Von KI-Ängsten geprägter Handel. Aktien standen weiter unter Druck, da Sorgen um KI-Unternehmen einen umfassenderen Ausverkauf im Technologiesektor auslösten. Der Nasdaq liegt um mehr als 5 % unter dem letzten Höchststand. Der globale Aktienindex MSCI steuert auf den ersten Rückgang in zwei aufeinanderfolgenden Wochen in diesem Jahr zu.
Überraschung auf dem Arbeitsmarkt Die Entwicklung auf dem US-Arbeitsmarkt übertraf alle Erwartungen: Die Zahl der Beschäftigten stieg im Januar um 130.000 – der stärkste Anstieg seit mehr als einem Jahr – und die Arbeitslosenquote sank unerwartet auf 4,3 %. Allerdings gab es beim Beschäftigungszuwachs eine ungewöhnlich starke Konzentration im Gesundheits- und Sozialsektor.
Ein weiterer schwacher VPI-Wert. Die US-Inflation lag mit 2,4 % etwas unter den Prognosen. Dies verschaffte risikoreichen Anlagen aufgrund erneuter Hoffnungen auf eine Lockerung der Geldpolitik durch die Federal Reserve eine kurze Atempause.
Erwartungen an die Federal Reserve. Die vom Markt implizierten Fed-Zinssätze schwankten die ganze Woche über, wobei die Händler zwischen Juni und Juli als Zeitpunkt für die erste Zinssenkung im Jahr 2026 schwankten. Der angenommene Zinssatz für das Ende des Jahres 2026 lag zum Wochenschluss wieder bei 3 %, da infolge der Veröffentlichung der Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft 13 Basispunkte hinzuaddiert wurden.
Drama um den US-Dollar. Unterstützende Fundamentaldaten dürften zur Stabilisierung des US-Dollar beitragen. Erhöhte Unsicherheiten hinsichtlich der Geldpolitik der USA dämpften den Aufschwung jedoch. Hinzu kommen erneute Diskussionen über eine „Entdollarisierung“ und Berichte, nach denen chinesische Regulierungsbehörden Banken aufgefordert haben, ihr Engagement in US-Staatsanleihen zu begrenzen.
Yen-Sensation – vorerst. Anleger begeistern sich wieder für den Yen und interpretieren den Wahlsieg von Takaichi als ein Signal für Wachstum und den Kauf der japanischen Währung. Der Yen ist diese Woche um mehr als 2 % gestiegen. Das langsame Wirtschaftswachstum Japans, die enorme Verschuldung und die negativen Realrenditen lassen die langfristig pessimistische Prognose jedoch intakt.
Euro gibt den Ton vor. Die Risikoumkehrpreise zeigen eine hohe Aufwärtsprämie für den Euro über alle Laufzeiten hinweg. Dies signalisiert, dass der Markt die Euro-Stärke nicht als kurzfristig betrachtet und sich auf eine längerfristige Verlagerung in Richtung auf den Euro und weg vom US-Dollar einstellt.
Globale Makrodaten
Expansion ohne Beschäftigungswachstum
Stagnation auf dem US-Arbeitsmarkt. Die Zahl der Beschäftigten stieg im Januar um 130.000, während die Arbeitslosenquote auf 4,3 % sank. Beide Zahlen lagen über den Erwartungen. Das BLS reduzierte die Gesamtzahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft für den März 2025 jedoch saisonbereinigt um 898.000 nach unten (–0,6 %), sodass im Jahr 2025 insgesamt nur 181.000 Stellen hinzugekommen sind, d. h. ungefähr 15.000 pro Monat. Dies war das schwächste Jahr seit 2020 und das schwächste Jahr außerhalb einer Rezession seit 2003, was die Zahl der Einstellungen betrifft. Gleichzeitig wuchs die US-Wirtschaft im 3. Quartal 2025 mit einer annualisierten Rate von 4,4 %. Für das 4. Quartal werden 3,8 % prognostiziert. Diese wirtschaftliche Expansion ohne gleichzeitiges Beschäftigungswachstum widersetzt sich weiterhin allen Rezessionswarnungen.
