- Nicolás im Käfig. Jede Hoffnung auf einen ruhigen Jahresbeginn wurde beendet, als Präsident Trump einen umfangreichen Einsatz des US-Militärs in Venezuela autorisierte und bekannt gab, dass Nicolás Maduro gefasst worden war.
- Dominanz in der Hemisphäre. Dies markierte das kühne Debüt der sogenannten „Donroe-Doktrin“ von Präsident Trump, eine aktualisierte Version der Politik des Präsidenten James Monroe aus dem 19. Jahrhundert, die die US-Dominanz in Amerika begründete.
- Neue Regeln. Auf globaler Ebene ist dies ein gewaltiges Wagnis, das die internationalen Regeln für den Rest des Jahrzehnts neu definieren könnte. Durch dieses einseitige Vorgehen im „nahen Ausland“ liefern die USA ihren Rivalen möglicherweise unbeabsichtigt eine Art Fahrplan.
- Ruhe bewahren. Die Volatilitätsindikatoren für verschiedene Anlageklassen bleiben verhalten, sodass die US-Aktienindizes den stärksten Jahresstart seit mehreren Zyklen verzeichnen konnten. Die Ölpreise schwanken weiterhin, da Händler kurzfristige Angebotsrisiken mit längerfristigen Produktionsdynamiken abwägen. Im Devisenhandel führt der US-Dollar die Liste der wichtigsten Währungen an, während der kanadische Dollar das Schlusslicht bildet.
- Gemischte Makrosignale. Die US-Arbeitsmarktindikatoren zeigten Schwächen. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg um 50.000, geringer als prognostiziert. Die Zahlen des Vormonats wurden ebenfalls nach unten korrigiert. Die Arbeitslosenquote sank auf 4,4 %, was ebenfalls unter den Erwartungen lag. Der ISM-Dienstleistungsindex stieg jedoch auf den höchsten Stand seit 14 Monaten – Aktivität, Beschäftigung und Neuaufträge expandierten. Dies deutet darauf hin, dass die zugrunde liegende Dynamik der US-Wirtschaft weiter stark ist.
- Inflation in der Eurozone bei 2 %. Ein Rückgang unter das Ziel von 2 % im Laufe des Jahres, bedingt durch Faktoren wie einen stärkeren Euro, niedrigere Energiepreise und ein nachlassendes Lohnwachstum, würde die Argumente für eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch die EZB im Jahr 2026 unterstützen.
Globale Makrodaten
2026 beginnt laut
Donroe-Doktrin. Nach dem plötzlichen Sturz von Nicolás Maduro in Venezuela ist die „Donroe-Doktrin“ zum entscheidenden Faktor für die Entwicklung der globalen Märkte zu Beginn des Jahres geworden. Die USA tendieren weiterhin weg von einer ungehinderten Globalisierung und hin zu einem stärker lokal ausgerichteten, militaristischen Ansatz, was die wirtschaftliche Sicherheit betrifft. Während sich die Märkte vergleichsweise ruhig verhielten, jedenfalls kurzfristig, wurde die geopolitische Landschaft nach der gewagten militärischen Aktion der US-Administration neu geordnet. Diese Aktion sollte die unangefochtene amerikanische Dominanz über die westliche Hemisphäre sicherstellen.
Der US-Arbeitsmarkt erreicht ein 5-Jahres-Tief. Die US-Daten für die Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft im Dezember verfehlten mit 50.000 die Erwartungen. Damit ist 2025 das schwächste Jahr für das Beschäftigungswachstum in den USA seit 2020. Mit nur 584.000 neu geschaffenen Stellen pro Jahr und deutlichen Abwärtskorrekturen befindet sich der Drei-Monats-Durchschnitt offiziell in einer Kontraktionsphase.
