Widersprüchliche Signale. Die Märktewurden durch widersprüchliche Signale aus den USA zur möglichen Dauer des Konflikts stark verunsichert. An einem Tag scheinen Vertreter der Administration von einer schnellen Deeskalation zu sprechen, am nächsten Tag warnen sie vor einer langen Dauer des Konflikts. Diese durch Schlagzeilen ausgelöste Volatilität hat sich auf die Risikobereitschaft ausgewirkt.
Minen in der Straße. Berichten zufolge hat der Iran Minen in der Straße von Hormuz verlegt. Das bewirkt eine wesentliche Eskalation auf den Energiemärkten, die bereits ein strukturelles Defizit aufweisen. Der Rohölpreis ist in dieser Woche um mehr als 16 % gestiegen und seit Jahresbeginn um mehr als 60 %.
Nicht genug. Die von der IEA koordinierte Freigabe von 400 Millionen Barreln aus den Ölreserven hat die Nerven kurzzeitig beruhigt, ist jedoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Pro Tag sollten 18 Millionen Barrel pro Tag – beinahe 20 % des weltweiten Angebots – durch die Straße von Hormuz transportiert werden.
Die Dauer bestimmt das Ausmaß des Schadens. Allein die Dauer des Konflikts und das Ausmaß der Unterbrechung des Energieflusses sind hier von Bedeutung. Daher sind die Handelsbedingungen nun wieder die treibende Kraft auf den Devisenmärkten.
Australien im Angriffsmodus. Der risikosensitive, aber rohstoffgedeckte australische Dollar erreichte gegenüber dem US-Dollar den höchsten Stand seit Juni 2022. Auch wenn er seitdem um 2 % gefallen ist, zeigt er im laufenden Jahr weiterhin die beste Performance unter den wichtigen Währungen.
Reflationsrisiken. Die US-Inflationszahlen aus dem Februar entwickelten sich in die richtige Richtung. Die globale makroökonomische Lage wurde durch den Anstieg des Ölpreises jedoch drastisch verändert und die kurzfristigen Erwartungen hinsichtlich der Inflation sind sprunghaft angestiegen.
Geldpolitische Probleme. Angesichts der Stagflationsängste werden die bevorstehenden Entscheidungen der Zentralbanken unter genauer Beobachtung stehen, während die Märkte ihre Wetten auf eine Lockerung der Geldpolitik zurücknehmen.
Globale Makrodaten
Stagflationsängste wachsen mit zunehmender Dauer des Iran-Kriegs
Stagflationsängste. Der Anstieg des Preises für Brent-Rohöl auf 100 USD/Barrel ging direkt in die Erwartungen an die Front-Loaded-Inflation ein. Auch wenn das vordere Ende der Inflationskurve ansteigt, sind die Erwartungen hinsichtlich der langfristigen Inflation stabil geblieben. Die Märkte setzen auf die Fähigkeit der Fed, die Inflation einzudämmen, und betrachten die aktuelle Energiekrise als vorübergehend. Obwohl führende Indikatoren auf eine gesunde Erholung des BIP der USA im 1. Quartal hindeuten, erhöhen die Instabilität im Nahen Osten und höhere Energiekosten das Risiko für eine Stagflation. In der Folge könnte die Richtung der Geldpolitik zunehmend unklar werden, während die Händler den Zinspfad der Zentralbanken neu bewerten. Derzeit herrscht an den Märkten weiterhin eine hohe Anspannung, was eng mit den Risiken aufgrund negativer Nachrichten verknüpft ist.
IEA-Intervention. In einer Dringlichkeitssitzung am Mittwoch (11. März) kündigte die Internationale Energieagentur (IEA) die Freigabe von 400 Millionen Barrel aus strategischen Reserven an, die größte Freigabe der Geschichte. Der Markt hat diese Maßnahme mit einem Schulterzucken registriert, da die vollständige Schließung der Straße von Hormuz im Wesentlichen 20 % des weltweiten täglichen Angebots abgeschnitten hat.
