- Bewertung trifft Volatilität. Die Risikobereitschaft schwankt, während Anleger die Tech-Euphorie gegen überzogene Bewertungen von KI-Unternehmen abwägen. Der Angstindex VIX schnellte in die Höhe. Die technologieorientierte Nasdaq liegt rund 4 % unter ihrem Höchststand. Asiatische Aktien steuern auf ihre schlechteste Woche seit drei Monaten zu, während Bitcoin seine schlechteste Woche seit März im Blick hat.
- Shutdown-Signale und Schattendaten. Da sich die Berichtssaison dem Ende zuneigt und aufgrund des Shutdowns keine offiziellen US-Daten verfügbar sind, orientieren sich die Märkte an privaten Indikatoren, um den Zustand der US-Wirtschaft zu bewerten.
- Zinssenkung durch die Fed? Noch immer völlig offen. Die ADP-Beschäftigungszahlen übertrafen die Erwartungen (42.000 gegenüber 30.000) und der ISM-Dienstleistungsindex überraschte positiv. Das lässt die Märkte weiter im Unklaren darüber, ob die Fed im Dezember Zinssenkungen bekanntgeben wird.
- Die Zahl der Entlassungen steigt. Die Volatilität wurde jedoch erneut angefacht, als Challenger-Daten die meisten Entlassungen in einem Oktober seit mehr als zwei Jahrzehnten zeigten, was für Unsicherheit sorgte. Das Aufwärtspotenzial des US-Dollars wurde reduziert, wobei der US-Dollar-Index unter die Marke von 100 fiel.
- Eurozone: gemischte Signale. Die revidierten PMIs fielen besser aus als erwartet, insbesondere für Frankreich. Die schwache Industrieproduktion in Deutschland und schwache Einzelhandelsumsätze dämpften die Kursentwicklung des Euro jedoch.
- BoE: nicht einstimmig. Die Bank of England (BoE) ließ den Leitzins in einer knappen Abstimmung mit 5:4 Stimmen unverändert bei 4 %, wobei vier Mitglieder für eine Senkung stimmten. Dies ist im Vergleich zum Ergebnis von 7:2 beim letzten Treffen eine gemäßigte Veränderung, was die schwächeren Inflations- und Arbeitsmarktdaten widerspiegelt.
- Jede Menge Daten. In der nächsten Woche wird es viele Daten geben, insbesondere für das Vereinigte Königreich.
Globale Makrodaten
ADP füllt NFP-Lücke
SCOTUS. Die weitreichende Nutzung von Exekutivbefugnissen durch Präsident Trump zur Einführung seiner Signature-Zölle wurde vom Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten (SCOTUS) eingehend geprüft. Die Richter schienen skeptisch zu sein. Frühe Anzeichen für Bedenken der Richter hinsichtlich der Tatsache, dass sich die Regierung auf das IEEPA-Rahmenwerk beruft, könnten zu erneuten Unsicherheiten in der Handelspolitik führen.
Zahlen zu Arbeitsmarkt und Dienstleistungen in den USA. Die ADP-Daten deuten auf eine Stabilisierung des US-Arbeitsmarkts hin, wobei die Zahl der Beschäftigten im privaten Sektor nach einer vorherigen Abwärtskorrektur um 42.000 gestiegen ist. Der Anstieg wurde jedoch ausschließlich von großen Unternehmen getragen, während die Beschäftigung in kleinen Unternehmen zum fünften Mal innerhalb von sechs Monaten zurückging. Dies deutet auf eine anhaltende Nachfrageschwäche hin. Der ISM-Dienstleistungsindex erholte sich im Oktober deutlich und expandierte so schnell wie seit acht Monaten nicht mehr, basierend auf einer steigenden Nachfrage. Die Zahl der Neuaufträge stieg auf 56,2 und die Geschäftstätigkeit erreichte 54,3, was auf robuste Verbraucher- und Unternehmensausgaben hindeutet.
Fiskalischer Schwerpunkt auf Kanada und dem Vereinigten Königreich. Der wegweisende Haushalt von Premierminister Mark Carney kombiniert neue Ausgaben in Höhe von 141,4 Milliarden CAD mit Kürzungen in Höhe von 58,2 Milliarden CAD, einschließlich einer Reduzierung der Beschäftigten der kanadischen Regierung um 10 %. Dies führt zu einem prognostizierten Defizit von 78,3 Milliarden CAD, beinahe doppelt so hoch wie vorherige Schätzungen. Ende dieses Monats wird die Finanzministerin des Vereinigten Königreichs, Rachel Reeves, den britischen Haushalt vorstellen.
