- Volatilität macht Urlaub. Die Märkte sehen sich zahlreichen Unbekannten gegenüber, die Volatilität über alle Anlageklassen hinweg bewegt sich jedoch nicht. Nehmen wir den Devisenmarkt als Beispiel: Die realisierten und impliziten Volatilitäten liegen in der Nähe jahrzehntelanger Tiefstände, wobei die realisierten Volatilitäten einiger wichtiger Währungen für einen der ruhigsten Marktstarts seit Beginn der Aufzeichnungen sorgen.
- Fed unter Beschuss. Die Fed erhielt wegen Renovierungsarbeiten am Hauptsitz Grand-Jury-Vorladungen. Für die Märkte besteht die wirkliche Spannung jedoch in ausbleibenden Zinssenkungen. Powell deutete dies als Angriff auf die Unabhängigkeit der Fed und Händler reagierten besorgt auf den zunehmenden politischen Druck, der Einzug in die Geldpolitik hält.
- Edle Rallye. Die Rohstoffmärkte verzeichnen einen schnellen Anstieg der Preise für Gold und Silber, die den Aufwärtstrend des Jahres 2025 fortsetzen, ein klassisches Safe-Haven-Verhalten in Zeiten steigender politischer Risiken und zunehmender Unsicherheiten in der Geldpolitik.
- Nicht weich genug. Auch wenn der Kernverbraucherpreisindex für die USA im Vergleich zum Vormonat lediglich um 0,2 % gestiegen ist (gegenüber 0,3 % im Monatsvergleich), deuten alternative Metriken auf eine höhere Inflation hin. Daher halten die Spekulationen hinsichtlich einer Zinssenkungspause bei der US-Notenbank weiter an.
- Falken bauen ihre Position aus. Der Bloomberg-Tracker für die Fed-Stimmung zeigt, dass die Aussagen so restriktiv wie seit April nicht mehr sind. Die Zinsmärkte haben den Zeitpunkt der nächsten Zinssenkung durch die Fed auf den Juni verschoben, was die relativen Renditen zugunsten des US-Dollars erhöht hat.
- Verbale Yen-Interventionen sind zurück. Der Treasury Secretary der USA hob den Kursverfall wichtiger asiatischer Währungen hervor, insbesondere des Won und des Yen. Dies erfolgte zu einem Zeitpunkt, als sich die Märkte gerade auf eine mögliche japanische Intervention vorbereiteten, nachdem der Yen ein 18-Monats-Tief erreicht hatte.
- Typisch Öl. Der Rohölpreis erreichte aufgrund der zunehmenden Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran den höchsten Stand seit Oktober. Nachdem Präsident Trump von einem unmittelbaren Militäreinsatz Abstand genommen hatte, sank er jedoch um 5 %. Dies zeigt, dass dieser Markt nach wie vor von Schlagzeilen getrieben wird.
Globale Makrodaten
Alles, was glänzt, wird aktiviert
Silber glänzt. Das Metallsegment erlebt zu Beginn des Jahres 2026 einen Boom und knüpft genau dort an, wo die Rallye des 4. Quartals 2025 aufgehört hat. Analysten nennen verschiedene Faktoren als ausschlaggebend: Ist es das Gewicht von Zentralbankaufkäufen, die Beschleunigung des sogenannten „Währungsentwertung-Handels“ oder ein Präventivschlag gegen die zurückkehrende Inflation? Es könnte sich um eine Reaktion auf Haushaltsdefizite und den damit verbundenen Druck auf die Renditen langfristiger Anleihen oder um ein geopolitisches Wettrennen um die Sicherung kritischer Mineralien handeln, um das Überleben von Industriezweigen zu sichern. Ob Inflationsabsicherung, Knappheit von Rohstoffen für bestimmte Industriezweige oder ein intensives Zusammenwirken aller dieser Faktoren – der Markt muss die folgende Frage stellen: Ist dies der definitive Beginn eines Rohstoffsuperzyklus im Jahr 2026?