Kommentar der Bank of England. Gouverneur Bailey betonte, dass die Bank, bei einem weiterhin erhöhten britischen Einzelhandelspreisindex (ungefähr 5y5y), die Auswirkungen des durch die hohen Energiepreise bedingten „Stagflationsimpulses“ auf die allgemeine Erholung der britischen Wirtschaft beobachte.
Deflationäres Tauwetter in China. Die Daten vom Montag (9. März) zeigten einen überraschenden Anstieg des Verbraucherpreisindex auf 1,3 % im Jahresvergleich, deutlich über der Schätzung von 0,9 %. Dies markiert eine entscheidende Abkehr vom deflationären Trend des letzten Jahres und signalisiert eine Erholung der chinesischen Binnennachfrage.
VPI und Preiskomponente der USA. Die Inflationszahlen aus dem Februar (VPI und Preiskomponente) entwickelten sich in die richtige Richtung. Der sprunghafte Anstieg der Energiepreise hat die globale makroökonomische Lage jedoch drastisch verändert.
FX-Perspektiven
Eine Woche im Zeichen der Nachrichten
USD: Ölpreis steigt, sinkt, US-Dollar steigt. Der US-Dollar-Index stieg diese Woche weiter (um 1,1 %), da die Nachrichten keine Anzeichen einer Deeskalation erkennen ließen. Auch wenn die G7 versuchen, dem Preisanstieg durch politische Interventionen entgegenzuwirken, notiert der Ölpreis weiter in der Nähe von 100 USD/Barrel, mehr als 60 % höher als seit Jahresbeginn. Dies verleiht dem US-Dollar einen mechanischen Aufschwung, der weit über eine klassische Safe-Haven-Nachfrage hinausgeht. Die USA und ihre wichtigsten Partner sehen sich seit Beginn des Konflikts auch einer aggressiven, restriktiven Neubewertung gegenüber. Die Märkte wechselten von ungefähr zwei erwarteten Zinssenkungen durch die Fed, wie sie zu Beginn der Woche noch eingepreist waren, zur Einpreisung von weniger als einer erwarteten Zinssenkung am Ende der Woche. Ähnliche Neuausrichtungen fanden in den G10 statt. Da die USA jedoch als unabhängiger vom Öl gelten – und daher besser in der Lage sind, steigende Inflationserwartungen aufzufangen – ist eine optimistische Haltung der Devisenmärkte gegenüber dem US-Dollar leichter zu erzielen, was eine hartnäckigere Unterstützung für den Greenback bedeutet. Der US-Dollar-Index testet aktuell die Marke von 100. Seit dem Ausverkauf im April 2025 hat er diese Marke nicht mehr überschritten. Die nächsten Widerstandsziele sind 100,395 aus dem November und 101,977 aus dem Mai.
EUR: Belastung durch 100 USD/Barrel. Dies spiegelt sich im Währungspaar EUR/USD wider, das zum Wochenschluss um 1,4 % und seit Monatsbeginn um mehr als 3 % niedriger gehandelt wird. Die heutige Konsolidierung des Brent-Preises in der Nähe von 100 USD/pro Barrel (anders als Anfang der Woche, als jeder Preisanstieg schnell wieder verschwand) spiegelt eine Verschiebung der Risikobewertung hin zu einem längerfristigen und stärker disruptiven Szenario wider. Der erhebliche Ausverkauf der Gemeinschaftswährung am Freitag spiegelt diesen Stimmungswandel wider. Als Netto-Ölimporteur besteht eine erhebliche Anfälligkeit der Eurozone gegenüber steigenden Energiepreisen. Ein Verstärker für die negative Reaktion des Euro (beispielsweise im Vergleich zum britischen Pfund) ist die zuvor gefestigte Erwartung einer Erholung des Wachstums im Jahr 2026, was mit den fiskalischen Anreizen Deutschlands zusammenhängt. Da dieser Optimismus bereits durch innenpolitische Bedenken beeinträchtigt wurde, sorgt dieser externe Schock für zusätzlichen Druck und verstärkt die Abwärtsreaktion der Währung. Wenn keine relevanten Anzeichen für eine Deeskalation erkennbar sind, dürfte der Euro weiter an Wert verlieren. Derzeit notiert das Währungspaar nahe dem Novembertief bei 1,1469. Das Julitief bei 1,1392 stellt das nächste Abwärtsziel dar.
