- Technologieaktien wanken. Der starke Rückgang bei US-Technologieaktien – von Software über Halbleiter bis zu allem, was mit KI zu tun hat – ist ein Beleg für die Bedenken von Anlegern, ob die enormen KI-Investitionen die Bewertungen rechtfertigen können. Der Nasdaq ist seit Wochenbeginn um ungefähr 4 % gefallen.
- Noch kein Silberstreif am Horizont. Der gleichzeitige Preisverfall bei Edelmetallen und Kryptowährungen unterstreicht, wie fragil die Stimmung mittlerweile ist. Die Kursbewegungen bei Silber und Bitcoin entsprechen der Volatilität der Pandemiezeit. Der Bitcoin-Kurs ist seit Jahresbeginn um 26 % gesunken, was den drittschlechtesten Jahresstart aller Zeiten markiert. Der Silberpreis liegt weiter mehr als 40 % unter dem Höchststand.
- In Australien steigen die Zinsen. Die RBA erhöhte die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 3,85 %. Damit ist sie eine der ersten großen Zentralbanken, die nach dem Lockerungszyklus in der Zeit nach der COVID-Pandemie zu einer strafferen Geldpolitik zurückkehren. Der AUD erreichte den höchsten Stand seit drei Jahren.
- EZB im Tempomatmodus. Die EZB-Sitzung bot keine Überraschungen. Sie beließ den Einlagensatz unverändert bei 2 % und es war kein Kurswechsel zu erkennen. Die Renditen für den Euro und zweijährige deutsche Staatsanleihen blieben nahezu unverändert.
- Die Bank of England verfolgt weiter eine taubenhafte Strategie. Die Bank of England beließ den Leitzins bei 3,75 %. Die eigentliche Geschichte wird jedoch von dem eher taubenhaften Abstimmungsergebnis erzählt. Angesichts der Einpreisung einer Zinssenkung im März zu ungefähr 60 % gaben britische Staatsanleihen und das Pfund nach; die Märkte erwarten eine frühe geldpolitische Lockerung.
- Gewitterwolken über Starmer. Der britische Premierminister Starmer ist zunehmender Kritik aufgrund der Verbindungen von Peter Mandelson zu Epstein ausgesetzt. Befürchtungen hinsichtlich einer expansiveren Fiskalpolitik unter einem potenziellen Nachfolger haben den Spread zwischen 2- und 10-jährigen britischen Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit 2018 getrieben.
Globale Makrodaten
Von Divergenz geprägt
Gegen den Strom. Die Reserve Bank of Australia (RBA) erhöhte wie erwartet die Zinssätze und ist damit neben der Bank of Japan die einzige G10-Zentralbank, die in den letzten Monaten ihre Geldpolitik gestrafft hat. Diese geldpolitische Divergenz hat den australischen Dollar im laufenden Jahr an die Spitze der G10-Rangliste katapultiert, während die geldpolitischen Entscheidungsträger versuchen, die steigende inländische Inflation zu begrenzen.
Überraschend taubenhaft. Die Bank of England (BoE) beließ den Leitzins unverändert bei 3,75 %. Die eigentliche Geschichte wurde jedoch vom Abstimmungsverhältnis erzählt: Vier MPC-Mitglieder stimmten für eine Senkung des Leitzinses um 25 Basispunkte auf 3,5 % – ein deutlich taubenhafteres Ergebnis, als die Märkte erwartet hatten. Dies ist der größte Stimmenblock für eine Zinssenkung seit Beginn des Lockerungszyklus und signalisiert eine klare Verlagerung des Schwerpunkts im Ausschuss.
EZB hält die Stellung. Die Europäische Zentralbank (EZB) beließ den Einlagensatz unverändert bei 2,00 % und gab damit der Unterstützung für die Wirtschaft Priorität. Diese Strategie gerät jedoch zunehmend unter Druck, da die Inflation im Euroraum im Januar deutlich auf 1,7 % sank. Damit bestehen nun höhere Risiken für eine zusätzliche geldpolitische Lockerung.