Schwaches Wachstum im Vereinigten Königreich. Das Wachstum betrug im Vergleich zum Vorquartal 0,1 %, während 0,2 % erwartet worden waren. Der Dienstleistungssektor stagnierte, der Fertigungssektor erholte sich leicht und der Bausektor blieb schwach. Im Jahresvergleich betrug das Wachstum des Fertigungssektors um 1,0 %, was unter der Prognose von 1,2 % liegt. Das monatsbezogene BIP im Dezember entsprach mit 0,1 % den Erwartungen. Die Daten stellen einen weiteren Rückschlag für Premierminister Starmer dar, der unter starkem Druck steht, zurückzutreten. Polymarket erwartet weiterhin mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 % einen Rücktritt bis zum 30. Juni. Befürchtungen hinsichtlich eines weniger zentristischen Labour-Nachfolgers bedeuten angesichts der potenziellen fiskalischen Auswirkungen ein erhebliches politisches Risiko für das britische Pfund.
Verbraucherpreisindex (VPI) für die USA. Nach der Veröffentlichung der Zahlen atmeten die Märkte sichtlich erleichtert auf. Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen sanken und der US-Dollar erreichte Tagestiefstände, da Befürchtungen hinsichtlich „heißer“ Zahlen für den Januar verflogen. Der Gesamt-VPI stieg im Berichtsmonat lediglich um 0,2 % und lag damit unter der Prognose von 0,3 %, während der Kernindex mit 0,3 % genau den Erwartungen entsprach. Bemerkenswert ist, dass die Wachstumsrate im Jahresvergleich auf 2,4 % zurückging, was den geringsten jährlichen Anstieg seit Mai letzten Jahres darstellt. Während die Wohnkosten weiterhin den Haupttreiber der Inflation darstellen, gilt der Anstieg von 0,2 % im Monatsvergleich als unbedenklich. Beispielsweise zeigte kein Monat des Jahres 2024 einen so niedrigen Wert. Insgesamt deuten die Daten darauf hin, dass der allgemeine Disinflationstrend weiterhin anhält. Eine Zinssenkung im Juni ist nun wieder ein Thema.
FX-Perspektiven
Arbeitsmarktrisiken überschatten Erholung des US-Dollars
USD: Der US-Dollar verliert seinen Glanz aufgrund der Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft. Die Woche endet trotz eigentlich positiver makroökonomischer Daten mit einem geschwächten US-Dollar. Die positiven Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft vom Mittwoch führten zunächst zu einer Abflachung der Zinsstrukturkurve für US-Staatsanleihen. Ein Großteil dieser Bewegung wurde inzwischen jedoch wieder zurückgenommen. Diese Veränderung spiegelt eine wachsende Skepsis gegenüber der zugrunde liegenden Entwicklung des Arbeitsmarkts wider, die keine nachhaltigere restriktive Haltung begründen kann. Hinter den Kulissen reduzierten jahresbezogene Benchmarkänderungen den durchschnittlichen Stellenzuwachs im Monatsvergleich für das Jahr 2025 auf lediglich 15.000. Dies verstärkt den Eindruck eines Stillstands, der von „wenig Einstellungen, wenig Entlassungen“ geprägt wird, nicht den einer erneuten Beschleunigung. Unterdessen scheint die Inflation entsprechend den Erwartungen der Fed nachzulassen (2,4 % im Jahresvergleich für den Januar, nach 2,7 %). Die makroökonomisch begründete positive Markteinschätzung hat sich bisher nicht bewahrheitet. Die Stimmung gegenüber der Währung bleibt daher verhalten. In der Folge scheinen Händler jede Stärke des US-Dollars als Gelegenheit zu nutzen, um zu günstigeren Kursen zu verkaufen, wobei sie sich eher von längerfristigen bärischen Überlegungen als von einer kurzfristigen Dynamik leiten lassen.