GBP: Umgang mit abrupten Änderungen bei Energiepreisen. Das Pfund Sterling tanzt weiterhin nach der Melodie der volatilen Energiemärkte. Als die Ölpreise Anfang der Woche sanken, gab der US-Dollar nach und das Währungspaar GBP/USD schien bereit, die Marke von 1,35 USD zu durchbrechen. Die Erleichterung war jedoch nur von kurzer Dauer. Als der Konflikt eskalierte und die Energiepreise erneut stark anstiegen, erholte sich der US-Dollar und das Pfund Sterling wurde nach unten gezogen. Das Pfund hat in diesem Monat gegenüber dem US-Dollar um beinahe 1,5 % verloren. Diese Schwäche kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Wachstum der britischen Wirtschaft bereits vor dem Konflikt ins Stocken geraten war. In der Folge fiel das Währungspaar GBP/USD erneut die Marke von 1,33 USD. Wenn sich die geopolitischen Spannungen nicht legen, ist eine Abwärtsentwicklung in Richtung der Marke von 1,31 USD in den kommenden Wochen durchaus möglich. Bisher ging es bei dieser Entwicklung eher um die allgemeine Stärke des US-Dollars als um Faktoren, die für das Pfund Sterling spezifisch sind. Das könnte sich jedoch ändern. Wenn die Bank of England damit zögert, das Risiko einer wiederauflebenden Inflation unter Kontrolle zu bringen, könnte das Pfund mit zusätzlichem Gegenwind im Inland konfrontiert werden. Dies würde in einer Zeit erfolgen, in der die globalen Bedingungen weiter ungünstig sind. Wir gehen davon aus, dass die Bank of England die Leitzinsen in der nächsten Woche bei 3,75 % belassen wird und Zinssenkungen in diesem Jahr ausgeschlossen sind, wenn sich die Energiepreise länger als zwei Monate auf einem hohen Niveau bewegen.
CHF: Die Macht des Schweizer Franken trifft auf die Haltung der SNB. Der Schweizer Franken erreichte gegenüber dem Euro ein neues Mehr-Jahres-Hoch und setzte damit eine Rallye fort, die in diesem Jahr bereits zu Gewinnen von mehr als 3 % geführt hat. Eine kürzliche Warnung, dass die SNB „zunehmend bereit ist, einzugreifen“, konnte die Entwicklung kaum verlangsamen. Dies bringt die SNB in eine zunehmend unangenehme Lage: Entweder toleriert sie eine weitere Aufwertung und gefährdet damit Exporte, oder sie steuert energischer gegen und setzt sich Vorwürfen einer Währungsmanipulation aus. Der Kurs des Währungspaars EUR/CHF fiel zum ersten Mal seit 2015 unter die Marke von 0,90, wobei die Risikoaversion und die Energieabhängigkeit Europas die Attraktivität des Franken verstärkten. Der Kurs des Währungspaars USD/CHF ist hingegen gestiegen. Dies spielt für die geldpolitischen Entscheidungsträger jedoch eine untergeordnete Rolle, da der Importkorb der Schweiz überwiegend auf die Eurozone ausgerichtet ist. Das Dilemma spitzt sich zu. Die Safe-Haven-Zuflüsse sind nach wie vor stark, verbale Interventionen verlieren an Wirkung, und eine Rückkehr zu Negativzinsen kann nicht mehr ausgeschlossen werden, wenn sich die SNB gezwungen sieht, die Entwicklung wieder unter Kontrolle zu bringen. Die nächste Sitzung der geldpolitischen Entscheidungsträger findet bereits in wenigen Tagen stattfindet. Bis dahin werden Händler die Toleranzgrenze der SNB wahrscheinlich weiter austesten. Solange es keine konkreten Maßnahmen gibt, bleibt der Weg des geringsten Widerstands die weitere Stärkung des Schweizer Franken, solange die globale Risikostimmung fragil bleibt.