Bank of England. Die Bank of England (BoE) ließ den Leitzins in einer knappen Abstimmung mit 5:4 Stimmen unverändert bei 4 %, wobei vier Mitglieder für eine Senkung stimmten. Beim letzten Treffen waren es nur zwei Mitglieder. Dies unterstreicht die wachsenden Meinungsverschiedenheiten innerhalb des MPC. Infolgedessen gab das Pfund Sterling nach und die Renditen britischer Staatsanleihen sanken. Die Bank signalisierte, dass die Inflationsrisiken nun besser einschätzbar sind. Sie bekräftigte jedoch einen schrittweisen Lockerungskurs, abhängig von den eingehenden Daten.
RBA. Die australische Zentralbank ließ den Leitzins unverändert bei 3,60 % und hielt angesichts der steigenden Inflation und schwächer werdender Arbeitsmarktdaten an ihrer vorsichtigen Haltung fest. Die RBA, die nach bereits drei Zinssenkungen in diesem Jahr ihren Zinssenkungszyklus ab August pausiert hatte, signalisierte, dass sie weitere Belege für eine sinkende Inflation benötigt.
FX-Perspektiven
Auf der Suche nach einem Kompass
USD: Überbewertet bei 100. Die wöchentlichen Gewinne des US-Dollars schwanden gegen Ende der Woche. Der US-Dollar legte aufgrund einer Mischung aus verbesserter Stimmung und Safe-Haven-Zuflüssen zu. Den Hauptfaktor für die verbesserte Stimmung bildeten die nachlassenden Handelsspannungen, insbesondere mit China nach dem in der vergangenen Woche geschlossenen einjährigen Handelsabkommen. Eine durch wachsende Befürchtungen hinsichtlich überzogener Bewertungen ausgelöste Aktienmarktkorrektur bestätigte die nach wie vor hohe Safe-Haven-Attraktivität des US-Dollars. Allerdings kippte die Stimmung gegen Ende der Woche. Der vorsichtige Optimismus, der durch die besser als erwartet ausgefallenen ADP- Zahlen und die ISM-PMI-Daten für den Dienstleistungssektor am Donnerstag neu entfacht worden war, wurde durch massive Entlassungen zunichte gemacht. Die Zahl der Entlassungen war die höchste in einem Oktober seit mehr als zwei Jahrzehnten, wie Challenger, Gray & Christmas Inc. meldeten. Die Zahlen erhöhten die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Dezember leicht, von 62 % auf bis zu 72 %, bevor sie am Freitag wieder etwas sank. Technisch gesehen, hatte sich der DXY gerade erst dem weiter fallenden gleitenden 200-Tage-Durchschnitt angenähert. Ein Durchbruch in Bezug auf dieses Niveau erscheint zum jetzigen Zeitpunkt nicht begründet, insbesondere nach den Challenger-Zahlen bei den Entlassungen. Wir gehen davon aus, dass der US-Dollar eher die obere Hälfte der Marke von 99 bevorzugen wird. Voraussetzung ist, dass keine weiteren erheblichen Überraschungen bei den Daten eintreten, die die Entwicklung der Währung stärker in eine bestimmte Richtung lenken.
EUR: Das Schicksal des Euro ist an die Stimmung in den USA gebunden. Die PMI-Zahlen der Eurozone zu Wochenbeginn übertrafen die Erwartungen, wobei die französische Industrie- und Produktionsleistung trotz der politischen Turbulenzen ebenfalls positiv überraschte. Im Gegensatz hierzu blieben die deutsche Industrieproduktion sowie die Einzelhandelsumsätze der Eurozone hinter den Prognosen zurück. Dies ließ Überlegungen aufkommen, ob angesichts der von Zöllen geprägten Aussichten der Optimismus vielleicht übertrieben war. Dies hatte eine dämpfende Wirkung auf die Kursentwicklung des Euro. Die Währung ist jedoch nach wie vor den Entwicklungen in den USA ausgeliefert. Die Anleger analysieren den Zustand der US-Wirtschaft weiter anhand alternativer Daten. Sie werden dabei auch von ergänzenden Faktoren wie Handelsvereinbarungen beeinflusst, was die positive Stimmung gegenüber dem US-Dollar möglicherweise verstärkt hat. Das Währungspaar EUR/USD war daher unterbewertet im Verhältnis zu dem, was makroökonomische Indikatoren und geldpolitische Ausrichtung nahelegen. Im Laufe der Woche richtete es sich jedoch neu aus, nachdem enttäuschende Wirtschaftsdaten für die Eurozone veröffentlicht worden waren und ein Challenger-Bericht vorgelegt wurde, der die Befürworter einer gemäßigten Geldpolitik nicht überzeugen konnte, was Verluste bei US-Renditen reduzierte. Auch wenn die vorherige Unterbewertung zu einer aggressiveren Erholung des Währungspaars führte, ist das weitere Aufwärtspotenzial des Euro nun, da die Lücke kleiner geworden ist, von einem stetigen Strom „weicher“ Daten zur US-Wirtschaft abhängig, da einmalige Ereignisse möglicherweise nicht mehr ausreichen.