Eine anstrengende Woche. Die Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten wurde auf die nächste Woche verschoben. Dennoch war diese Woche von Arbeitsmarktdaten geprägt, die den Abkühlungstrend in der US-Wirtschaft deutlich bestätigten. Zu den Höhepunkten zählten der schwache ADP-Bericht, der Anstieg der Stellenstreichungen um 117,8 % laut Challenger-Daten und der starke Rückgang der offenen Stellen auf 6,54 Millionen laut JOLTS-Daten. Während die steigende Zahl der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung auf eine Beschleunigung bei Entlassungen und eine sinkende Nachfrage nach Neueinstellungen hindeutet, entkoppelt sich das breitere makroökonomische Umfeld. Das stetige Wachstum und die besser werdenden ISM-Zahlen deuten darauf hin, dass die Probleme auf dem Arbeitsmarkt derzeit durch deutliche Steigerungen bei der Produktivität ausgeglichen werden. Diese Verschiebung, verstärkt durch den steigenden Erzeugerpreisindex und die Breakeven-Inflation, gefährdet jedoch das Reflations-Narrativ. Es ist jetzt eher von einer langsam reagierenden Wirtschaft als von einer weichen Landung auszugehen, geprägt von fiskalischer Dominanz und KI-Impulsen.
FX-Perspektiven
Arbeitsmarktrisiken überschatten Erholung des US-Dollars
USD Der US-Dollar erholt sich, die Stimmung stabilisiert sich. Nach zwei verkaufsbetonten Wochen erholte sich der US-Dollar in dieser Woche stetig. Der US-Dollar-Index beendete die Woche mit einem Plus von beinahe 1 %, liegt damit aber seit Jahresbeginn immer noch um ungefähr 0,5 % niedriger. Auch wenn der Aufwärtstrend größtenteils durch die Auflösung der technischen Baisse bedingt war (nachdem der Index zuletzt 2022 beobachtete Niveaus erreicht hatte), unterstreicht seine Resilienz dennoch die nach wie vor optimistische Grundstimmung des Markts. Anleger scheinen heute deutlich zuversichtlicher hinsichtlich des Zustands der US-Wirtschaft zu sein als im Jahr 2025 und möchten an dieser positiven Stimmung als dominierendem Faktor für den US-Dollar festhalten. Diese Verschiebung wirkt sich positiv auf die Stimmung aus und reduziert letzten Endes den Abwärtsdruck auf die Währung. Allerdings waren die makroökonomischen Daten in dieser Woche insgesamt wenig beeindruckend. Anleger könnten enttäuscht werden, wenn sich die Erwartungen hinsichtlich eines optimistischeren Arbeitsmarktausblicks nicht bewahrheiten. Trotz des leichten Rückgangs bei den kurzfristigen Zinssätzen aufgrund der schwachen Arbeitsmarktdaten stieg der Kurs des US-Dollars in den letzten Tagen, hauptsächlich aus technischen Gründen. Die Messlatte liegt nun jedoch höher. Der Arbeitsmarktbericht der nächsten Woche, insbesondere die Arbeitslosenquote, wird für die kurzfristigen Aussichten für den US-Dollar von kritischer Bedeutung sein und darüber entscheiden, ob eine Rückkehr über die Marke von 1,18 für das Währungspaar EUR/USD gerechtfertigt ist.
EUR: Schwerkraft gewinnt nahe der Marke von 1,18. Das Währungspaar EUR/USD tendiert zum Wochenschluss 0,5 % niedriger. Damit wird die übertriebene Euphorie nach den starken USD-Verkäufen der letzten Wochen korrigiert. Das Währungspaar wird nun anscheinend deutlich näher am fairen Wert gehandelt, der jetzt im oberen Bereich der Marke von 1,17 liegt. Gestützt von makroökonomischen Faktoren, stieg der Ankerwert für das Währungspaar EUR/USD ausgehend von niedrigeren Werten im Bereich von 1,17 während der Woche leicht an, da die US-Wirtschaftsdaten nicht überzeugen konnten. Das Bild war in der Tat uneinheitlich, wobei die Arbeitsmarktindikatoren auf eine anhaltende Abschwächung hindeuten. Das Währungspaar EUR/USD scheint daher vorerst weiter von der Marke von 1,18 angezogen zu werden, zumindest bis zum US-Arbeitsmarkt- und Inflationsbericht in der nächsten Woche. Währenddessen beließ die EZB die Zinssätze erwartungsgemäß unverändert und unterstrich damit die Resilienz der Wirtschaft in der Eurozone, was die Bewältigung turbulenter Bedingungen betrifft. Gleichzeitig zeigte sie sich wenig besorgt über mögliche disinflationäre Auswirkungen eines stärkeren Euro. Die Gemeinschaftswährung reagierte kaum auf Lagardes neutrale Aussagen.