Geopolitik beiseite. Sowohl die Beschäftigtenzahlen als auch die Zahl der offenen Stellen in der privaten US-Wirtschaft blieben hinter den Erwartungen zurück, was auf eine Abkühlung der Arbeitskraftnachfrage hindeutet. Gleichzeitig sorgen niedrige Entlassungs- und steigende Kündigungsraten für eine anhaltende Marktdynamik, die von einer geringen Zahl von Neueinstellungen und Entlassungen gekennzeichnet ist. Im Gegensatz dazu stieg der ISM-Dienstleistungsindex auf den höchsten Stand seit 14 Monaten, basierend auf einer starken Expansion bei Neuaufträgen und Geschäftstätigkeit. Während der Rückgang bei den Auftragsrückständen eine gewisse Entlastung brachte, lässt der anhaltende Preisdruck vermuten, dass die Fed bei Zinssenkungen weiterhin Geduld zeigen wird. Gleichzeitig verzeichneten die USA einen historischen Rückgang des Handelsdefizits auf den niedrigsten Stand seit 2009. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass es sich hier um eine Anomalie handelt, die sich wahrscheinlich umkehren wird.
Eurozone. Die Inflation in der Eurozone ging im Dezember auf 2 % zurück (nach 2,1 % im November). Hauptgrund hierfür waren niedrigere Energiepreise. Die hartnäckige Inflation im Dienstleistungssektor ging von 3,5 % auf 3,4 % zurück, was größtenteils auf ein nachlassendes Lohnwachstum zurückzuführen ist. Die Daten werden bei den EZB-Mitgliedern wahrscheinlich vorerst keine große Reaktion auslösen, insbesondere nach den Aufwärtskorrekturen bei den Inflationsprognosen im Dezember.
FX-Perspektiven
Derzeit keine Zinssenkung durch die Fed in Sicht
USD: US-Dollar behält die Oberhand Der US-Dollar konnte im Laufe der Woche bei gemischten makroökonomischen Signalen einen gewissen vorsichtigen Optimismus wecken. Die Märkte interpretierten das Gesamtbild der Daten als überwiegend positiv, was einen leichten Anstieg der Renditen und einen entsprechenden Anstieg des US-Dollars zur Folge hatte. Auch wenn die Woche sowohl Falken als auch Tauben mit Daten zum Nachdenken versorgt hat, deutet das Gesamtbild nicht darauf hin, dass die Zinsen beim Treffen im Januar dringend gesenkt werden müssen. Damit dürfte der Anstieg des US-Dollars nach dem Tiefstand im Dezember bei 97,749 Punkten weiter anhalten, wobei der Inflationsbericht der nächsten Woche als nächster wichtiger Katalysator wirken dürfte. Da der Datenfluss nun reibungsloser verläuft und keine größeren, durch den Shutdown bedingten Störungen mehr auftreten, können Anleger endlich konkretere Erwartungen entwickeln, was tendenziell zu einer stabileren Kursentwicklung des US-Dollars führt. Der US-Dollar profitierte außerdem von einer Mischung aus einer Safe-Haven-Nachfrage im Zusammenhang mit geopolitischen Eskalationen, darunter die Gefangennahme Maduros und die erneute Androhung der Annektierung Grönlands, sowie einer verstärkten Wahrnehmung der US-Marktdominanz im Zusammenhang mit den Bemühungen, zusätzliche Öllieferungen zu sicherzustellen. Zukünftig dürften diese Faktoren jedoch nur noch einen begrenzten Einfluss ausüben, sofern es nicht in naher Zukunft zu weiteren Interventionen der USA kommt.
EUR: Euro gibt nach, US Dollar gibt den Ton an. Die Inflation in der Eurozone sank von 2,1 % im Dezember auf 2 %. Die Marktwetten auf eine Zinserhöhung der EZB in diesem Jahr wurden zunichte gemacht, da die Veröffentlichung die Sorgen hinsichtlich disinflationärer Tendenzen im gesamten Währungsraum neu entfachte, bedingt durch Faktoren wie einen stärkeren Euro, ein nachlassendes Lohnwachstum und niedrigere Energiekosten. Den größten Anteil an der Bewegung des Währungspaars EUR/USD hatten jedoch die US-amerikanischen Daten, die jede Dringlichkeit für Zinssenkungen durch die Fed bei der Januar-Sitzung zunichtemachten. Das Währungspaar steuert auf den vierten niedrigeren Schlusskurs in Folge zu und liegt seit Wochenbeginn um 0,6 % im Minus. Nachdem die gleitenden Durchschnittswerte für die letzten 100 und 50 Tage durchbrochen wurden, liegen die nächsten wichtigen Niveaus bei 1,1625 und 1,16, da sich die negative Dynamik nach dem Bericht zum US-Verbraucherpreisindex der nächsten Woche fortsetzen könnte.