GBP: Entlastung, keine Wiederbelebung. Das Pfund Sterling erlebte gegenüber den G10-Währungen eine Rallye, nachdem die Bank of England die Zinsen unverändert bei 4 % belassen hatte. Diese Entwicklung scheint jedoch eher technischer als fundamentaler Natur zu sein. Die Erholung dürfte darauf zurückzuführen sein, dass Anleger defensive Positionen auflösen, nachdem eine überraschende Zinssenkung ausblieb. Dies verschaffte dem Pfund Sterling kurzfristig etwas Luft. Gouverneur Baileys Aussage, dass Entscheidungen datenbasiert seien, erhält die gemäßigte Grundhaltung aufrecht. Angesichts der zahlreichen bevorstehenden Veröffentlichungen von Wirtschaftsdaten für das Vereinigte Königreich könnten sich durch die Erholung lediglich günstigere Einstiegspunkte für Verkäufer ergeben, da die Abwärtsrisiken weiterhin Bestand haben. Das Währungspaar GBP/USD hat sich von der Phase des Überverkaufs erholt und hält sich oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 1,30 USD auf. Das Währungspaar GBP/EUR liegt weiter unterhalb der Marke von1,14 EUR und folgt damit dem sinkenden Abstand zwischen den Renditen für britische und deutsche Staatsanleihen. Risikoumkehrungen, insbesondere bei 1-monatigen Laufzeiten in Anbetracht des bevorstehenden November-Budgets, deuten auf eine erhöhte Nachfrage nach Absicherungen gegen Kursverluste hin und unterstreichen die anhaltende Besorgnis der Anleger über die Anfälligkeit des Pfund Sterling. Unterdessen halten ausgeglichene Fonds weiterhin Netto-Long-Positionen im Pfund Sterling, was Raum für weitere Kursverluste lässt, falls Positionen abgebaut werden. Dies gilt insbesondere, da Asset-Manager weiterhin eine deutlich pessimistische Einstellung zeigen.
CHF: Safe-Haven-Status im Test. Der Schweizer Franken entwickelte sich diese Woche trotz eines allgemein risikoscheuen Marktumfelds schwächer als der Yen. Dies ist angesichts seiner jüngsten Rolle als bevorzugter Safe-Haven-Währung ungewöhnlich. Seit dem „Liberation Day“ ist der Schweizer Franken gegenüber dem US-Dollar um beinahe 10 % gestiegen, während der Yen gegenüber dem US-Dollar um rund 3 % gefallen ist. Dies macht diese Divergenz besonders bemerkenswert. Diese Entwicklung könnte ein frühes Anzeichen für einen Regimewechsel sein. Die Spekulationen über Interventionen der SNB wurden erneut angefacht, da die jüngste Kursentwicklung auf mögliche Verkäufe des Franken hindeutet. Das Währungspaar EUR/CHF legte trotz der sich verschlechternden globalen Stimmung um beinahe 1,2 % zu. Dies bekräftigt die Ansicht, dass die geldpolitischen Entscheidungsträger eine übermäßige Stärke der Währung möglicherweise vermeiden möchten. Auf makroökonomischer Ebene verdeutlicht die Inflationsrate von lediglich 0,1 % für den Oktober den disinflationären Effekt einer starken Währung. Da der Kerndruck nachgelassen hat und die Importkosten gesunken sind, dürfte der Franken bis zum Jahresende weitgehend stabil bleiben – allerdings mit einer leichten Abschwächungstendenz, da die SNB ihren geldpolitischen Kurs neu ausrichtet.