GBP: Doppelschlag für das Pfund Sterling. Politische Unsicherheiten und steigende Erwartungen hinsichtlich niedrigere Zinssätze bilden eine nachteilige Mischung für das Pfund Sterling und drohen, die mehrmonatige Erholung zu stoppen. Der durch die britische Politik bedingte Risikozuschlag ist stillschweigend zurückgekehrt, da Premierminister Starmer unter Druck geraten ist. Laut Polymarket-Quoten beträgt die Wahrscheinlichkeit für einen Rücktritt noch vor Jahresende 60 %. Dieses Unbehagen hatte auch Auswirkungen auf die Märkte: Die Renditen langfristiger britischer Staatsanleihen sind gestiegen, während das Pfund nachgegeben hat. Die taubenhafte Haltung der Bank of England erhöhte den Druck zusätzlich. Die Renditen kurzfristiger britischer Staatsanleihen sanken, da die Erwartungen hinsichtlich eine Zinssenkung vorgezogen wurden. Damit wurde der bisher stützende Zinspuffer für die Währung zunichtegemacht. Die Preise am Geldmarkt berücksichtigen nun Zinssenkungen um 50 Basispunkte bis zum Jahresende – gegenüber 35 Basispunkten Anfang der Woche. Das Pfund Sterling hat scharf reagiert. Das Währungspaar GBP/EUR durchbrach die Marke von 1,15 EUR, eine außergewöhnliche Trendwende für ein Währungspaar, das noch Anfang der Woche ein Vier-Monats-Hoch erreicht hatte. Das Währungspaar GBP/USD hat seit dem Höchststand der letzten Woche mehr als 2 % verloren, wobei der gleitende 200-Tage-Durchschnitt bei 1,3430 USD als natürliche nächste Abwärtsmarke erscheint. Die Händler haben ihre pessimistische Haltung gegenüber dem britischen Pfund über mehrere Handelssitzungen hinweg zum Ausdruck gebracht, wobei ein wichtiger Optionsindikator nun den negativsten Stand seit Anfang Dezember erreicht hat.
CHF: Inflationstest zeichnet sich ab. Die Rallye des Schweizer Franken aufgrund des aktuellen Anstiegs bei US-Risikozuschlägen, was die Safe-Haven-Nachfrage unterstützt hatte, ist etwas abgeklungen. Der Franken ist seit Jahresbeginn gegenüber dem US-Dollar jedoch um mehr als 2 % und gegenüber dem Euro um 1,5 % gestiegen. Diese Stärke erhöht das Risiko, dass die Inflation in der Schweiz stärker sinkt als von der SNB prognostiziert. Damit kommt die Frage auf, wie lange die Bank einer Senkung der Zinsen zurück in den negativen Bereich noch widerstehen kann. Präsident Schlegel besteht derzeit darauf, dass die Inflationsaussichten im Wesentlichen unverändert seien, weshalb ein Wechsel hin zu einer geldpolitischen Lockerung unwahrscheinlich sei. In Verbindung mit den zurückhaltenden Devisenmarktinterventionen deutet das Umfeld weiter auf eine anhaltende Stärke des Franken hin. Daher ist die bevorstehende Veröffentlichung der Inflationsdaten am 13. Februar von besonderem Interesse. Das Unterstützungsniveau von 0,9140 für das Währungspaar EUR/CHF ist nach wie vor von kritischer Bedeutung, ebenso wie die Marke von 0,76 für das Währungspaar USD/CHF. Beides sind Schlüsselniveaus, die darüber entscheiden werden, ob die Stärke des Franken anhält oder schließlich doch noch eine Pause einlegt.