Unabhängigkeit der Fed. Zu Beginn des Jahres 2026 jagten sich die Schlagzeilen, allen voran das Vorgehen des Department of Justice der USA gegen die Federal Reserve. Bislang hat sich der Markt gelassen gezeigt und die Volatilität ignoriert. Die systemischen Folgen sollten jedoch nicht ignoriert werden. Kurzfristig mag es ruhig bleiben. Die langfristigen Auswirkungen sind jedoch zu bedeutend, um sie zu vernachlässigen.
Verbraucherpreisindex (VPI) für die USA. Der jüngste Bericht zum US-Verbraucherpreisindex (VPI) deutet auf ein stabiler werdendes Inflationsumfeld Ende 2025 hin. Die Gesamtinflationsrate blieb im Jahresvergleich unverändert bei 2,7 %, während der monatliche Kernindex mit 0,2 % niedriger als erwartet ausfiel. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im März ist jetzt höher. Der Zeitplan für einen umfassenderen geldpolitischen Lockerungszyklus im 1. Halbjahr bleibt jedoch ungewiss.
Deutschland und Vereinigtes Königreich. Deutschland verzeichnet wieder Wachstum (+0,2 %) und der britische Fertigungssektor boomt (+2,1 %). In Teilen Europas hat sich die makroökonomische Situation offiziell von einer Rezession in eine Resilienz verändert.
FX-Perspektiven
Enge Bereiche und Wendepunkte
USD: US-Dollar hält die Stellung. Trotz des Kurssturzes zu Wochenbeginn aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit der Federal Reserve beendete der US-Dollar die Woche letztendlich unbeschadet. Der US-Dollar-Index steuert auf einen Gewinn von 0,2 % im Wochenvergleich zu. Der politische Risikoaufschlag wurde im Großen und Ganzen begrenzt. Hierfür waren das entschiedene öffentliche Auftreten von Jerome Powell im Zusammenhang mit den strafrechtlichen Ermittlungen des Department of Justice sowie die breite Unterstützung durch wichtige Politiker der USA verantwortlich. Der US-Dollar konnte sich daher in Übereinstimmung mit einer Reihe von Berichten bewegen, die keine weitere Verschlechterung für den Arbeitsmarkt zeigten. Dabei lieferten das Beige Book und die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenhilfe wichtige Hinweise. Der Kursanstieg wurde durch eine weitere Bestätigung der Federal Reserve gestützt, dass eine sofortige geldpolitische Lockerung nicht dringend sei. Der US-Dollar profitiert weiter von der Auflösung der negativen Saisonalität im Dezember und festigt die Konsolidierungsposition im Bereich von 98 bis 100.
EUR: 1,16 getestet, 1,15 in Sicht. Das Währungspaar EUR/USD liegt im Bereich der psychologisch wichtigen Marke von 1,16 und steuert auf einen um 0,3 % niedrigeren Wochenschlusskurs zu. Die Kursentwicklung des Währungspaars ist weiter von den Entwicklungen in den USA abhängig. Wir gehen davon aus, dass sich der Handel in den kommenden Wochen oder Monaten innerhalb des Bereichs von 1,15 bis 1,18 bewegen wird. Das untere Ende dieser Spanne scheint jedoch kurzfristig anfälliger für einen Test zu sein, da die US-Daten weiterhin ein robustes makroökonomisches Umfeld bestätigen. Aus technischer Sicht spricht die Nähe zum gleitenden 200-Tage-Durchschnittswert für eine Abwärtsbewegung, wobei die Positionierung am Optionsmarkt diese Ansicht untermauert: Die einmonatigen Risikoumkehrungen, wichtige Indikatoren für die Richtung, in die die Entwicklung tendiert, haben sich zum ersten Mal seit November ins Negative gewendet. Größere geldpolitische Lockerungen sind jedoch erst für den Juni eingepreist, sodass Auspreisungen von Zinssenkungen nur einen geringen negativen Einfluss auf das Währungspaar haben dürften, was den Kurs von 1,15 vorerst stützt.