EUR: Der Euro profitiert von der Tendenz beim US-Dollar. Das Währungspaar EUR/USD spiegelt nach wie vor die Schwankungen beim US-Dollar nahezu perfekt wider. Da die Stimmung gegenüber dem US-Dollar nach wie vor verhalten ist und die US-Makrodaten die Anleger nicht begeistern können, ist der Euro gut für eine weitere Nachfrage positioniert. Aus technischer Sicht bleibt die Konstellation konstruktiv. Das Währungspaar EUR/USD notiert oberhalb aller wichtigen gleitenden Durchschnitte, insbesondere dem gleitenden 21-Tage-Durchschnitt, dessen Aufwärtstendenz und Position im Verhältnis zum Spotkurs den deutlichsten Hinweis auf eine kurzfristige Dynamik bieten. Die Optimisten haben die Kontrolle. Das Währungspaar erscheint im Verhältnis zum makroökonomisch begründeten fairen Wert überbewertet. Dies könnte sich jedoch als beständiger herausstellen als zunächst angenommen. Wenn die US-Makrodaten weiter enttäuschen und die Fed zu einer Lockerung der Geldpolitik bewegen, könnte die derzeitige Präferenz des Markts für den Bereich von 1,18–1,19 fundamental gerechtfertigt sein, was einen längeren Aufenthalt des Währungspaars in höheren Bereichen unterstützen würde.
GBP: Dreifach-Rückschlag. Ein dreifacher Rückschlag prägt nun die Entwicklung des britischen Pfunds. Politische Unsicherheiten und eine nun taubenhaftere Haltung der Bank of England haben die Stimmung belastet. Als G10-Währung mit höherem Betawert wurde das Pfund auch durch den Aktienausverkauf dieser Woche belastet. Das Währungspaar GBP/USD kämpft um das Niveau von 1,36 GBP. Ein Schlusskurs unterhalb dieses Niveaus würde die Unterstützung durch den gleitenden 21-Tage-Durchschnitt beenden, was darauf hindeutet, dass der aktuelle Aufwärtstrend nachlässt. Der Optionsmarkt verhält sich ebenfalls vorsichtig, wobei negative Risikoumkehrungen im längerfristigen Bereich eine klare Präferenz für eine Absicherung gegen längerfristige GBP-Abwärtsentwicklungen erkennen lassen. Allerdings deuten Volatilitätskinks an den Rändern darauf hin, dass nach wie vor ein Zwei-Wege-Risiko an den Extremen besteht. Das Währungspaar GBP/EUR lässt weiter keine klare Richtung erkennen. Dabei stellt der gleitende 100-Tage-Durchschnitt nach wie vor das wichtigste Unterstützungsniveau dar. Das Währungspaar bewegte sich während der letzten Handelssitzungen seitlich, was auf einen Mangel an Überzeugung auf beiden Seiten hindeutet. Sollte sich die globale Risikostimmung jedoch verbessern, erscheint ein Anstieg über die Marke von 1,15 EUR kurzfristig plausibel. Die Makrodaten sind hier jedoch entscheidend. Die britischen BIP-Daten enttäuschten diese Woche. Ihre rückwirkende Natur begrenzte jedoch die Marktreaktion. Die Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten der nächsten Woche werden für die kurzfristigen Aussichten des britischen Pfunds eine weitaus größere Rolle spielen.
CHF: Anhaltende Stärke. Der Franken ist diese Woche gegenüber dem US-Dollar um beinahe 1 % stärker und liegt gegenüber dem Euro nur noch um 0,3 % unter dem 10-Jahres-Hoch. Die Risikoaversion stützt weiterhin den Franken als Safe-Haven-Währung. Die Zurückhaltung der SNB hinsichtlich einer Intervention hat diese Entwicklung zusätzlich unterstützt. Die Inflation in der Schweiz lag im Januar im Jahresvergleich bei 0,1 % und entsprach damit den Erwartungen. Dies bestärkt die Annahme, dass die SNB die Zinssätze im nächsten Monat unverändert lassen wird. Die Bank scheint bereit zu sein, vorübergehend eine niedrige oder sogar negative Inflation zu tolerieren. Dies deutet auch darauf hin, dass die SNB mit einem weiterhin sinkenden Kurs für das Währungspaar EUR/CHF einverstanden ist. Generell unterstreicht die zunehmende Sensibilität des Franken gegenüber einem schwachen US-Dollar seine wachsende Attraktivität als strukturelle Alternative zum US-Dollar. Im Vergleich zu den Trends vor dem Liberation Day verzeichnet der Schweizer Franken jetzt einen größeren Anteil an Safe-Haven-Zuflüssen als der US-Dollar.