GBP: Vergänglicher Glanz. Das Pfund Sterling gab mit 1,3568 gegenüber dem US-Dollar und mit 1,1568 gegenüber dem Euro im Vergleich zu den Höchstständen der letzten 3 Monate nach, da die nachlassende globale Risikobereitschaft die Safe-Haven-Nachfrage förderte. Aufgrund dieser Dynamik wurde das Pfund gegenüber Währungen mit einem höheren Beta-Wert stärker, beispielsweise gegenüber den Währungen der skandinavischen Länder und den Währungen Australiens und Neuseelands. Da es in letzter Zeit keine UK-spezifischen Katalysatoren gab, orientierte sich das Pfund Sterling weitgehend am globalen Marktumfeld. Da der US-Dollar stärker wurde, fiel das Währungspaar GBP/USD zum ersten Mal seit Ende November wieder unter den gleitenden 21-Tage-Durchschnitt. Dies ist ein Signal dafür, dass die Erholung aus dem 4. Quartal (von 1,30 USD auf 1,35 USD) an Dynamik verlieren könnte. Die gleitenden Durchschnittswerte für die letzten 100 und 200 Tage im oberen Bereich des Niveaus von 1,33 USD dürften jedoch eine solide Unterstützung bieten und könnten einen weiteren Kursrückgang in naher Zukunft verlangsamen. Hinsichtlich des Währungspaars GBP/EUR hatten wir bereits darauf hingewiesen, dass die Rallye übertrieben schien: Der gleitende 200-Tage-Durchschnitt stellt weiterhin eine klare Widerstandslinie dar. Aufgrund des fehlenden Durchbruchs über diesen Wert hinaus ist das Währungspaar anfällig für erneute Abwärtsrisiken. Angesichts der bevorstehenden Veröffentlichung zahlreicher britischer Wirtschaftsdaten könnten die Zahlen zur inländischen Wirtschaft eine größere Rolle bei der Entwicklung des Pfund Sterling spielen, wenn die Märkte ihre Erwartungen hinsichtlich des geldpolitischen Kurses der Bank of England präzisieren.
CHF: Frank und frei: ungewöhnlich. Der Schweizer Franken hatte in dieser Woche das Nachsehen und gab gegenüber dem US-Dollar um beinahe 1 % und gegenüber dem Euro um 0,3 % nach. Dies stellt angesichts der zunehmenden geopolitischen Spannungen eine ungewöhnliche Entwicklung dar, insbesondere, da der Goldpreis volatil ist und der Yen nicht mehr die Safe-Haven-Währung ist, die er einst war. Der Zeitpunkt hat Spekulationen darüber angefacht, dass die Schweizerische Nationalbank möglicherweise insgeheim Maßnahmen ergriffen hat, um einem starken Franken entgegenzuwirken, was ihrer bekannten Abneigung gegenüber einer Überbewertung der Währung entsprechen würde. Die Bestätigung wird bald möglich sein, wenn Händler sehen, ob die SNB ihre Bilanz im Dezember ausgeweitet hat. Der Anstieg der Schweizer Inflation in dieser Woche spricht gegen die Erwartung einer anhaltenden Schwäche des Franken. Auch wenn die SNB möglicherweise eine übermäßige Aufwertung abmildert, versucht sie nicht, den allgemeinen Trend umzukehren. Dies bietet dem Franken mittelfristig eine angemessene Unterstützung. Das Widerstandsniveau für die Aufwärtsentwicklung dürfte daher bei 0,8060 für das Währungspaar USD/CHF und 0,933 für das Währungspaar EUR/CHF liegen.