GBP: Kann den Hype nicht nutzen. Das Pfund Sterling startete gegenüber dem US-Dollar fester in die Woche, da die Ermittlungen gegen Jerome Powell erneut Befürchtungen entfachte, dass das Drängen von Trump auf deutlich niedrigere Zinsen die Glaubwürdigkeit der Federal Reserve untergraben könnte. Dies gab der Debatte um die Entdollarisierung neuen Auftrieb. Das Währungspaar GBP/USD erreichte erneut den mittleren Bereich von 1,34 USD, nachdem es beim gleitenden 200-Tage-Durchschnittswert auf ein deutliches Widerstandsniveau traf. Dies unterstützt die Annahme, dass der übergeordnete Aufwärtstrend weiter intakt sein könnte. Das Umfeld scheint im Großen und Ganzen das Pfund Sterling zu unterstützen – eine höhere Risikobereitschaft, schwächere Volatilitätsindikatoren und der Rückgang des Ölpreises. Dazu haben die Märkte nach der Veröffentlichung eines stärkeren britischen BIP-Werts ihre Erwartungen hinsichtlich Zinssenkungen durch die Bank of England reduziert. Dennoch konnte das Pfund seine Gewinne nicht halten. Der Grund ist zunehmend mechanischer Natur: Das Pfund Sterling reagiert aggressiver auf Schwankungen beim US-Dollar als die meisten anderen wichtigen Währungen. Diese Dynamik wurde in den letzten Monaten stärker, was sich nun auch auf die Kreuzkurse auswirkt. Für das Währungspaar GBP/EUR bildet der gleitende 200-Tage-Durchschnittswert nach wie vor den wesentlichen oberen Grenzwert. Ein gescheiterter Ausbruch über die Marke von 1,1571 EUR hinaus würde ein pessimistisches Doppeltop-Muster zementieren und den Weg für eine Entwicklung zurück in Richtung auf 1,14 EUR ebnen. Kurzfristig wird jede erneute Stärke des US-Dollars das Währungspaar GBP/USD naturgemäß nach unten lenken. Der gleitende 100-Tage-Durchschnittswert (1,3365 USD) stellt jetzt eine wichtige Unterstützungszone dar. Ein Durchbruch unter diese Marke würde die Marke von 1,33 freilegen. All das deutet auf eine Woche für das Vereinigte Königreich hin, die stark von Daten geprägt sein wird. Neue Impulse könnten das Pfund Sterling endlich aus seiner Niedrigvolatilitätsphase herausholen.
CHF: Handbremse angezogen. Der Franken wurde zu Beginn der Woche durch eine Safe-Haven-Nachfrage unterstützt, die durch geopolitische Spannungen und die Sorgen um die Unabhängigkeit der Federal Reserve ausgelöst wurde. Nachdem Trump jedoch signalisierte, dass die USA von einer Intervention im Iran möglicherweise absehen werden, ließ die Safe-Haven-Nachfrage nach, wovon auch der Schweizer Franken betroffen war. Die Währung steuert auf ihren dritten Verlust im Wochenvergleich für das Jahr 2026 gegenüber dem US-Dollar zu. Das Währungspaar EUR/CHF blieb im Jahresvergleich im Wesentlichen jedoch unverändert. Bemerkenswert an der Schwäche des Franken ist das Fehlen von Anzeichen für Interventionen durch die SNB: Die Sichteinlagen bewegten sich in einer engen Bandbreite und die jüngsten Daten zu Devisenreserven deuten nicht auf aktive Interventionen hin. Auch wenn sich der Franken nominell nahe einem der höchsten jemals erreichten Niveaus gegenüber dem US-Dollar befindet, deutet der reale effektive Wechselkurs der Schweiz noch nicht auf eine extreme Überbewertung hin. Das lässt darauf schließen, dass die Währung noch Spielraum für die Absorption von Kapitalzuflüssen hat, sollten die geopolitischen Risiken in der Zukunft eskalieren.